# taz.de -- Vor der Partie Niederlande gegen Italien: Oude Stukje, ein Stoiker mit Stil
       
       > Torwart Edwin van der Sar nennt sich selbst ein "altes Stückchen", denn
       > er ist 37 Jahre alt und spielt sein siebtes Turnier für Holland.
       > Inzwischen hält van der Sar auch Elfmeter.
       
 (IMG) Bild: Die Oranje-Fans stehen hinter ihm: Hollands Torwart Edwin van der Sar
       
       BERLIN taz Hat er tatsächlich gelächelt? Alex Ferguson, Manager von
       Manchester United, könnte darauf schwören. Wenn man sich die Sekunden vor
       dem letzten Elfmeter im Finale der Champions League in Moskau in der
       Aufzeichnung genau betrachte, sagt er, könne man es sehen: einen Torwart,
       der erst zum Grinsen und dann zum Sprung in die rechte Ecke ansetzt, um den
       Schuss zu entschärfen. So war es für Ferguson an jenem 21. Mai, als sein
       Team durch den Sieg im Elfmeterschießen Chelsea bezwang. Und so passt es in
       sein Bild von Edwin van der Sar, seinem Keeper: Seit er Fußballmanager ist,
       will der 66-jährige Ferguson keinen unaufgeregteren Menschen zwischen den
       Pfosten gesehen haben.
       
       Der 1,97 Meter große Torhüter aus Voorhout an der Nordsee strahlt durch
       seine Mimik und Körpersprache so viel Gleichmut aus, dass er bisweilen
       schon verschlafen wirkt. Der Begriff "Rückhalt" bekommt durch ihn eine
       geradezu spirituelle Dimension, auch weil die Dynamik, mit der er im
       entscheidenden Moment nach den Bällen fischt, nicht mal im Ansatz zu
       erkennen ist. Diese Portion Stoizismus kann Hollands Auswahl heute gegen
       Italien gut gebrauchen. Denn der 37-jährige Kapitän mit dem Ballgefühl
       eines Feldspielers wirkt hinter der Viererkette, jenem Mannschaftsteil, der
       allgemein als wunder Punkt gilt.
       
       Van der Sar ist in seinem 14. Jahr als Nationalkeeper der Souverän auf dem
       Platz wie drum herum und oberster Troubleshooter der Elftal. Er
       vermittelte, damit Bondscoach Marco van Basten und sein vergraulter Star
       Ruud van Nistelrooy nach der WM neu zueinander fanden. Er rettete nicht nur
       entscheidende Punkte, sondern auch die Außenwirkung der Elf. Im November
       gegen Luxemburg sicherte seine Glanzparade kurz vor Spielschluss das 1:0 -
       und damit das Ticket zur EM. Unmittelbar danach griff sich van der Sar
       mehrere Mitspieler, die sich wegen der Pfiffe grußlos in die Rotterdamer
       Umkleiden verdünnisieren wollten - und schleppte sie zu den Fans. "Ich
       wollte Menschen immer helfen", sagte er kürzlich, "innerhalb wie außerhalb
       des Spielfelds." Mancher Zwist in der Auswahl blieb hinter der freundlichen
       Miene des zweifachen Vaters verborgen.
       
       Natürlich hat ihn genervt, dass hoch gelobte holländische Auswahlen
       zwischen 1996 und 2000 jeweils nach Elfmeterschießen aus Turnieren
       ausschieden - auch weil er nicht einen Strafstoß abwehren konnte. Erst bei
       der EM 2004 wurde er zum Matchwinner, als er im Viertelfinale gegen
       Schweden einen Elfer abwehrte. Es folgten auch im Verein einige
       Elfmeterparaden und Titelgewinne. Die sind für ihn späte Genugtuungen für
       sieben glanz- und titellose Jahre bei Juventus Turin und dem FC Fulham.
       Zuvor hatte er mit Ajax Amsterdam 1992 den Uefa-Cup, drei Jahre darauf die
       Champions League gewonnen. Inzwischen ist er nach eigenen Worten ein "oude
       stukje" (altes Stückchen) geworden, das gerne mal ein Länderspiel sowie die
       ein oder andere Trainingsübung auslässt. Umso wichtiger ist ihm der würdige
       Stil seines wohl unumstößlichen Abgangs als Nationalkeeper. "An Endrunden
       habe ich genug teilgenommen", findet van der Sar, "ich würde gerne mal eine
       gewinnen."
       
       9 Jun 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bertram Job
       
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