# taz.de -- Schleswig-Holsteins SPD-Chef Stegner: "Wir sind nicht die SED"
       
       > Ralf Stegner über den Umgang mit dem zurückgetretenen Parteichef Kurt
       > Beck und den Wunsch nach einem Ende der Flügelkämpfe: "Schluss mit dem
       > Schwarzweiss".
       
 (IMG) Bild: Flügelkämpfe nicht ausgeschlossen, zumindest wenn es um Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti geht.
       
       taz: Herr Stegner, sind Sie noch gerne in der SPD? 
       
       Ralf Stegner: Was ist das für ne Frage? Ich kann mir keine andere Partei
       vorstellen. Ich bin in der SPD zu Hause.
       
       Kein sehr kuscheliges Heim, in dem man den Vorsitzenden wegmobbt. 
       
       Die SPD besteht aus vielen Menschen, und ich bin ganz und gar nicht
       einverstanden damit, wie einige mit Kurt Beck umgegangen sind. Aber von den
       Inhalten und Werten der 145 Jahre alten SPD her sind wir andern meilenweit
       voraus.
       
       Warum haben Sie Münteferings Nominierung nicht gleich mitgetragen? 
       
       Kurt Beck hat viel geleistet. Er hat die Austrittswelle gestoppt, er hat
       uns wieder an die Gewerkschaften herangeführt - all das, was hinter Häme
       und Spott völlig verschwunden ist. Dann tritt er zurück, und da kann ich
       mich nicht schütteln und binnen Stundenfrist sagen: Nehmen wir den
       nächsten. So ein Mensch bin ich nicht!
       
       Obwohl das in der SPD zur Gewohnheit wird? 
       
       In den letzten Jahren war das in der Tat nicht sehr ruhmreich. Man wünschte
       sich, dass solche Dinge wie jetzt nicht wieder vorkommen. Aber die SPD
       hatte mit Willy Brandt auch einen Vorsitzenden, der über sehr lange Zeit
       Kontinuität garantierte.
       
       Wie lange soll Müntefering Vorsitzender sein? 
       
       Franz Müntefering braucht jetzt unser Vertrauen. Es wäre ziemlich daneben,
       über die Dauer seiner Amtszeit zu reden.
       
       Sie zählen zu den Linken im SPD-Präsidium. Ist die Zuordnung richtig? 
       
       Ja und nein. Was die Grundwerte und meine Auffassungen über Bildung,
       Arbeitsmarkt und Sozialpolitik angeht, gehöre ich eindeutig zum linken
       Parteiflügel. Aber ich war zwölf Jahre in Regierungsämtern in
       Schleswig-Holstein, das macht einen auch pragmatisch.
       
       Sind Sie denn ein Verfechter von Schröders Reformagenda? 
       
       Die Sozialreformen von Rot-Grün waren grundsätzlich richtig. Es gibt
       natürlich Unwuchten dabei - auch weil es nicht SPD pur war, sondern die
       Union über den Bundesrat mitgeredet hat. Unter Kurt Beck hat die SPD
       beschlossen, was daran zu ändern ist und was nicht. Daran müssen sich alle
       in der SPD halten, selbst wenn ihnen nicht alles passt.
       
       Darüber hinaus darf nichts mehr geändert werden? 
       
       Wir tun gut daran, ohne Kampfgebrüll an der Weiterentwicklung der Agenda
       mitzuwirken. Nehmen Sie die Rente mit 67: Wir müssen länger arbeiten, das
       ist wahr. Aber: Wir müssen auch Übergänge schaffen für Menschen, die hart
       körperlich gearbeitet haben und nicht mehr können. Wir brauchen auch
       Arbeitsmarktchancen für Ältere und fairen Lohn für gute Arbeit. Dafür haben
       wir eine Arbeitsgruppe eingerichtet und das ist der richtige Weg. Die SPD
       muss endlich aufhören mit diesem Schwarzweiß nach dem Motto: Die Reformen
       sind klasse oder Mist. So kommen wir einfach nicht weiter.
       
       Nach Becks Rücktritt haben viele von Unterhaken und Teamleistung
       gesprochen. Warum trugen dann im Parteivorstand doch wieder sechs Leute
       Münteferings Nominierung nicht mit? 
       
       Wir sind nicht die SED. Die SPD ist eine lebendige Partei.
       
       Was sollen die SPD-Linken denn sein: brav in Arbeitsgruppen sitzen oder
       lebendig sein und aufmucken? 
       
       Wir müssen dafür streiten, dass die Weichenstellungen so bleiben, wie Kurt
       Beck sie befördert hat. Eine Mannschaft spielt nur erfolgreich, wenn es
       einen funktionierenden linken Flügel gibt, einen rechten und ein Mittelfeld
       - so sagt das Franz Müntefering. Aber der linke Flügel sollte nicht den
       rechten angreifen und umgekehrt, sondern beide müssen gemeinsam die
       Verteidigung der anderen Mannschaft austricksen und Tore machen.
       
       In den letzten Wochen hat die SPD das nicht so oft geschafft. 
       
       Nein, wir haben zu viel aufs eigene Tor geschossen.
       
       Die Juso-Chefin verlangt, dass Müntefering noch einen Linken in den inneren
       Führungskreis aufnimmt. 
       
       Wenn die Jusos so was nicht mehr verlangen, würde ich mir Sorgen machen.
       Aber meiner Verantwortung als Präsidiumsmitglied entspräche es nicht,
       öffentlich neue Personalkämpfe zu beginnen. INTERVIEW: GEORG LÖWISCH
       
       10 Sep 2008
       
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