# taz.de -- taz-Genossenschaftsversammlung: Eine Frage der Haltung
       
       > Die taz-Genossenschaftsversammlung war auch in diesem Jahr ein Forum
       > intensiver Diskussion. Und eine Plattform mit hoffnungsvoller Aussicht:
       > Auf die Zukunft der taz.
       
 (IMG) Bild: Ihn wollte die Leserschaft: Michael Grolm organisiert "Feldbefreiungen" gegen Gen-Mais, am Abend vorgestellt vom Kaberettisten Georg Schramm.
       
       "Es gab noch nie so viele Geno-Anmeldungen wie in diesem Jahr", eröffnete
       taz-Chefredakteurin Bascha Mika gut gelaunt die Genossenschaftsversammlung
       der taz - ein Grund zu einhelliger Freude. Doch im Berliner Ver.di-Haus
       wurde auch in diesem Jahr selbstverständlich rege diskutiert, etwa die
       Frage, ob die taz in Zukunft Anzeigen der Atomindustrie abdruckt.
       
       Zwei Genossen hatten gefordert, dass weder Hersteller noch Anwender von
       Atomkraft Anzeigen in der taz schalten dürfen. Sie gaben zu bedenken, dass
       die taz sich unglaubwürdig mache und ihre Unabhängigkeit verliere, wenn sie
       weiterhin Anzeigen der Atomindustrie veröffentliche. Diese Anzeigenkunden
       müssten genauso behandelt werden wie jene der Rüstungsindustrie, nämlich
       gar nicht.
       
       Im Gegenzug meldeten sich Genossinnen und Redakteure zu Wort, die auf die
       ökonomischen Überlebensnotwendigkeiten der taz und auf die strikte Trennung
       von redaktionellen Inhalten und dem Verlagsgeschäft hinwiesen.
       
       Der generelle Umgang mit Anzeigen in der taz war schon immer umstritten,
       besonders augenscheinlich wurde dieser Streitpunkt zuletzt im Jahr 1998,
       als eine Welle von Bundeswehr-, Castor- und Chemieanzeigen auf die taz
       zurollte. Eine spontane Befragung der GenossInnen hatte damals jedoch
       ergeben, dass rund sechzig Prozent mit dem Abdruck der Anzeigen
       einverstanden waren.
       
       Ein ähnliches Ergebnis ergab sich auch an diesem Samstag. Zweimal zählte
       der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Hermann-Josef Tenhagen, die weißen
       Karten, die von den Genossinnen in die Höhe gehalten wurden. Die Abstimmung
       war deutlich: Über zwei Drittel lehnten die beiden Anträge ab.
       
       Für anfängliche Irritationen sorgte die Neubesetzung der
       Aufsichtsratsspitze. Nachdem Adrienne Goehler relativ kurzfristig von einer
       neuen Amtszeit Abstand genommen hatte, wurde Astrid Prange de Oliveira von
       Mitgliedern des Aufsichtsrates als ihre Nachfolgerin vorgeschlagen. Spontan
       hatte sich ein Genosse als Gegenkandidat angeboten, die
       Genossenschaftsversammlung jedoch stellte sich in der geheimen
       Wahlabstimmung geschlossen hinter Prange de Oliveira. Die ehemalige
       taz-Brasilien-Korrespondentin versicherte: "Ich fühle mich der taz sehr
       verbunden, ihre Unabhängigkeit ist mir sehr wichtig." Neben Adrienne
       Goehler wurde auch das langjährige taz-Vorstandsmitglied Stefan
       Affentranger verabschiedet, der die taz in diesem Jahr verlassen wird.
       
       Am Ende der Versammlung oblag es Chefredakteurin Bascha Mika, einen Blick
       in die Zukunft der taz zu werfen. Der 30. Geburtstag am 17. April des
       nächsten Jahres soll zum zentralen Dreh- und Angelpunkt der
       taz-Zukunftsstrategie werden: "Das Fest wird zum Anlass genommen, einen
       Hausputz zu machen", sagte Bascha Mika und stellte den geplanten "Tu
       was!?"- Kongress vor. 30 Jahre nach dem "Tunix-Kongress", aus dessen Mitte
       heraus die taz geboren wurde, soll drei Tage lang Raum geboten werden, um
       alternative Antworten auf zentrale Zukunftsfragen zu finden. Zudem soll zum
       30. Geburtstag eine völlig neue taz-Wochenendausgabe an den Start gehen:
       die sonntaz. Peter Unfried, stellvertretender Chefredakteur, präsentierte
       bereits vorab die Grundzüge der neuen Ausgabe und betonte: "Die sonntaz
       soll die Vertiefung und Diskussion für langfristig erdachte Themen
       ermöglichen. Die taz soll über ihre 30 Lebensjahre hinaus eine tragfähige
       Zukunft haben."
       
       In diesem Sinne bedankte sich Klaudia Wick im Namen der Genossenschaft bei
       allen Spendern für ihre großzügige Unterstützung der neuen taz Panter
       Stiftung. Satte 680.000 Euro wurden bereits in die Stiftung eingezahlt, die
       noch in diesem Monat gegründet wird. Auch sie soll ein Beitrag für die
       Zukunft sein. Sie dient nicht nur der Finanzierung des Panter Preises,
       sondern auch der taz Akadamie. Jungen JournalistInnen soll dort nicht nur
       das Handwerk vermittelt werden, sondern auch ein anderes zentrales Element
       des Berufes: eine Haltung.
       
       JADRANKA KURSAR
       
       15 Sep 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jadranka Kursar
       
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