# taz.de -- Neuentwurf des Bundesdatenschutzgesetzes: Schufa soll Daten gratis rausrücken müssen
       
       > Was weiß meine Bank über mich? Das Innenministerium will, dass
       > Datensammler Bürger genauer informieren müssen.
       
 (IMG) Bild: Wie alt eine Person ist, welche Autos sie bis jetzt gekauft hat oder in welchem Stadtviertel sie wohnt - all diese Daten fließen in den Scorewert ein.
       
       BERLIN taz Ein Neuentwurf des Bundesdatenschutzgesetzes soll die Rechte der
       Verbraucher bei Kreditauskünften stärken. Unter anderem solle jeder Bürger
       das Recht auf eine kostenlose Selbstauskunft pro Jahr bei der Auskunftei
       Schufa bekommen, bestätigte das Bundesinnenministerium am Sonntag.
       
       Mit der Gesetzesänderung möchte Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) das
       Verfahren transparenter machen, mit dem die Schufa für Kreditgeber die
       Bonität eines Bürgers berechnet. So sollen sich die Verbraucher zukünftig
       darüber informieren können, welche ihrer Daten benutzt wurden, um ihre
       Zahlungsfähigkeit einzustufen. Im Innenministerium sieht man den Neuentwurf
       des Bundesdatenschutzgesetzes als notwendige Reaktion auf die steigende
       Bedeutung des sogenannten Scoring. Scoring bezeichnet das Verfahren, mit
       dem Unternehmen wie Geschäfte, Banken, Versicherungen oder Telefonanbieter
       vor Vertragsabschluss berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass
       ein Kunde zahlen kann. Wie alt eine Person ist, welche Autos sie bis jetzt
       gekauft hat oder in welchem Stadtviertel sie wohnt - all diese Daten
       fließen in den Scorewert ein. Zusammengestellt werden sie von Auskunfteien:
       Das sind Unternehmen, die sich auf das Sammeln und Handeln mit
       Personendaten spezialisiert haben. Die Gesetzesänderung, die Schäuble noch
       mit den anderen Ministerien abstimmen muss, soll bis 2009 verabschiedet
       werden.
       
       Der Entwurf sieht vor, dass Bürger zumindest nachfragen können, wie ihr
       Scorewert zustande gekommen ist - etwa ob ihre Wohnung in einer armen
       Gegend dafür sorgt, dass sie hohe Kreditzinsen zahlen müssen. Eine
       Anpassung des Gesetzes sei besonders durch neue Entwicklungen im
       Geschäftsverkehr wie dem Handel im Internet und dem Trend zu Kundenkarten
       nötig geworden, sagte Schäubles Sprecher Stefan Paris. Zwar können
       Verbraucher sich schon jetzt Auskünfte über ihre Bonitätswerte holen. Das
       kostet aber erstens Geld - eine Schufa-Anfrage zum Beispiel 7,80 Euro -und
       ist zweitens wenig hilfreich, wenn etwa die Schufa Personendaten bei Bedarf
       einkauft und sie nach ihrer Verwendung sofort wieder löscht.
       
       Anlass zu einer Gesetzesüberarbeitung gab auch eine Untersuchung zur
       Praxistauglichkeit des Scorings, die der Bundesverband der
       Verbraucherzentralen in Auftrag gegeben hatte. Der damalige
       Untersuchungsleiter Dieter Korczak kritisierte das Verfahren Anfang dieses
       Jahres: Die Berechnung erfolge völlig willkürlich, echte Prognosen könne
       man mit dem Scoring nicht machen. Testkäufe ergaben zudem, dass viele
       Banken gegen das Bundesdatenschutzgesetz verstoßen. Das verbietet,
       Entscheidungen mit rechtlichen Folgen für den Kunden allein auf eine rein
       automatische Datenverarbeitung zu stützen.
       
       4 May 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lana Stille
       
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