# taz.de -- Privatisierung: Wasserbetriebe mehr als flüssig
> Im Jahr 2007 haben die Wasserbetriebe fast 350 Millionen Euro Gewinn
> gemacht. Weil die Berliner aber weniger Wasser verbrauchten, zahlten sie
> trotzdem weniger. Linke kritisiert erneut Privatisierung des
> Wasserversorgers.
(IMG) Bild: Sprudelnde Gewinne: Die Berliner Wasserbetriebe freuen sich über 350 Millionen Euro Gewinn - zu Lasten der Verbraucher
Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) haben im Jahr 2007 einen Gewinn von
satten 344,3 Millionen Euro eingefahren. Der Jahresüberschuss der BWB, die
zur Hälfte dem Land Berlin, zur anderen Hälfte den Investoren RWE und
Veolia gehören, sprang um 80 Prozent auf 177 Millionen Euro - und das,
obwohl die Berliner weniger Wasser verbrauchten als noch im Jahr zuvor. Das
geht aus der Jahresbilanz hervor, die BWB-Chef Jörg Simon am Donnerstag
vorlegte.
Ein Großteil der Gewinnsteigerung ist auf ein gewonnenes Gerichtsverfahren
zurückzuführen. Demzufolge muss das Land Berlin mehr als 171 Millionen Euro
für die Regenentwässerung der Straßen an die BWB nachzahlen. Die Regierung
hatte argumentiert, im Landeshaushalt sei für die Regenentwässerung nur ein
begrenzter Posten vorgesehen. Auch stellte sie die Abschreibungspraxis der
BWB infrage. Den Prozess verlor das Land im Februar 2007.
Abgesehen von diesem Einmalgewinn hat auch eine Preissteigerung von 1,9
Prozent zum Jahresbeginn Anteil an der glänzenden Bilanz. Die Berliner
bezahlten 2007 mit durchschnittlich 16,35 Euro pro Kopf und Monat zwar 35
Cent weniger für Trink- und Abwasser als im Vorjahr. Das ist allerdings
allein auf einen niedrigeren Verbrauch zurückzuführen, der um 4 auf 111
Liter pro Tag und pro Person sank. Anfang dieses Jahres ist der Wasserpreis
erneut um 1,9 Prozent angehoben worden.
Der BWB-Vorstandsvorsitzende Simon sagte, er rechne auch für die Zukunft
mit einem sinkenden Verbrauch. Dies sei überdies ein Grund für die
Teuerung: Weil die Fixkosten für Rohre und Kanalisation gleichblieben,
müssten diese Kosten auf die geringere Wassermenge umgelegt werden. Ein
hohes Entnahmeentgelt, Investitionen und ein "Anpassungsbedarf bei Preisen
gerade im Ostteil der Stadt" täten ihr Übriges.
Eine Argumention, die nicht überzeugt. Denn die Ost-West-Preisangleichung
wurde bereits im Jahr 1996 vollendet, also noch vor der Privatisierung der
BWB im Jahr 1999. Der Höhepunkt der Investitionen in die Ostberliner
Wasser-Infrastruktur lag ebenfalls Mitte der 90er-Jahre. Welche Erklärung
bleibt also noch? BWB-Pressesprecher Stephan Natz: "Unsere Gesellschafter
haben eben einen bestimmten Renditeanspruch."
Klaus Lederer, Landeschef der Linken, erneuerte deshalb seine Kritik an der
Privatisierung der BWB. Eine Chance für einen Rückkauf durch das Land sehe
er derzeit jedoch nicht, sagte er der taz. Nicht nur fehle Berlin das Geld,
sondern auch den Privaten die Verkaufsabsicht. Die werde "natürlich
geschmälert durch die sehr komfortablen Vertragsbedingungen", betonte
Lederer.
Diese Vertragsbedingungen sind der breiten Öffentlichkeit weiter unbekannt.
Anfang März hat der Senat einen Antrag auf Zulassung eines Volksbegehrens
für den Rückkauf der BWB und der Offenlegung sämtlicher Verträge abgelehnt
- obwohl mit 36.000 Unterschriften die formalen Voraussetzungen erfüllt
worden waren. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sah die
Geheimhaltungsinteressen von Privaten gefährdet. Die Initiatoren des
Volksbegehrens wollen gegen die Entscheidung vor dem Berliner
Verfassungsgericht Einspruch einlegen.
13 Mar 2008
## AUTOREN
(DIR) Georg Fahrion
## TAGS
(DIR) Berliner Wasserbetriebe
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