# taz.de -- Kommentar Drogenkonsum: Haschisch heißt jetzt WOW
       
       > Jugendliche kiffen, rauchen und trinken zunehmend weniger. Ein Grund
       > könnte sein, dass Zigaretten so teuer sind. Nicht auszuschließen ist
       > auch, dass ein kultureller Wandel stattfindet.
       
       Unter US-amerikanischen Jugendlichen gibt es ein Wortspiel für Dauerkiffer:
       "Stoned Agers" heißen sie. Damit meint man ältere Leute, die gleichzeitig
       "stoned", also berauscht, aber eben auch ein bisschen rückständig sind,
       "stone ager", Menschen aus der Steinzeit eben. Kiffen gilt demzufolge in
       den USA als ein bisschen rückständig. Nach den Ergebnissen des neuen
       Drogenberichts lässt sich dies durchaus auf hiesige Verhältnisse
       übertragen. Immer weniger junge Leute in Deutschland kiffen, rauchen oder
       trinken Alkohol. Nun sind Zigaretten teurer geworden, Teenager können sie
       nicht mehr am Automaten kaufen. Möglich, dass weniger Rauchen auch weniger
       Kiffen nach sich zieht. Wahrscheinlich aber ist, dass auch ein kultureller
       Wandel hinzugekommen ist.
       
       Der Konsum von Drogen ist nicht mehr gleichbedeutend mit einer breiten
       jugendlichen Protestkultur - was logisch ist, da die Elterngeneration der
       heutigen Teenager schon Haschisch rauchte. Zudem hat sich herumgesprochen,
       dass der Konsum von halluzinogenen Drogen für labile Menschen nicht immer
       stimmungsaufhellend wirkt. Auch soll es Eltern geben, die ihren Kindern im
       Teenageralter anbieten, gemeinsam zu Hause auf dem Sofa zu kiffen, damit
       sie nicht abkippen in dunkle Subkulturen. Mit solchen Angeboten kann man
       allzu großer jugendlicher Drogenaffinität wirksam vorbeugen.
       
       Eltern machen sich heute angesichts ihrer Teenager daher oft ganz andere
       Sorgen, wenn es um Suchtverhalten geht. Dann nämlich, wenn ihre
       pubertierenden Kinder in Welten abwandern, zu denen Eltern keinen Zugang
       mehr haben. Solche Welten entstehen heute weniger aus Haschisch oder
       Alkohol, sondern aus "World of Warcraft" (WOW) und anderen Spielen. Diese
       Spiele sind Suchtmittel, die aber gleichzeitig auch der Abgrenzung
       gegenüber der Welt der Erwachsenen dienen. Sie erscheinen den Eltern als
       Zeitverschwendung, als Sinnlosigkeit. Dabei könnten sie das auch anders
       sehen: Man braucht schon ein bisschen Klarheit in der Birne, um bei WOW das
       Level 60 zu erreichen. Das ist doch auch ein Trost.
       
       14 Nov 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Dribbusch
       
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