# taz.de -- Historiale: "Geschichte ist auch Action"
       
       > 50.000 Besucher werden zum Geschichtsfestival Historiale erwartet. Thema
       > ist die Märzrevolution 1848. "Wir möchten die jungen Leute erreichen",
       > sagt Darsteller Enno Lenze.
       
       taz: Herr Lenze, die Märzrevolution von 1848 ist nicht unbedingt eines der
       wichtigsten Ereignisse in der deutschen Geschichte. Denoch widmet der
       Verein Historiale diesem Thema ein umfangreiches Programm. 
       
       Enno Lenze: Die Märzrevolution von 1848 war ein Meilenstein unserer
       Demokratie. Das sollte nicht in Vergessenheit geraten.
       
       Aber schlussendlich war sie doch keine richtige Revolution? 
       
       Das ist richtig. Sie wird auch als "versuchte" oder "verkappte Revolution"
       bezeichnet. Aber Tatsache ist nun mal, dass sie die Grundlage für
       zahlreiche Errungenschaften wie zum Beispiel die Presse- und Redefreiheit
       war. Sie war die Initialzündung für viele demokratische Fragen.
       
       Ein Programmpunkt der Historiale ist der Barrikadenkampf vom 18. März 1848,
       der auf dem Alexanderplatz nachgestellt wird. Wie muss man sich das
       vorstellen? 
       
       Die Inszenierung der Barrikadenkämpfe beginnt am Dienstag um 18.48 Uhr. Wir
       haben 50 Darsteller, die je eine Figur aus dieser Zeit verkörpern. Jeder
       hat sich einen eigenen Namen gegeben oder hat einen bestimmten Rang, wenn
       er Soldat ist. Zuerst werden wir gemeinsam das Lied "Die Gedanken sind
       frei" singen, begleitet von einer E-Giarre …
       
       Wie bitte? Eine E-Gitarre im Jahr 1848? 
       
       Den Bruch machen wir bewusst. Wir möchten eine unterhaltsame Inszenierung
       bieten, zum Beispiel werden wir Hörstücke und bei anderen Gelegenheiten
       auch Videos einspielen.
       
       Und nach dem Singen ? 
       
       Dann marschieren die Soldaten und die Revolutionäre auf. Stimmen der
       Akteure werden von Lautsprechern übertragen. Anschließend fordern die
       Garden die Revolutionäre auf, die von ihnen errichteten Barrikaden zu
       verlassen. Darauf folgt der Schusswechsel und die Kämpfe.
       
       Wie sehen die Barrikaden aus? 
       
       Für die Barrikaden haben wir alte Türen und Preßspanplatten verwendet, grau
       angemalt und mit Erde und Blättern dekoriert. Sie sind sechs Meter breit
       und an der höchsten Stelle drei Meter hoch.
       
       Müssen Sie sich nicht den Vorwurf gefallen lassen, unwissenschaftlich zu
       sein? 
       
       Ja, klar. Bezüglich der Kostüme und Ereignisse gehen wir selbstverständlich
       authentisch vor. Deshalb arbeitet die Historikerin Dorothea Minkels mit uns
       zusammen. Sie ist Expertin für die Märzrevolution. In der Inszenierung,
       beziehungsweise in den Mitteln dafür, nehmen wir uns aber
       Gestaltungsfreiheit. Sie dürfen nicht vergessen: Es gibt schon sehr viele
       wissenschaftliche Veranstaltungen. Wir möchten aber die jungen Leute
       erreichen. Mit einem Vortrag kriegt man die allerdings nicht, deshalb
       arbeiten wir bewusst zielgruppengerecht.
       
       Aber nur weil ein Jugendlicher sich ein solches Spektakel ansieht, heißt
       das ja nicht, dass er sich danach für Geschichte interessiert. 
       
       Die meisten Jugendlichen interessieren sich nicht für Geschichte, das
       stimmt. Deswegen muss man ihnen ja zeigen, dass Bildung spannend sein kann.
       Unsere szenische Darstellung ist Mittel zum Zweck. Alles, was es in einem
       guten Actionfilm auch vorkommt, gibt es: Es wird geschossen, Gut und Böse
       kämpfen gegeneinander. Die Besucher sollen erkennen: Geschichte ist auch
       Action.
       
       Finden Sie das nicht ein bisschen makaber - gerade im Hinblick auf die
       Kriege weltweit? 
       
       Uns geht es nicht darum, den kriegerischen Akt darzustellen. Wir möchten
       den Leuten klar machen, dass es Menschen gab, die für mehr Rechte gekämpft
       haben, die für ihre Überzeugung eingestanden sind. Der Kampf war das letzte
       Mittel, aber die Leute waren damals bereit, für Bürgerrechte ihr Leben zu
       riskieren. Es ist ja auch nicht selbstverständlich, dass man frei mit der
       Presse redet, so wie wir es hier gerade tun.
       
       Ist das ein Mittel, das man auch heute einsetzen sollte? 
       
       Heutzutage gibt es die Möglichkeit von Demonstrationen und Petitionen.
       Leider stehen die Leute viel zu wenig für ihre Rechte ein. Okay, uns geht
       es auch ziemlich gut, aber jeder sollte das Interesse haben, sich an der
       Demokratie zu beteiligen.
       
       16 Mar 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tanja Braun
       
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