# taz.de -- Deutschland im EM-Finale besiegt: Spanien war einfach besser
       
       > Mit einem 1:0 über Deutschland wird die spanische Fußballmannschaft
       > Europameister 2008. Torschütze in Wien: Fernando Torres.
       
 (IMG) Bild: Jubel über das entscheidende Tor: Fernando Torres.
       
       Spaniens Fußballnationalmannschaft ist Europameister. Im Finale der EM 2008
       besiegte Spanien die deutsche Nationalmannschaft mit 1:0. Klingt knapp, ist
       aber hochverdient. Im Wiener Ernst Happel-Stadion erzielte Fernando Torres
       (35.) den entscheidenden Treffer.
       
       Es ist erst der zweite Titel in der Geschichte des spanischen
       Verbandsfußballs. Zuvor gab es nur den EM-Titel von 1964. Die Spanier
       werden als verdienter und "guter" Europameister in die Geschichte eingehen.
       Sie haben alle Spiele des Turniers gewonnen, im Gegensatz zu allen anderen
       Teams keinen Aussetzer gehabt und mit ihrem Tempo-Kurzpaßfußball Maßstäbe
       gesetzt. Ob das Bedeutung hat auch über den Fußball hinaus? Spaniens
       sozialistischer Regierungschef Jose Luis Zapatero saß auf der Tribüne und
       wird sich seine Gedanken gemacht haben. Was die von Joachim Löw trainierten
       Deutschen angeht, so haben sie als Vize-Europameister den dritten Platz der
       WM 2006 bestätigt - allerdings den ganz großen oder auch nur mittelgroßen
       Fußball mit Ausnahme des Viertelfinales nicht hingekriegt. Die Deutschen
       fighteten in der zweiten Hälfte des Finales zurück oder mühten sich darum.
       Aber sie waren an diesem Abend einfach nicht gut genug.
       
       Etwa zehn Minuten fühlte man sich an den Viertelfinalerfolg gegen den
       damaligen Turnierfavoriten Portugal erinnert. Da war die deutsche
       Mannschaft - in Gestalt von Klose - sofort da und zunächst sehr präsent.
       Der freigespielte Hitzlsperger schaffte nur ein Schüßchen, wo es einen
       Hammer gebraucht hätte. Danach begann das spanische Mittelfeld seinen
       laufintensiven Kombinationsfußball durchzusetzen, die Deutschen hatten
       erkennbar Probleme hinterherzukommen. Zunächst köpfte Torres nur an den
       Pfosten. Beim 1:0 (35.) setzte sich der spanische Stürmer gegen den
       zunächst eigentlich besser positionierten Linksverteidiger Philipp Lahm
       durch, als er mit einem Paß in die Schnittstelle der deutschen Viererkette
       eingesetzt worden war. Jens Lehmann kam spät aus dem Tor, wie sich
       heraustellte: zu spät. Eine Minute später hätte das Spiel bereits vorbei
       sein können: Silva wurde mit einer jener Kombination freigespielt, die
       typisch für diese Spanier sind. Er traf aber den Ball nicht richtig. Nach
       54 Minuten war es erneut Silva, der freigespielt wurde, aber die
       Vorentscheidung verpaßte. Warum konnten die Deutschen die spanische
       Spielentwicklung nicht wirklich unterbinden? Alles zu wissen über das
       spanische Team mit seinem Prachtmittelfeld ist das eine. Dagegen
       tatsächlich zu spielen, ist eben doch noch etwas anderes.
       
       Joachim Löw ließ die Deutschen ihr neues, zuletzt zweimal erfolgreiches
       4-2-3-1 spielen und brachte das Team des Halbfinales - Ausnahme: Frings für
       Rolfes. Im deutschen Mittelfeld war der an einer Wadenverletzung leidende
       Kapitän Michael Ballack zwar dabei, kam aber schwer ins Spiel und mußte
       nach einem Zusammenprall auch noch an der Augenbraue behandelt werden.
       Einen torgefährlichen Kopfball setzte er nicht, auch weil die Deutschen mit
       ihren ruhenden Bällen sehr schlampig umgingen. Nach einer Stunde hatte
       Ballack die Ausgleichschance: Nach einer der wenigen
       Highspeed-Kombinationen verfehlte er das Tor sehr knapp. Die Spanier hatten
       sich zurückgezogen, kombinierten prächtig, warteten auf den Killerkonter,
       setzten ihn aber nicht.
       
       Die Deutschen (mit Jansen für den verletzten Lahm) erhöhten das Tempo. aber
       ohne einen Ballack in Toppform und mit einem Frings, der nie ganz in Form
       kam, ist so ein Spiel nicht zu gewinnen. Vor allem nicht, wenn die beiden
       Zuständigen für Tempodribblings aus dem Spiel genommen werden: Podolski und
       Schweinsteiger konnten auf den Bahnen weder allein, noch zusammen einen
       jener Spielzüge inszenieren, die bisher zu Treffern geführt hatten. Löw
       wechselte auf 4-4-2, brachte Kuranyi für Hitzlsperger und später noch Gomez
       (für Klose), aber nach 75 Minuten war die Luft raus.
       
       Als Vizeuropameister wird die deutsche Mannschaft an diesem Montag ab 14.30
       Uhr auf der Fanmeile in Berlin erscheinen. Die T-Shirts sind gedruckt. Es
       steht nur ein Wort darauf: "Danke". Im Prinzip können die Meisten
       tatsächlich zufrieden sein. Ein starkes Spiel und die Finalteilnahme: Das
       ist ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Ausnahme ist sicherlich Michael
       Ballack. Der Kapitän ist 31 und hat nach diversen anderen Endspielen, dem
       Champions League-Finale im Mai nun auch dieses EM-Finale verloren. Es sieht
       ganz so aus, als würde er ein Unvollendeter bleiben.
       
       29 Jun 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Peter Unfried
       
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