# taz.de -- Niederlande vor Match gegen Frankreich: "Die Füße müssen auf die Erde"
       
       > Trainer Marco van Basten und Ruud van Nistelrooy hatten ihre Probleme. Am
       > Freitag braucht van Basten den Stürmer als Leuchtturm, der den Weg zum
       > Tor weist.
       
 (IMG) Bild: "Die müssen jetzt gewinnen, wir nicht": Marco van Basten, Trainer der Niederlande
       
       LAUSANNEDrei Rolltreppen führen hinauf zum Olympischen Museum über den
       Dächern der Stadt. Hier, unweit vom Mannschaftshotel, halten die
       Niederländer ihre Pressekonferenzen ab, aber an diesem Donnerstagmittag
       kommt nicht jeder hinein. Nach dem bewegenden 3:0 gegen Italien
       interessieren sich auf einmal alle für das Team von Marco van Basten. Damit
       hatte die Museumsdirektion nicht gerechnet.
       
       Der Bondscoach und der zu sarkastischen Schnippigkeiten neigende Torsteher
       Edwin van der Sar geben sich Mühe, die Begeisterung zu moderieren.
       "Natürlich war das ein gutes Spiel", sagt van Basten. "Aber mit nur einem
       guten Spiel kann man kein Turnier bestreiten." Die Füße, sagt der
       43-Jährige, "müssen zurück auf die Erde." Journalisten fragen schon nach
       einer Einschätzung zum möglichen Halbfinalgegner Spanien und ob er nach
       einem Sieg gegen die Franzosen im letzten Gruppenspiel gegen die Rumänen
       seine erste Elf schonen wird. Van Basten bügelt sie höflich ab. So weit
       sind seine Jungs noch nicht.
       
       "Einen historischen Sieg", hat der Nationaltrainer das Ergebnis gegen den
       Weltmeister nach dem Schlusspfiff in einem Anflug von Euphorie genannt,
       seitdem ist er bestrebt, die Fallhöhe wieder zu senken. Er spürt, dass es
       trotz des Jubels in der Heimat noch viele gibt, die ihn am liebsten zurück
       auf die Flachebene zerren würden.
       
       Frankreichs 0:0 gegen die Rumänen hat ihm in die Karten gespielt, gibt er
       zu, "die müssen jetzt gewinnen, wir nicht". Die Niederlande werden in Bern
       nicht ins Verderben stürmen. Seine Niederlande nicht. Van Basten hat den
       orangenen Fußball ideologisch entrümpelt, und er hat im eigenen Kopf mit
       den Aufräumarbeiten angefangen. Als Absolvent der Ajax-Schule konnte er
       früher mit nicht so künstlerisch veranlagten Spielertypen wenig anfangen.
       Bayerns Mark van Bommel, der "Aggressiv-Leader" (Ottmar Hitzfeld), hatte
       bei ihm keine echten Chancen, genau wie AC Milans Clarence Seedorf.
       
       Sogar mit Ruud van Nistelrooy, dem treffsichersten Niederländer seiner
       Generation, überwarf er sich nach der WM 2006. "Er mag meine Spielweise
       nicht", klagte der Real-Madrid-Stürmer und verkündete im Januar 2007 das
       Ende seiner Länderspielkarriere. Van Nistelrooys Schicksal war typisch für
       die Obsessionen des holländischen Fußballs, Tore allein waren nicht gut
       genug. Vom Establishment wurde er wegen seinen vergleichsweise schlichten
       technischen Fähigkeiten nie ganz für voll genommen. Aus Nordbrabant, seiner
       Region, kamen nach landläufiger Meinung gute Fahrradfahrer, aber keine
       echten Kicker. 150 Tore in fünf Jahren bei Manchester United bestätigten,
       man glaubt es kaum, die Vorurteile: Van Nistelrooy hatte 149 davon mit
       staubtrockener Nüchternheit erzielt. Er ist ein Opportunist. Keiner dieser
       Zauberer. Bei der EM vor vier Jahren, als es in Europa keinen besseren
       Stürmer gab, sang man nicht seinen Namen, sondern den des eleganteren, aber
       längst der eigenen Dekadenz zum Opfer gefallenen Flaneurs Patrick Kluivert.
       
       Es dauerte, bis van Basten seinen Irrtum erkannte. Van Nistelrooy
       signalisierte vor zwölf Monaten Gesprächsbereitschaft und kam zurück in den
       Kader. Man spürt, dass dem 31-Jährigen nach einer Knöchelverletzung
       Antrittschnelligkeit fehlt, doch van Basten braucht ihn als Leuchtturm, der
       den ständig rotierenden Jungspunden im offensiven Mittelfeld den Weg zum
       Tor weist.
       
       Am Donnerstag meldete der Trainer, dass sich Flügelflitzer Arjen Robben
       überraschend schnell von seinen Leistenbeschwerden erholt hat. Schon gegen
       Frankreich könne der 24-Jährige wieder spielen. So verließ man die
       Pressekonferenz und sah Hollands traumhaft schöne Aussichten. Der Blick auf
       den Genfersee war übrigens auch ganz hübsch. R. Honigstein
       
       13 Jun 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Raphael Honigstein
       
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