# taz.de -- Kommentar Magersucht&KinderTV: Wo ist Pippi Langstrumpf?
       
       > Die Körperform von TV-Comic-Heldinnen vermittle jungen Mädchen ein
       > ungesundes Körperbild, so eine Studie. Aber wer sagt, dass Vorbilder so
       > eindimensional funktionieren?
       
 (IMG) Bild: Der Durchschnittskörper einer Pubertierenden sieht im echten Leben anders aus.
       
       Fast alle weiblichen Figuren orientieren sich in TV-Zeichentrickserien an
       der Barbie-Puppe. Sie haben, so stellt eine Studie des Internationalen
       Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) fest, eine
       Wespentaille, lange Beine und damit einen "sexualisierten kleinen
       Frauenkörper". Für manche der männlichen Figuren gilt zwar eine ähnlich
       klischeehafte Überzeichnung - immerhin repräsentiert ein V-förmiger
       Oberkörper auch eine übersteigerte Männlichkeit. Doch diese Figuren werden
       von vielen ganz anders gestalteten männlichen Figuren flankiert, von
       dicken, langen oder kugelrunden Wesen. Den weiblichen Figuren stehen nur
       wenige, stereotype Rollen und Bilder zur Verfügung; den männlichen ein
       ganzes Repertoire.
       
       Schön ist das nicht. Wer in seiner Kindheit die Abenteuer Pippi
       Langstrumpfs oder der Roten Zora genoss, weiß, wie gut es tut, wenn ein
       kühnes, ungewöhnlich aussehendes Mädchen die Fantasiewelt bewohnt. Doch wer
       sagt, dass die Identifikationsprozesse der Kinder mit den
       Zeichentrickfiguren geradlinig ablaufen? Dass ein Mädchen, das "Bratz" oder
       "Winx Club" guckt, automatisch so werden will wie die
       Wespentaillen-Heldinnen? Es hat genauso gut die Möglichkeit, sich an
       männlichen Figuren zu orientieren, sich einen Mix aus Identifikationen zu
       basteln oder die übersteigerte Weiblichkeit der fiktiven Figuren blöd zu
       finden. Dasselbe gilt für die Jungen: Warum sollen die sich nur in den
       männlichen Figuren spiegeln?
       
       Das Problem einer Studie wie der des IZI ist, dass sie, obwohl sie nicht an
       fixierte Geschlechterunterschiede zu glauben vorgibt, diese doch
       reproduziert, sobald sie eindimensionale Identifikationslogiken
       unterstellt. Dabei gerät aus dem Blickfeld, wie viele
       Rezeptionsmöglichkeiten fiktive Welten eröffnen. Von Horrorfilmen etwa weiß
       man, dass sich der männliche Zuschauer gerne im "final girl" wiedererkennt,
       in der Frauenfigur, die am Ende das Monster bezwingt. Und seit dem
       Filmstart von "Kung Fu Panda" hört man von Achtjährigen, die vom Frühstück
       bis zur Gutenachtgeschichte einen Kung-Fu-lernenden Pandabären nachahmen.
       Ob sie deswegen später die Taillenform eines Bären anstreben?
       
       30 Jul 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Cristina Nord
       
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