# taz.de -- Linker Kongress: Mit links zum Grundeinkommen
       
       > Der dritte Kongress zum Grundeinkommen sorgt schon im Vorfeld für Streit.
       > Linkspartei und Attac wettern gegen "Mogelpackungen", die keine
       > Existenzsicherung garantieren.
       
 (IMG) Bild: Einer der wenigen Grünen, die für ein Grundeinkommen streiten: Robert Zion.
       
       Ein Tag vor dem dritten Grundeinkommenskongress haben linke Befürworter des
       Modells die Debatte neu eröffnet. Bürgerliche Modelle pervertierten die
       Idee des Grundeinkommens, kritisierten gestern Vertreter von Linkspartei,
       Attac und Erwerbsloseninitiativen auf einem Vernetzungstreffen in Berlin.
       
       Auf dem Kongress, der am Wochenende in der Humboldt-Universität
       stattfindet, sollen verschiedene Varianten des Bedingungslosen
       Grundeinkommens (BGE) diskutiert werden. Das BGE zeichnet sich dadurch aus,
       dass es individuell, in existenzsichernder Höhe, ohne Bedürftigkeitsprüfung
       und ohne Zwang zur Gegenleistung gezahlt wird. Auf dem Kongress wird ein
       Teilnehmerspektrum von Götz Werner, dem Gründer der Drogeriemarktkette dm,
       bis hin zur Linkspartei erwartet. Kein Wunder also, dass es schon vorher zu
       Zoff kommt.
       
       "Götz Werner, dem geht es nicht um Umverteilung. Dem geht es darum, dass
       alle Steuern abgeschafft werden", kritisiert Christian Fuchs von Attac. Die
       Umverteilung von oben nach unten ist auch für Stefan Wolf wichtiges
       Kriterium eines linken Grundeinkommens. Wolf ist Sprecher der
       Bundesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen in der Linkspartei und bezeichnet
       Modelle wie die von Götz Werner oder des Thüringer Ministerpräsidenten
       Dieter Althaus (CDU) als Mogelpackungen. "Das ist nicht existenzsichernd",
       sagt Wolf zu dem von Althaus vorgeschlagenen Grundeinkommen in Höhe von 600
       Euro. Er selbst fordert 950 Euro für alle.
       
       Aber die Höhe ist nicht das einzige Merkmal, in dem sich ein
       "emanzipatorisches Grundeinkommen", wie die Veranstalter es nennen, von
       anderen Modellen unterscheiden soll. Das Grundeinkommen ersetze zwar
       Arbeitslosengeld II, Kindergeld und Bafög, andere Sozialleistungen blieben
       aber bestehen. Außerdem soll ein linkes Modell nicht über eine
       Konsumsteuer, sondern über eine stärkere Belastung von Kapital und höherer
       Einkommen finanziert werden.
       
       Als globales Recht will Katja Kipping, stellvertretende Vorsitzende der
       Linkspartei, das Grundeinkommen verstanden wissen. Es sei "elementar
       wichtig", dass es weltweit eingeführt werde, sagt die prominenteste
       Grundeinkommensbefürworterin ihrer Partei. Ansonsten müssten "neue Mauern
       um Europa" gebaut werden. Dass es in ihrer Partei mit der Mehrheit für ein
       bedingungsloses Grundeinkommen nicht geklappt hat, bedeute kein Scheitern
       der Idee. Vielmehr sei es ein "Projekt, das von unten erkämpft werden
       muss", sagt Kipping. Sie habe den Eindruck, dass sich trotz geringer
       medialer Beachtung mehr Leute für die Idee interessieren.
       
       Der dritte deutschsprachige Grundeinkommenskongress von Freitag bis Sonntag
       soll als Ideenbörse neue Impulse für die Debatte bringen, sagt Günter
       Sölken vom Netzwerk, das den Kongress mitorganisiert. Er erwartet 500
       Teilnehmer.
       
       23 Oct 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Werdermann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bedingungsloses Grundeinkommen
       
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