# taz.de -- Österreich gegen Kroatien: Zu spät entdeckte Leidenschaft
       
       > Die Kroaten gewinnen glücklich durch ein frühes Tor. Die Österreicher
       > entdecken ihre Leidenschaft zu spät - und rennen die letzte halbe Stunde
       > vergeblich gegen das kroatische Tor an.
       
 (IMG) Bild: Küsschen für den Elfmeterschützen Modric.
       
       Die einen waren vor der Partie ungemein von sich überzeugt gewesen, die
       anderen hingegen recht zögerlich bei der Bewertung ihrer Fähigkeiten; die
       einen hatten geprahlt, praktisch durch die Bank in allen Belangen überlegen
       zu sein, die anderen hatten da entschieden, zur Wahrung der Haltung am
       besten auf ihren Heimvorteil zu setzen. Und als sie damit fertig waren,
       sich jeweils auf den eigenen Nabel zu schauen, begannen die
       selbststbewussten Kroaten und die grüblerischen Österreicher, sich
       gegenseitig zu loben.
       
       Glücklicherweise durften sie dann gestern abend endlich einfach Fußball
       spielen im Ernst-Happel-Stadion zu Wien. Und da zeigte sich bereits vor dem
       Anpfiff: mit Österreichs Heimvorteil war es nicht so weit her, unter den
       53.000 Zuschauern waren fast die Hälfte sicht- und hörbar den rot-weiß
       gewürfelten Kroaten zuzurechnen.
       
       Und schon kurz nach Spielbeginn war die Sache dann schnell schon fast
       entschieden, erwartungsgemäß, etwas unglücklich für die Gastgeber
       allerdings. Nach einem Foul von Aufhauser an Olic im österreichischen
       Strafraum gab es Elfmeter für die Kroaten. Den verwandelte Modric recht
       locker und mittig in der vierten Minute. Macho, der das Schneckerl-Rennen
       um den Torwart-Job gegen seinen Konkurrenten Manninger gewonnen hatte, ließ
       sich verladen.
       
       In der Folge konnte er sich dann erst einmal nicht auszeichnen, denn die
       Qualität der kroatischen Chancen nahm im Vergleich zum Strafstoß deutlich
       ab. Die der Österreicher auf der anderen Seite konnte eigentlich nur
       zunehmen, weil sie schließlich noch gar keine gehabt hatten. Doch
       spielerische Verzweiflung führte in der ersten Halbzeit vor allem zu
       Fernschüssen mittlerer Güte, in den Minuten vor der Pauseimmerhin zu ein
       paar kleinen spielerischen Angriffssansätzen, die die Gastgeber bis in den
       Strafraum brachten. Aber den Ball nicht ins Tor.
       
       Und die Kroaten? Passten sich an. Sie schafften es nicht, die in
       exzentrischer Dreierkette agierende Defensive Österreichs wirkungsvoll
       auszutricksen. Die hatte allerdings einiges Glück, dass der bereits
       gelbverwarnte linke Verteidiger Pogatetz (in seiner Heimat stilprägend:
       "Hart, Härter, Pogatetz") nach einer knappen halben Stunde nach rüdem Foul
       an Olic nicht vom Platz flog.
       
       Die zweite Halbzeit begannen die Österreicher mit viel Willen zum
       Ausgleichstor, sie kämpften auch sehr dafür, und sie spielten auch ein
       wenig besser, aber weiterhin nicht präzise genug, während die Kroaten ein
       bisschen durch- und rumhingen und ihren ja doch nicht so wahnsinnig
       beeindruckenden Vorsprung verwalteten.
       
       Nach einer Stunde versuchte Österreichs Trainer Josef Hickersberger sein
       Team mit der Einwechslung von Publikumsliebling Vastic (38) zu motivieren.
       Allein, es kam zwar Schwung, es folgten nun etliche Chancen und die Kroaten
       waren mit ihrer Verwaltung fast überfordert. Doch Österreichs
       Schlussoffensive wurde nicht von Erfolg gekrönt. An Toren knapp,
       spielerisch am Ende etwas unglücklich geschlagen, könnte Österreich nun
       wirklich das belgische Schicksal ereilen: als EM-Gastgeber in der
       Gruppenphase auszuscheiden.
       
       8 Jun 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katrin Weber-Klüver
       
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