# taz.de -- Bernd das Brot und die Deutschen: Wir Graubrot-Gesichter
       
       > In der Kika-Figur Bernd das Brot steckt ein Puppenspieler - aber
       > eigentlich stecken wir alle in ihm: Sein Lieblingswort ist "Mist!". Bernd
       > ist Deutschland. Besuch bei einem Kinderstar.
       
 (IMG) Bild: Unbeholfen, miesepetrig - eben deutsch.
       
       Die Deutschen sind stolz auf ihr Brot. Darauf lassen sie nichts kommen -
       von Butter und Belag mal abgesehen. Brot gilt hierzulande als
       Kulturleistung. Savoir-vivre und Dolce Vita schön und gut, aber immer nur
       auf Weißbrot rumlutschen? Nee, danke! Kein Wunder also, dass Deutschland
       seit dem Jahr 2000 einen Brotbotschafter hat.
       
       Dass Bernd das Brot - ausgerechnet! - dem Ciabatta des italienischen
       Restaurants in München nachempfunden ist, in dem er erfunden wurde (und dem
       Gesichtsausdruck von Koautor Norman Cöster, behauptet "Bernd"-Mastermind
       Tommy Krappweis), tut der Liebe der Deutschen zu ihrem Brot keinen Abbruch:
       Nobodys perfect! Es ist ein kleiner liebenswürdiger Geburtsfehler, genau
       wie Bernds Stummelärmchen, die beim Gehen so herzerweichend unbeholfen
       herumschlackern.
       
       Wäre Bernd ein Mensch, wäre das ein Handicap - doch er ist ein Brot. Oder
       besser: Brot, Aszendent Mensch. Denn in Bernd steckt nicht nur der rechte
       Unterarm von Puppenspieler Jörg Teichgräber, sondern wir alle, wir
       Graubrotgesichter. Bernds Lieblingswort ist - miesepetrig, aber
       Kika-kompatibel - "Mist". Wenn das mal keine Identifikationsfigur ist!
       
       Dass man sich die Gelegenheit eines Treffens mit dem deutschen
       Mentalitätsbrotschafter nicht entgehen lässt, liegt also auf der Hand.
       Angeblich wohnt Bernd an der Schlossallee 27 - die Adresse klingt feudal,
       liegt aber in wenig repräsentativer Wohnlage: auf einem Studiokomplex in
       Berlin-Adlershof. Dort werden 20 neue Folgen von "Bernd das Brot" gedreht,
       die ab Oktober gesendet werden. Etwa 15 Sendeminuten schaffen Regisseur
       Krappweis, bekannt geworden durch "RTL Samstag Nacht", und sein Team pro
       Drehtag. Bei Spielfilmen sind es im Schnitt zwei.
       
       Sobald man über die Schwelle von Studio L getreten ist, sieht man, dass
       Bernd trotzdem auf hohem Niveau lebt. Sein gesamtes Mobiliar, Bett, Stuhl,
       Regal, Lampe, alles hängt in der Luft, 1,50 Meter über dem Boden, als sei
       jeden Augenblick mit Hochwasser zu rechnen. Der Grund ist natürlich ein
       anderer: Irgendwo müssen Jörg Teichgräber und seine Puppenspielerkollegen
       ja bleiben, während sie spielen. Aber, pssst, darüber redet man nicht so
       gern. Um die Illusion zu bewahren, dürfen Unbefugte die Puppen auch nicht
       fotografieren. "Hintergrund ist, dass mit ,produktionsfremden' Fotografen
       schlechte Erfahrungen gemacht wurden, bei denen die Puppen nachher zu
       leblos wirkten", hieß es in der Einladung.
       
       Dass Bernd ein richtiger Star ist, sieht man nicht nur daran, dass ihn
       nicht jeder fotografieren darf, sondern auch an der Tatsache, dass er eine
       Stylistin hat. Anke Anders liest ihm jeden Wunsch von den breiten Lippen
       ab. Hier ein bisschen Talkumpuder, da ein paar Tropfen Klebstoff für seinen
       Latexlaib - sie sorgt dafür, dass Bernd das Brot auch nach einem langen
       Drehtag noch zum Anbeißen aussieht. Anders selbst sieht sich eher als
       Tagesmutter. "Die Puppen sind wie kleine Kinder, die man betreut", sagt
       sie. Und Praktikantin Andrea Baran ergänzt: "Man hat die alle gleich lieb."
       
       Auch wenn man von Bernds Freunden, Briegel dem Busch und Chili dem Schaf,
       an diesem Drehtag nicht viel zu sehen bekommt, kann man das nur zu gut
       verstehen, denn selbst Bernd, der es sich leisten könnte, eine Diva zu
       sein, ist ein Star zum Anfassen geblieben: Bereitwillig lässt Jörg
       Teichgräber, den Krappweis am Set die ganze Zeit nur mit "Bernd" anspricht,
       die eingeladenen Journalisten auch mal mit seinem Alter Ego spielen.
       
       Der Kasperl aus der Augsburger Puppenkiste, auf den Bernd in einer der
       neuen Episoden trifft, ist gegen ihn auf jeden Fall ein Leichtgewicht -
       auch im übertragenen Sinne. Bernd spielt ihn an die Wand, auch wenn er ihm,
       was die mimischen Ausdrucksmöglichkeiten angeht, nur knapp überlegen ist.
       Das angekündigte "Treffen der Puppengenerationen" scheitert an ihrer
       Grundverschiedenheit: Bernd ist - wie gesagt - eine Handpuppe aus Latex und
       der Kasperl eine Marionette aus Holz.
       
       15 May 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) David Denk
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