# taz.de -- Streit um Görli: Zu viel Gras im Görlitzer Park
       
       > Quartiersmanager laden zur Diskussion über Dreck und Drogen im Görlitzer
       > Park. Die Initiative für einen saubereren Park begeistert aber nicht alle
       > - Gegner der Aktion verteilen satirische Flugblätter und rufen zum
       > Punkerpicknick auf.
       
 (IMG) Bild: Sorgten für Aufregung: Markierung von „Stellplätzen“ für Dealer im Görlitzer Park in Berlin
       
       Im Görlitzer Park braucht man sich nicht vor Vereinsamung zu fürchten.
       "Hello my friend!" Bereits am Eingang wird man von jungen Männern
       angesprochen. Die bieten Marihuana und Haschisch an, und das zuweilen
       ziemlich offensiv. Der Kreuzberger Park ist aber nicht nur bei Dealern
       beliebt. An Sommertagen tummeln sich junge Partypeople, Altfreaks und
       migrantische Großfamilien. Übrig bleiben Müllberge, lädierte Grünflächen -
       und Ärger im Kiez.
       
       Den will das Quartiersmanagement Wrangelkiez aufgreifen und lädt heute zum
       Kiezgespräch unter dem Motto "Görlitzer Park - ohne Dreck und Drogen". Doch
       schon die Einladung sorgte für neuen Ärger. Anonyme Spaßvögel verbreiteten
       gefälschte Einladungen, in denen eine Bürgerwehr und Videoüberwachung
       gefordert werden. Im Internet wird aus Protest zum Punkerpicknick
       aufgerufen.
       
       Im Büro des Quartiersmanagement herrscht eine angespannte
       Arbeitsatmosphäre. Letzte Details für den Moderationsplan müssen geklärt
       werden. Die Stadtplanerin Yolanda Arias ärgert sich über die gefälschte
       Einladung. "Uns wird hier eine Haltung unterstellt, von der wir uns absolut
       distanzieren." Die resolute Frau erklärt den Grund für das Kiezgespräch so:
       "Immer wieder kamen Anwohner zu uns, die über den Zustand des Parks besorgt
       sind." Die Diskussion solle öffentlich aufklären, wer für die
       Grünflächenpflege zuständig ist oder was Anwohnern tun können, damit der
       Park angenehmer und sauberer wird.
       
       Auch Ahmet Iyidirli vom Bildungswerk für Migrantenfragen, das das
       Kiezgespräch mitorganisiert, hat von der falschen Einladung gehört. "Ich
       hatte deswegen schon einige Proteste auf dem Anrufbeantworter." Trotzdem
       ist Iyidirli sehr optimistisch, dass die Veranstaltung ein Erfolg wird.
       "Die Leute wollen einfach, dass endlich etwas passiert", sagt der ehemalige
       SPD-Bundestagskandidat für Friedrichshain-Kreuzberg.
       
       Die Wunschliste der Anwohner scheint tatsächlich lang zu sein. Die
       46-jährige Kleinunternehmerin Susanne Hanke wünscht sich kostenlose
       Klohäuschen, eine häufigere Parkreinigung und dass junge Leute, die ihre
       leeren Weinflaschen liegen lassen, verantwortlich gemacht werden.
       
       Der Kiezbewohner Rainer Voss möchte, dass die Pamukkale-Ruine endlich
       repariert wird. Er hat eine Initiative gegründet, die den zehnjährigen
       Geburtstag des Brunnens Ende August feiert. Das Bauwerk war wegen
       Materialfehlern nur wenige Wochen in Betrieb. Seither prozessieren der
       Künstler des Brunnens und der Bezirk um die Haftung. "Wir wollen Druck
       ausüben, damit endlich etwas passiert", sagt Voss.
       
       Fred Jacob, der das Café Edelweiß im Park betreibt, findet, dass die
       Politik zu wenig unternimmt: "Zum Beispiel müssen Deckel für die
       Papierkörbe im Park beschafft werden, damit die Krähen die Müllberge nicht
       mehr auseinanderpflücken." Der Gastronom mit den auffälligen afrikanischen
       Spreizohrringen will sich auch selbst engagieren. "Wir wollen einen
       Bouleplatz anlegen. Ich habe versprochen mich um die Kugeln, die Sauberkeit
       und die Wartung zu kümmern", sagt er.
       
       Baustadträtin Jutta Kalepky will heute mit allen Anwesenden, die "mit
       offenem Visier" auftreten, ergebnisoffen diskutieren. Klar sei, dass die
       Probleme nur gemeinsam gelöst werden können, und vielleicht gebe es noch
       Haushaltsmittel, die umgeschichtet werden können.
       
       Stadtrat Peter Beckers, der für das Ordnungsamt zuständig ist, kann da nur
       zustimmen. Durch den Streik im öffentlichen Dienst waren seine 15 Streifen
       im Juni nur sehr bedingt arbeitsfähig. Und bis dahin wurden 2008 im Park
       gerade einmal 20 Bußgelder verhängt. "Natürlich brauchen wir dringend mehr
       Personal, aber alleine kann das Ordnungsamt die Probleme ohnehin nicht
       lösen", sagt er.
       
       Und die sind im Park massiv. Nach Auskunft des Kripobeamten Lothar
       Spielmann von der zuständigen Polizeidirektion 5 ist der Görlitzer Park
       gemessen an der Zahl der registrierten Delikte ein Kriminalitätsbrennpunkt,
       an dem die Beamten erleichtert eingreifen dürfen. Diese Einordnung sei aber
       nicht in Stein gegossen, so Spielmann. Im Vergleich zur Hasenheide liege
       die Fallzahl deutlich niedriger und wenn sie weiter sinke, könne der Park
       aus der Liste der Brennpunkte gestrichen werden, verspricht der Polizist.
       
       Für die Stadtplanerin Arias ist klar: Alle interessierten und beteiligten
       Akteure müssten sich austauschen und zusammen aktiv werden, dann könne der
       Park wieder seine Bedeutung als Naherholungsgebiet erfüllen. Dass sich
       jetzt etwas bewegt, macht sie optimistisch. Eine Umweltinitiative lädt
       schon für den 12. Juli zum Müllsammeln. TILL BELOW
       
       5 Jul 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Till Below
       
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 (DIR) Drogendealer
       
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