# taz.de -- Kommentar Indien: Kaschmir brennt wieder
       
       > Jahrelang hat Indien an der Befriedung des geteilten Kaschmirs
       > gearbeitet. Nun bricht wieder der Konflikt erneut auf - weil die
       > politische Klasse so unverfroren wie unfähig ist.
       
 (IMG) Bild: Die indische Armee wird eingesetzt, um die protestierenden Menschen in Schach zu halten.
       
       Einige Länder sind sich selbst der ärgste Feind. Und wenn eines unter ihnen
       den ersten Platz auf einer imaginären Rangliste verdient, dann ist es
       Indien. Jahrelang hat die indische Regierung durch vertrauensbildende
       Maßnahmen darauf hingearbeitet, das geteilte Kaschmir zu befrieden. Zwar
       war der geteilte Bergstaat noch immer weit entfernt von einer
       substanziellen Lösung. Aber es war Ruhe eingekehrt in den letzten Jahren.
       
       Frei nach Willy Brandts Formel "Wandel durch Annäherung" verkehrten wieder
       Busse zwischen dem indischen und dem pakistanischen Teil Kaschmirs. Die von
       Pakistan geförderten Islamisten haben sich andere Kampfplätze gesucht und
       sogar die Touristen kehrten zurück in die romantische Hauptstadt Srinagar.
       Pakistan hat derzeit andere Probleme und ist mit sich selbst beschäftigt.
       Bessere Bedingungen, um die Sympathie der Bevölkerung in Kaschmir dauerhaft
       für sich zu gewinnen, konnte sich Neu-Delhi nicht wünschen.
       
       Doch stattdessen "brennt Kaschmir" wieder, wie am Dienstag eine indische
       Zeitung schrieb - und zwar ausschließlich weil die politische Klasse sich
       als so unverfroren wie unfähig erweist. Unnötigerweise brachen die
       Zentralregierung und die Lokalregierung einen Streit um die Pilgerreise zum
       Amarnath-Schrein vom Zaun, indem sie entschieden, weiteres Staatsland für
       Hindu-Pilger zur Verfügung zu stellen. Dabei pilgerten jahrzehntelang
       Tausende von Hindus friedlich durch das mehrheitlich muslimische Kaschmir.
       Jetzt aber wurde Separatisten und islamischen Fanatikern eine Steilvorlage
       geliefert. Aber nicht nur ihnen.
       
       Die größte Oppositionspartei Indiens, die hindu-nationalistische BJP, die
       schon lange auf der Suche nach einem geeigneten Wahlkampfthema war, hat die
       Kontroverse skrupellos instrumentalisiert, um sich als wahrer Anwalt
       hinduistischer Interessen zu präsentieren. Dass sie sich um ein paar
       hundert oder tausend Tote nicht schert, hat die BJP in der Vergangenheit
       bereits bewiesen. Auf Kaschmir kommen daher bis zu den Wahlen unruhige
       Zeiten zu. Wer solche Politiker hat, braucht keine äußeren Feinde mehr.
       
       12 Aug 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Britta Petersen
       
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