# taz.de -- Kommentar Spitzelaffäre: Mehdorns Regiment der Angst
> Bahn-Chef Mehdorn hat längst ein Machtsystem installiert, das von Angst
> und Abhängigkeiten lebt. Kann so jemand Deutschlands wichtigstes
> Mobilitätsunternehmen in die Zukunft führen?
Der Bahn-Konzern soll die gleichen Schnüffler beauftragt haben wie die
Telekom, um unliebsame Personen mit illegalen Methoden zu durchleuchten.
Frappierend an dem Vorwurf ist jedoch, dass viele Bahn-Kenner nicht
besonders überrascht sind. Denn Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat mit seinem
Auftreten als Konzernlenker dafür gesorgt, dass ihm Kritiker mittlerweile
alles zutrauen. Kaum fassbar ist die Chuzpe, mit der Mehdorn die
Teilprivatisierung der Bahn durchpeitschte. Und auch der Starrsinn, den
Mehdorn während des Streiks der Lokführer an den Tag legte, suchte
seinesgleichen. Selbst Journalisten fürchten den Zorn des Bahn-Chefs, der
unliebsame Berichte schon mal mit stornierten Werbeanzeigen erwidert.
So gesehen müsste man sich wundern, wenn Mehdorn auf die kleinen
schmutzigen Tricks ehemaliger Stasi-Offiziere angewiesen wäre. Tatsächlich
hat der Bahn-Chef längst ein Machtsystem in dem Konzern installiert, das
von Angst und Abhängigkeiten lebt.
Auffällig viele Bahn-Mitarbeiter äußern sich gegenüber den Medien nur
hinter vorgehaltener Hand. Zu groß ist die Furcht vor dem autoritären Chef.
Besser haben es da schon die Politiker, denn kaum ein anderes Unternehmen
hat so viele von ihnen auf seiner Gehaltsliste stehen wie die Deutsche Bahn
AG.
Es ist also kein Wunder, dass Bundestag und Kabinett die Teilprivatisierung
der Bahn AG im Blindflug absegneten, obwohl wichtige Einzelheiten des
Projekts noch gar nicht fertig verhandelt sind. Wie weit Mehdorns
Belohnungssystem auch in Gewerkschaften Erfolg hat, bewies zuletzt der
unappetitliche Wechsel von Transnet-Chef Norbert Hansen in das
Topmanagement der Bahn. Mehdorn kann sich außerdem der Gefolgschaft seiner
Günstlinge absolut sicher sein. Schließlich hat er es sogar geschafft, alle
Chefposten der reformierten Bahn trotz offensichtlicher Interessenkonflikte
in seiner Person zu vereinen.
Die Frage ist daher, ob sein Regiment der Angst die richtige Qualifikation
ist, um das wichtigste Mobilitätsunternehmen Deutschlands in die Zukunft zu
führen. Ob nun mit oder ohne Spitzelei: Seine Tage als Bahnchef sollten
gezählt sein.
4 Jun 2008
## AUTOREN
(DIR) Tarik Ahmia
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