# taz.de -- die wahrheit: Zwergpony der Liebe
       
       > Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Die schwere Bürde der
       > Ehrenämter.
       
 (IMG) Bild: Müssen denn immer alle Sorgen dieser Erde auf den zarten Schultern der Première Dame lasten?
       
       Mon cher journal intime … 
       
       Ich bin so gut! Beziehungsweise unsere Strategie ist so gut! Auch dass Nici
       und ich uns kaum mehr gemeinsam fotografieren lassen, bringt uns Sympathie.
       Alle sagen, ich mache meine Aufgabe hervorragend. Sogar im Ausland mäkelt
       kaum noch einer an mir herum. Damit das so bleibt, mache ich jetzt auch
       noch bei "Ein Herz für Kinder" mit. Das ist eine ziemlich schmierige Aktion
       der größten Boulevardzeitung in Walross-Country. Vor 30 Jahren ins Leben
       gerufen, um zu verhindern, dass sich die breite Bevölkerung in ihrem
       Engagierungsbestreben der Anti-Atomkraft-Bewegung anschließt. Na, mir solls
       egal sein.
       
       Die haben mein Plattencover auf 1 x 1 Meter abgezogen, ich hab "Ich hab ein
       Herz für Kinder" draufgeschrieben, und nun wird der Quatsch versteigert.
       Blöder gehts nimmer. Und jetzt auch noch ein Ehrenamt in Sachen Aids! Wenn
       ich nicht wüsste, was mich wirklich reitet, wäre ich ganz schön gerührt von
       mir.
       
       Der Diener hat mir ein Billett von Joseph überbracht. Ob wir uns treffen
       wollten. Na, ich weiß nicht. Das hat doch alles keine Zukunft. Ich bin doch
       verheiratet. Vielleicht später mal. Aber dann ist er so alt, dass es auch
       keinen Sinn mehr macht. Das sieht man ja im Stadtpark, wohin das führt. Auf
       der anderen Seite … wenn ich mich an den Kuss erinnere … den Moment, als
       ich das Gefühl hatte, es gäbe ein Leben außerhalb des Knastpalasts …
       
       Ach, Scheiße. Ich glaube, ich habe mir das mit dem Aids und dem Ehrenamt
       nicht gut genug überlegt. Aids und ich - ich hab gedacht, das klingt ganz
       gut. Voll engagiert, nah an der Basis. Und klar ist auch, dass man mit so
       einem Thema immer in die Medien kommt. Anders, als wenn ich mich gegen
       Atomkraft einsetzen würde, zum Beispiel. Da hätte ich ja hier in Frankreich
       kaum ne Chance. Atomwaffen, das würde schon eher gehen, weil man da immer
       schön die Schurkenstaaten anprangern könnte. Aber da die ja ihre
       Sprengkraft mehr oder weniger aus Frankreich beziehen, ist das auch keine
       so gute Idee. Nun ist es Aids, und ich ärgere mich ganz schön doll, dass
       ich mir das vorher nicht besser überlegt habe.
       
       Immer diese Kranken. Der viele Dreck, in dem die liegen, und immer das
       viele Anfassen. Das ist ja nicht so mein Ding. Und außerdem liegen die
       Maladen ja nicht hier in Paris vor der Tür, da muss ich ja ständig nach
       Afrika reisen oder Weißrussland, wo es bitterkalt ist. Und es ist ja wohl
       auch kaum zu erwarten, dass die da immer gleich eine Dusche neben der
       Baracke haben. Wären die nur ein wenig sauberer, wären die auch nicht krank
       geworden.
       
       Das kenn ich ja von Ginio [Virginio, Bruder von Carla Bruni, 2006 an Aids
       gestorben, Anm. d. Red.]. Ich muss mir sofort einen Immunanzug bestellen.
       Aber dann sehe ich aus, wie Michael Jackson beim Moonwalk … Zumal mein
       Gesicht gerade so maskenhaft wirkt. Nein, ich brauche was Schickes. Ich
       werde meinen alten Freund Jean-Paul (Gaultier, Anm. d. Red.) fragen. Dem
       sind ja auch die ganzen Freunde weggestorben. Der weiß, worauf man bei so
       einem Anzug achten muss. Das Material soll auf jeden Fall atmungsaktiv
       sein, nicht dass mir die Suppe am Körper runter in die Stiefel reinläuft.
       Der gute Jean-Paul soll mir was schneidern, in dem ich toll dastehe.
       
       ## Freitag, 5. 12. 2008
       
       Nici ist so stolz! Bislang hat er ja kaum ein gutes Haar an seinem
       Erstling, dem armen Pierre, gelassen. Ein Rap-Musiker - das ist natürlich
       nichts, was ein ungarischer Immigrant mit Minderwertigkeitshintergrund als
       adäquat erachtet. Und dass er dann noch Musik produziert, die den eigenen
       Vater disst, "Yeah! Monsieur Motherfucker, you name us Kärcher-Kids because
       we piss in every corner of your vorgärten. Yeah! Yo-yo! Allors!", macht das
       Verhältnis nicht besser. Nun aber hat sich Pierre in Deutschland bei einer
       Kaufhauseröffnung blicken lassen und wirklich eine gute Figur gemacht. Er
       macht in der Tat in allerlei Hinsicht eine gute Figur. Schade, dass er bei
       uns so selten auftaucht. Ich sollte vielleicht mal etwas nachhelfen, dass
       sich das Verhältnis der beiden bessert …
       
       Er hatte sogar was Maßgeschneidertes an. Ganz ein Sarko eben. Ich habe Nici
       aber nicht gesagt, dass es ein Kaufhaus für Kunst ist. Die Ankündigung
       Pierres, er wolle auch in die Politik gehen, hat Nici so glücklich gemacht,
       da wollte ich nicht dazwischenhauen. Schon gar nicht so kurz vor
       Weihnachten.
       
       By the way Weihnachten: Es ist immer noch nicht raus, wie wir feiern.
       Immerhin aber habe ich schon ein Geschenk für Nici bestellt. Ein Zwergpony!
       Da kann mein kleiner Direktor schon morgens vor der Arbeit im Palastgarten
       ein paar Runden drehen. Als ich ihn neulich wegen seines Bauchansatzes
       neckte, hat er doch arg angegriffen reagiert. Ein ganz empfindlicher Punkt
       ist das. Da habe ich gemerkt, wie wichtig meine Unterstützung ist, und die
       hübsche Idee gehabt. "Hoppetosse" heißt der kleine Gaul, ein dreijähriger
       Wallach aus dem Gestüt der Rothschilds.
       
       ## Samstag, 6. 12. 2008
       
       Nici trifft heute Herrn Lama. Ich hoffe, er sagt nicht, dass er mein Mann
       ist, dann kocht die ganze peinliche Geschichte aus dem August wieder hoch,
       als ich fragte, ob Frau Lama auch noch käme.
       
       SILKE BURMESTER
       
       9 Dec 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Silke Burmester
       
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 (DIR) Schwerpunkt Carla Brunis Tagebuch
       
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