# taz.de -- Nach ADAC-Report: Gabriel stoppt Biosprit
       
       > Der Bundesumweltminister sagt, er wolle weniger betuchten Autofahrern
       > nicht zumuten Super tanken zu müssen - und zieht die Biosprit-Verordnung
       > zurück.
       
 (IMG) Bild: Gabriel hat entschieden: Es kommt nicht mehr Biosprit in den Tank.
       
       BERLIN/LEIPZIG rtr/ap Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat seine
       umstrittene Biosprit-Verordnung zurückgezogen. Deutlich über drei Millionen
       Autos würden den mit zehn Prozent Alkohol versetzten Treibstoff nicht
       vertragen, sagte er gegenüber der ARD. Er werde nicht die Verantwortung
       dafür übernehmen, dass Millionen Autofahrer an die teuren
       Super-Plus-Zapfsäulen getrieben würden. Denn das würde vor allem Fahrer
       treffen, die nicht so viel Geld verdienten und daher die älteren Autos
       führen, die den Biosprit nicht vertrügen, sagte der SPD-Politiker.
       
       Die Bundesregierung wollte ab 2009 einen Benzinstandard mit der Bezeichnung
       E-10 einführen. Damit sollte in Super- und Normalbenzin bis zu zehn Prozent
       Ethanol - also Alkohol - enthalten sein können. Der Verband der
       Automobilindustrie (VDA) sprach am Donnerstag von insgesamt rund 359.000
       Autos inländischer Hersteller, die nicht mit E-10 betankt werden sollten.
       Hinzu kommen nach Angaben der Autoimporteure 3,3 Millionen überwiegend
       ältere Fahrzeuge, die eine höhere Ethanol-Beimischung nicht vertragen
       würden.
       
       Ist der Stopp für E-10 also nun das Ende der Biokraftstoff-Stategie der
       Bundesregierung? Nein, sagt Gabriel. Es bleibe bei der jetzt schon
       geltenden Obergrenze von fünf Prozent Alkohol-Beimischung im Super- und
       Normalbenzin sowie bei sieben Prozent beim Bio-Diesel. Zudem habe die
       Einführung von E-10-Sprit kein umweltpolitisches Ziel gehabt. Sie sei
       vielmehr als Hilfe für die deutsche Autoindustrie geplant gewesen, damit
       diese die Klimaschutzziele preiswerter hätten erreichen können.
       
       Gabriel verteidigte sich außerdem gegen Kritik aus den Reihen des
       Koalitionspartners CDU. Er sei nicht bereit, die "Verlogenheit in der
       öffentlichen Debatte besonders von Vertretern der CDU/CSU" zu akzeptieren,
       sagte Gabriel. Gegen das Votum des Umweltministeriums und des
       Bundeskabinetts seien alle Parteien für Verlängerung der Förderung der
       Biokraftstoffe der ersten Generation gewesen, sagte Gabriel. Der Hinweis
       seines Ministeriums vom "begrenzten ökologischen Nutzen" habe im Parlament
       kein Gehör gefunden. "Noch mehr Steuerfreiheit, noch mehr
       Biokraftstoffanlagen", sei das Credo derjenigen gewesen, die heute die
       Biokraftstoff-Strategie kritisierten.
       
       Nach einer EU-Vereinbarung sollen die nationalen Neuwagen-Flotten im
       Schnitt ab 2012 nur noch 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen.
       Zehn Gramm der Kürzung auf diese Menge sollte durch den Einsatz von
       Biosprit erreicht werden. Die deutsche Autoindustrie tut sich schwerer mit
       der Erreichung der EU-Vorgaben als andere europäische Hersteller, weil sie
       einen größeren Anteil an Mittel- und Oberklassewagen herstellt, die
       schwerer und PS-stärker sind und daher mehr verbrauchen.
       
       Der Präsident des Verbands der Autoimporteure, Volker Lange, forderte eine
       europaweit abgestimmte Klimaschutzstrategie. "Es bestehen weder Zeitdruck
       noch die Notwendigkeit für einen nationalen Alleingang der Bundesrepublik
       Deutschland", sagte er auf der Automesse AMI in Leipzig.
       
       4 Apr 2008
       
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 (DIR) Umweltminister
       
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