# taz.de -- NBA-Profi Ron Artest: Ghetto-Gangster oder Verstärkung?
       
       > Basketballprofi Yao Ming von den Houston Rockets freut sich nicht auf den
       > Starkollegen Ron Artest. Er sorgt sich um die Teamchemie.
       
 (IMG) Bild: Ron Artest bei der Arbeit, noch im Auftrag der Indiana Pacers.
       
       Selbst in der Sommerpause, in der auch noch die Olympischen Spiele
       stattfinden, stehen die Telefone in den Schaltzentralen der NBA nicht
       still. Teams wollen ihre Erfolgschancen in der nächsten Spielzeit erhöhen,
       Manager suchen nach dem letzten Puzzlestück auf dem Weg zum Ruhm. Und
       manchmal wird dafür sogar extra aus dem entfernten China telefoniert. Als
       die Houston Rockets kürzlich bekanntgaben, Forward Ron Artest von den
       Sacramento Kings nach Texas zu holen, ließen die Reaktionen nicht lange auf
       sich warten.
       
       "Natürlich sorgen wir uns um die Stimmung im Team. Wir holen gute Spieler
       dazu, aber auch die Teamchemie ist wichtig," so Yao Ming, chinesischer
       Star-Center in Diensten der Rockets und gerade im Olympia-Training in
       Nanjing. Was nach eher vornehmer Zurückhaltung klingt, führt Ming dann doch
       noch deutlicher aus: "Ich will ja nicht sagen, dass er in Houston nicht
       willkommen ist. Ich hoffe einfach, dass er keine Zuschauer mehr angreift."
       Die Antwort des Neuankömmlings folgte prompt: "Ich werde mich nicht ändern.
       Ich bin immer noch einer aus dem Ghetto. Yao hat wohl noch nicht mit einem
       Schwarzen gespielt, der seine Kultur so repräsentiert wie ich", so Artest.
       Marcel Mutoni vom Slam Magazine schreibt dazu süffisant: "Ich bin mir nicht
       sicher, was er damit meint, aber wenn das in einem gemeinsamen Besuch von
       Artest und Ming bei den Black Panthers endet, wird es interessant."
       
       Ein besonderer Fall ist Artest ganz bestimmt. Der 28-Jährige war nämlich -
       daher Mings Anspielung - einer der Hauptbeteiligten am berüchtigten "Brawl"
       2004 in Detroit, als das ohnehin spannungsgeladene Duell der dort
       heimischen Pistons und der Indiana Pacers in eine zünftige Keilerei auf dem
       Platz und den Rängen mündete. Auch wusste Artest, damals in Diensten der
       Pacers, seine 112 Kilo gegenüber einigen Fans äußerst schlagkräftig
       einzusetzen. Seine daraus resultierende 73-Spiele-Sperre ist die längste
       der NBA-Geschichte.
       
       "Ich denke nicht, dass das mir gegenüber eine faire Entscheidung ist",
       kommentierte Artest danach seine Sperre. Nur Wochen zuvor bat er die
       Pacers-Teamführung - mitten in der Saison - um eine "Auszeit von einem
       Monat", weil der musikaffine Forward sich um sein eigenes Label kümmern
       wollte. Die Reaktion kam in Form einer Suspendierung für zwei Spiele.
       
       So umstritten Artest charakterlich sein mag, so unumstritten sind aber
       seine spielerischen Fähigkeiten. Der 2,01m große Forward ist seit Jahren
       einer der besten Verteidiger der Liga, gefürchtet für sein hartes Spiel.
       Unvergessen, als er, gerade zum besten Defensivspieler der Saison 2003/04
       gewählt, den unzufriedenen Zweitplatzierten Bruce Bowen aus San Antonio zum
       direkten Duell herausforderte: "Wenn er mich schlägt, kann er die Trophäe
       gern haben", erklärte Artest damals keck. Und auch sein ehemaliger Coach
       Rick Carlisle betont: "Ron ist einer dieser Spieler, die den Unterschied
       ausmachen. Einer, den jedes Team gerne hätte. Er ist einer der
       körperbetontesten, aggressivsten Spieler, die ich je trainiert habe."
       Gerade die in den letzten Jahren notorisch mit hohen Erwartungen startenden
       und ebenso notorisch früh in den Playoffs scheiternden Rockets hoffen nun,
       ihr Puzzlestück zu den Stars Ming und Shooting Guard Tracy McGrady gefunden
       zu haben. Man will an die längst vergangenen erfolgreichen Zeiten (zwei
       Meisterschaften Mitte der 90er-Jahre) anknüpfen.
       
       "Mit einem positiven Artest sind die Rockets ganz klar ein Titelfavorit.
       Dann kann sich das Management auf die Schulter klopfen", bestätigt Experte
       Chad Ford vom Sportsender ESPN. Artest selbst ist optimistisch: "Ich liebe
       es einfach, zu verteidigen. Jetzt, wo ich so viele Offensivkräfte um mich
       habe, kann ich meinen Teil dazu beitragen und meine Stärken ausspielen."
       
       Und auch die kulturellen Meinungsverschiedenheiten zu Beginn scheinen schon
       geklärt. "Yao hat mir die Hand gereicht. Ich weiß das wirklich zu schätzen.
       Er war sehr freundlich und sagte nette Dinge", freute sich Artest nach
       einem ersten klärenden Gespräch mit seinem neuen Teamkollegen. Telefone
       sind schon sehr nützlich.
       
       5 Aug 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) David Digili
       
       ## TAGS
       
 (DIR) American Pie
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Politische Haltung im US-Basketball: Angst um das Geschäft
       
       Ein NBA-Manager solidarisierte sich mit den Protesten in Hongkong. Doch nun
       buckelt die US-Basketball-Liga wegen drohender Sanktionen vor China.