# taz.de -- die wahrheit: Look-alike der Liebe
       
       > Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Stante pede in den Fängen
       > des Protokolls
       
 (IMG) Bild: Der Mann an ihrer Seite sieht aus wie ihr Liebster, ist aber doch ein anderer.
       
       Mon cher journal intime … 
       
       Mittwoch, 27. August
       
       Wir sind wieder in Paris. Total langweilig hier. Nichts los. Meterweise
       Post, aber alles ohne Bedeutung. Nur Schrott! Ich verstehe das nicht. Ich
       frage mich, wo die Einladungen bleiben. Zu den Empfängen, den Partys. Kein
       Hahn kräht nach mir. Außer Nici. Der kann momentan gar nicht genug
       bekommen, seit er bei diesem Antiageing-Spezialisten war. Er trägt jetzt
       ein Testosteronpflaster, um den Prozessen des Alterns entgegenzuwirken.
       Seine Haare fallen aber immer noch aus. Ich habe das Gefühl, das Zeug geht
       direkt nach unten. Obschon er das Pflaster auf dem Arm trägt. Zuerst wollte
       er es sich an den Kopf kleben, aber das wäre natürlich aufgefallen. Dann
       hatte er die Idee, es auf seinen Penis zu heften. Aber ich konnte ihm
       überzeugend verdeutlichen, dass das nicht sein Thema ist. Also jetzt auf
       dem Arm und trotzdem Daueralarm. Aber ich wollte noch mal auf die Post
       zurückkommen bzw. die nicht vorhandenen Nachfragen. Es ist schon
       erstaunlich, wie schnell das Interesse erlahmt. Eben noch haben sich alle
       überschlagen, um mich gerissen, konnten gar nicht genug von mir bekommen,
       jetzt die einzige Interviewanfrage aus Tuvalu! Hat wohl etwas gedauert, bis
       bei denen die Platte angekommen ist. Jedenfalls retten diese
       Kinderkrankenhäuser-Eröffnungen, die Einweihung der "Brücke der
       Nächstenliebe", eine symbolische Brücke nach Banlieue, eine echte will ja
       keiner bauen, da könnte man ja gleich sein Geld ins Klo werfen, mich nicht.
       Ich weiß gar nicht, wie es die nächsten Wochen werden soll, wenn keiner
       mich in den Mittelpunkt stellen will. Zum Glück gibt es wenigstens die
       Anfrage, bei der BBC zusammen mit Metallica aufzutreten. Außerdem ist Nici
       momentan so gefragt, da kann ich mich beim Fototermin einfach mal daneben
       postieren.
       
       Donnerstag, 28. August
       
       Ich glaube, ich habe mich getäuscht. Von wegen nichts zu tun, Mußestunden,
       Kleiderschrank sortieren, alte Freunde anrufen - ich bin stante pede in den
       Fängen des Protokolls gelandet. Ein neues Trauerkostüm soll genäht werden,
       weil ich so zugenommen habe, ein halber Zentimeter im Bauchumfang! Mein
       Gynäkologe, Prof. Clafouti, sagt, das sei normal in meinem Alter, ab 40.
       Ein Kilo alle drei Jahre sei biologisch bedingt, außerdem eine
       Fettverschiebung gen Bauch. Super. Da kann ich mir ja ausrechnen, wann ich
       so aussehe wie Nicis Mutter, das Trumm. Also, Termin mit dem Schneider,
       drei Einweihungen und dann vor allem das Double-Testing. Wer sich das nun
       wieder ausgedacht hat! Nici soll ein Double bekommen. Für gefährliche
       Termine, und Winke-winke-Auftritte. Also etwa, wenn man in einem Land wie
       Israel oder Somalia noch ein wenig auf dem Rollfeld rumstehen muss, für die
       Fotografen und das Blabla. Dann soll Nici als Araber oder Steward
       verkleidet hinten in die Maschine, während vorn sein Double steht. Oder bei
       rein repräsentativen Terminen. Da hat so ein wichtiger Mann ja eigentlich
       gar keine Zeit für. Aber das muss ja nicht er machen, das kann ja auch
       jemand anders übernehmen, Hauptsache, der Präsident lässt sich blicken und
       huldigt der Menge. Ich finde die Idee gar nicht so übel. Das haben alle
       Diktatoren so gemacht. Und mir würde es etwas mehr Ruhe geben, weil ich
       mich weniger sorgen müsste. Trotzdem: An mich denkt mal wieder keiner. Ich
       darf auf dem Rollfeld als Zielscheibe herhalten, und der ganze Trouble mit
       der Look-alike-Wahl bleibt auch an mir hängen, weil ich jeweils einen Tag
       mit den Kandidaten verbringen soll. Ich soll "erspüren", wer der Richtige
       ist. Es geht also um Handlichkeit und ob sich Nici 2 "geschmeidig in die
       Erfordernisse einfügt", wie es im Protokoll heißt. Morgen Mittag geht es
       los, dann kommt Serge, ein Mitarbeiter der enzyklopädischen Abteilung des
       Arthur-Meyer-Archivs aus Orly. Als wenn ich sonst nichts zu tun hätte.
       
       Samstag, 30. August
       
       Serge will ich nicht! Der spricht nicht. Nicht dass immer einer so viel
       sabbeln muss wie mein lieber Mann, aber ab und zu ein Wort wäre ganz schön.
       Ansonsten hat er aber seine Sache ganz gut gemacht und ist mir auch nicht
       auf die Nerven gegangen. Etwas gemein war allerdings das, was die vom
       Innenministerium den "Arsch-und-Titten-Test" nennen. Dreimal haben sie dem
       armen Unwissenden ein heißes Madel aufmarschieren lassen und alle drei Male
       sind ihm die Augen übergegangen. Das würde Nici nie passieren. Der lässt
       alles an sich vorbeirauschen und geht lieber einen Moment später persönlich
       noch mal vorbei. Weil man Serge das angeblich aber abtrainieren könnte,
       woran ich als Frau so meine Zweifel habe, bleibt er vorerst im Rennen.
       Merkwürdig war das aber doch für mich, einen Mann an meiner Seite zu haben,
       der aussieht wie mein Liebster, aber doch ein anderer ist. Ich muss
       höllisch aufpassen, nicht zu vertraut oder zärtlich mit ihm zu sein, nur
       weil er ausschaut wie mein geliebter Schatz. By the way: Nici kommt gerade
       vom Joggen zurück. Ich glaube, ich werde mit ihm ein Müsli essen.
       
       2 Sep 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Silke Burmester
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Carla Brunis Tagebuch
       
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