# taz.de -- Kommentar US-Autolobby: Die Pleite wird vertagt
> Die US-Autoindustrie bekommt einen 15-Milliarden-Kredit vom Staat. Eine
> gute Sache, die das Sterben der Autolobby jedoch nur herauszögert.
Die drei großen US-Automobilhersteller werden eine milliardenschwere
Finanzspritze vom Staat bekommen. Zwar werden zunächst statt der
geforderten 34 Milliarden Dollar nur 15 Milliarden Dollar fließen. Aber
damit ist das Überleben bis in das kommende Frühjahr hinein gesichert. Zu
dieser Zusage gab es keine ernsthaft zu erwägende Alternative. In einer
Zeit des Übergangs im Weißen Haus mindestes zwei der Hersteller, Chrysler
und GM, in den Konkurs gehen lassen? Bei einer Arbeitslosenquote, die so
hoch ist wie seit 34 Jahren nicht mehr? Unmöglich für jeden, der die durch
den Sieg Obamas entstandene positive Aufbruchstimmung in den USA nicht im
Keim erstickt sehen will. Insofern also können auch die überzeugtesten
Gegner von Geländewagen und US-amerikanischem Autofetisch nicht gegen die
Staatshilfe sein.
Doch die Frage ist: Wie geht es ab März weiter, wenn die 15 Milliarden
aufgebraucht sein werden? Erstens: Die Konzerne werden mehr Geld fordern.
Denn in wenigen Monaten ist weder die Modellpalette zu erneuern noch wird
sich die konjunkturelle Lage gebessert haben. Im Gegenteil, es wird noch
schlimmer werden. Dann wird es darauf ankommen, neue Finanzhilfen an
strenge Auflagen zu knüpfen. Insofern ist die jetzt diskutierte
Installierung eines "Auto-Zaren", der über die Verwendung und die
anstehende Restrukturierung der Unternehmen wacht, eine gute Idee.
Zweitens: Es ist wahrscheinlich, dass mindestens eines der drei Unternehmen
Ende 2009 nicht mehr existiert. Dabei wird es Chrysler treffen, das nach
der Trennung von Daimler als schwächster Hersteller dasteht. Ob es eine
Zwangsfusion mit GM gibt oder Chrysler endgültig abgewickelt wird, ist
offen. Letzteres wäre ökonomisch das Sinnvollere, denn schon die Sanierung
von GM wird ein Kraftakt ohnegleichen. Außer dem Elektroauto Chevrolet
Volt, das dazu noch maßgeblich in Rüsselsheim entwickelt wird, hat der
Gigant kaum zukunftsfähige Projekte. Und ohne diese werden die jetzt
nötigen Finanzhilfen das Sterben der US-Autoindustrie allenfalls
herauszögern, aber nicht verhindern.
7 Dec 2008
## AUTOREN
(DIR) Stephan Kosch
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