# taz.de -- GTA IV nur für Erwachsene: Selbstzensur für Altersfreigabe
       
       > Die Grand Theft-Macher investieren viel Mühe um GTA durch die
       > Altersfreigaben zu bringen. Die australische Version wurde entschärft -
       > für Deutschland gibt es weniger Gewalt.
       
 (IMG) Bild: Feilt ohne Jugendfreigabe an seiner Gangsterkarriere: Niko Bellic in GTA IV.
       
       Selten wurde ein Konsolenspiel in der Vergangenheit so sehnlichst erwartet
       wie der jüngste Teil der Grand Theft Auto-Reihe "GTA IV". Zunächst
       vorneweg: Auch der jüngste Ausflug in die Welt der Klein- bis
       Großkriminellen wird in Deutschland keine Jugendfreigabe bekommen und somit
       nur für Spieler ab 18 Jahren zu kaufen sein.
       
       Zu gegenwärtig ist die Gewalt die der Spieler ausüben kann. Nicht in ihrer
       detaillierten Darstellung - da hat man in anderen Spielen schon Schlimmeres
       gesehen - es ist der Gesamteindruck. Schon seit Erscheinen des ersten
       "GTA", 1997, sorgen die so beliebten wie auch umstrittenen Videospiele für
       Diskussionen. Damals noch als quietschbunter Pixelhaufen aus der 2D
       Vogelperspektive ohne großen Realitätsbezug erweckte es bereits den Argwohn
       von Politikern, Wissenschaftlern und besorgten Eltern. Spätestens seitdem
       mit "GTA III" der Schritt in die realistische 3D-Umgebung erfolgte, nahm
       die Kritik zu.
       
       Anstoß erregte vor allem das scheinbar folgenlose Töten von Polizisten und
       Passanten. Außer einer Verhaftung, die in nichts weiter als dem Verlust von
       Waffen und einer kleinen Menge Bargeld endet, kommt der Spielcharakter
       ungestraft davon. Als Kontrovers gilt auch die Darstellung von Minderheiten
       im Spiel. Chinesen gehören zur China-Mafia, die Haitianer handelt mit
       Drogen, Japaner ziehen als Yakuza durch die Städte und die Russen sind:
       richtig - die Russenmafia. Pauschal, so argumentierten Kritiker, würden
       Minderheiten in einen kriminellen Hintergrund verortet. Jedoch ist der
       Vorgänger von GTA IV, das rund 20 Millionen Mal verkaufte "GTA San
       Andreas", auch eines der ersten Spiele mit einem afroamerikanischen
       Hauptdarsteller.
       
       Das Problem scheint aber zu sein, dass GTA nicht einfach nur gewalttätig
       ist, sondern dass der Spieler sich gegen die Gesellschaftsordnung stellt.
       In einem durchaus als realistisch zu erlebenden Rahmen werden als Spielziel
       Straftaten ausgeübt. Da mag es manch einem schwer fallen, zwischen
       virtueller und realer Welt zu unterscheiden, wie ein Beispiel aus den USA
       zeigt. Hier hatten nach Angaben der britischen Zeitung The Independent
       Jugendliche auf ein Auto geschossen und dabei einen Mann getötet. Bei der
       Vernehmung gaben sie an, sie hätten versucht, Szenen aus dem Spiel
       nachzustellen.
       
       So wundert es dann dann auch kaum, wenn die Spielereihe durch die Zeitung
       USA TODAY als "virtuelles Ausbildungslager für Terroristen" bezeichnet wird
       und sich namhafte Politiker wie Hillary Clinton für ein Verbot von
       GTA-Spielen aussprechen. Der Humor und die häufig auftretende,
       offensichtliche Ironie im Spiel werden dabei oft übersehen.
       
       In Deutschland kochen die Wogen selten so hoch. Allerdings erscheinen seit
       GTA III hierzulande auch entschärfte Versionen des Spiels um die
       Jugendfreigabe nicht zu gefährden. In deutschen Ausgaben von GTA ist es
       nicht möglich am Boden liegende Personen zu treten oder getötete
       Spielfiguren zu berauben. Auch der häufig kritisierte Amoklauf, eine
       Nebenmission mit dem Ziel, in einer bestimmten Zeit möglichst viele
       Menschen mit einer bestimmten Waffe zu töten, wurde gestrichen.
       
       Auch die Spieler in Australien werden vom neu erscheinenden GTA IV nur eine
       entschärfte Fassung zu spielen bekommen. Anders als in Deutschland gibt es
       dort keine Freigabe von Software nur für Erwachsene, die höchste
       Freigabestufe liegt bei 15 Jahren. Die Konsequenz: Nichtmals Erwachsene
       werden unzensierte Versionen von GTA IV erhalten können.
       
       In den USA wird der Titel erst an Jugendliche ab 17 Jahren verkauft. Vom
       ursprünglichen Design der Verpackung wird man dort aber nicht mehr viel
       erkennen, denn auf dem Karton werden deutlich sichtbare Warnaufkleber zu
       sehen sein, die vor "teilweiser Nacktheit", "intensiver Gewalt", Blut,
       "unanständiger Sprache" und dem Gebrauch von Alkohol und Drogen warnen.
       
       Bei Rockstar Games, dem britischen Entwickler der GTA-Reihe bleibt man
       angesichts der andauernden Kritik gelassen. Für ihn sei GTA die
       Videospielversion eines Gangster-Romans, sagte Entwickler Dan Houser dem
       Magazin Spiegel Online. Auf Verlangen würde man für bestimmte Märkte eben
       bestimmte Dinge herausschneiden.
       
       Dass GTA IV in Deutschland und auch in anderen Ländern der Welt trotz der
       Altersbeschränkungen auch den Weg in die Hände Minderjähriger finden wird,
       ist sehr wahrscheinlich. Wie schädlich das sein könnte bleibt aber offen.
       Als ein "den Spieler von der Leine lassen" bezeichnet man bei Rockstar
       Games das offene Spielprinzip von GTA. Der Spieler wird in eine Welt
       losgelassen und muss selbst entscheiden, wie er handelt. Vielleicht eine
       Analogie zum wirklichen Leben und vielleicht auch eine Chance.
       
       30 Apr 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simon Nagel
       
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