# taz.de -- Radverkehr II: Neue Sicht auf Radfahrer
       
       > Experten fordern mehr Fahrradspuren auf den Straßen. Radfahrer sollen
       > nicht mehr auf die Gehwege abgeschoben werden. Dort sind sie zu wenig
       > sichtbar.
       
 (IMG) Bild: AktivistInnen von Sand im Getriebe beim Protest gegen den „Autogipfel“ am 8. September am Kanzleramt
       
       Unvermittelt mündet der Radweg an der Kreuzung in den Straßenverkehr. Bis
       hierher radeln Fahrradfahrer für den Straßenverkehr kaum sichtbar hinter
       einer Reihe parkender Autos. An der Kreuzung tauchen sie plötzlich auf -
       und werden häufig von Rechtsabbiegern übersehen. Laut Polizeistatistik
       geschehen so die meisten Fahrradunfälle. Vor allem, wenn der Rechtsabbieger
       ein Lkw ist.
       
       Fahrradexperten fordern deshalb, die Radler nicht länger vom Autoverkehr
       getrennt fahren zu lassen. Statt der Radwege auf dem Bürgersteig brauche
       Berlin mehr Fahrradspuren direkt auf der Straße. "Dort werden Fahrradfahrer
       besser gesehen als auf den Bürgersteigradwegen", sagt David Greve vom
       Fahrradclub ADFC Berlin.
       
       "Die herkömmlichen Radwege stammen aus dem Verkehrskonzept der 70er-Jahre",
       sagt Benno Koch, Fahrradbeauftragter des Senats und ehemaliger
       ADFC-Vorsitzender in Berlin. Der Senat befinde sich jedoch in einem
       Lernprozess. 2004 beschloss er eine Radverkehrsstrategie. Seitdem kommen
       laut Koch pro Jahr 10 Kilometer neue Fahrradspuren hinzu. Auf 80 der 5.500
       Kilometer Straßennetz in der Stadt können Radler auf einer eigenen Spur
       direkt auf der Straße fahren. Dem gegenüber stehen 625 Kilometer
       Bürgersteigradwege. Davon sind laut Koch aber nur 150 Kilometer
       benutzungspflichtig. Der Rest ist in einem zu schlechten Zustand.
       
       Immerhin gibt es 2008 im Haushalt erstmals einen Etat für die Sanierung von
       Radverkehrswegen. An einigen Orten werden die alten Bürgersteigradwege
       jetzt durch Fahrradspuren ersetzt. "Das geht allerdings nicht überall",
       betont Koch. Die Fahrbahn brauche zum Beispiel eine ausreichende Breite.
       
       Problematisch sind auch Parkstreifen am rechten Fahrbahnrand. "Gefährlich
       wird es, wenn die Autotüren sich auf den Radweg öffnen", so Koch. Deshalb
       müsse ausreichend Abstand von den parkenden Fahrzeugen für die Radfahrer
       gesichert sein.
       
       Sowohl der ADFC als auch der Umweltverband BUND sind insgesamt allerdings
       zufrieden mit dem Radwegekonzept des Senats. "Unsere Liste mit Straßen, auf
       denen wir Fahrradspuren brauchen, wird abgearbeitet", sagt der
       BUND-Verkehrsreferent Martin Schleyer. Er fordert, sich nun auch um
       problematischere Straßen zu kümmern - wie etwa den Tempelhofer Damm. Dort
       verunglückte Anfang März ein 14-jähriges Mädchen tödlich (siehe oben). "In
       den Straßen, wo der Platz für eine Fahrradspur knapp ist, sind wir gerade
       erst in die Diskussion eingetreten", sagt Schleyer.
       
       4 Millionen Euro gibt der Senat 2008 für Investitionen im Radverkehr aus -
       1,5 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Davon ist eine Millionen für die
       Sanierung alter Wege vorgesehen. Im Vergleich zu den Gesamtausgaben im
       Straßenverkehr ist die Summe dennoch gering. Letztere betrugen 2006 256,8
       Millionen Euro. "Das Budget ist nach wie vor zu gering, wenn wir den Anteil
       des Fahrradverkehrs auf 15 Prozent erhöhen wollen", sagt Koch. Bisher liegt
       dieser bei rund 12 Prozent. LISA THORMÄHLEN
       
       6 Apr 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lisa Thormählen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Klimagerechtigkeit
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ziviler Ungehorsam in Berlin: „Wir können nicht länger warten“
       
       Wenn die Politik keine sicheren Radwege baut, dann machen wir das selbst,
       sagen Laila, 24, und Kim, 51, von der Gruppe „Sand im Getriebe Berlin“
       
 (DIR) Radverkehr: Tödliche Enge am Nadelöhr
       
       Nach dem tödlichem Unfall am Tempelhofer Damm, bei dem eine Schülerin von
       einem Lkw erfasst wurde, fordern Anwohner eine andere Wegführung für
       Radfahrer. Doch der Senat mauert.