# taz.de -- US-Senat legt Folterbericht vor: "Die Botschaft von oben war klar"
> Die Folterer in den Gefängnissen von Abu Ghraib und Guantanamo haben
> nicht eigenmächtig gehandelt. Mitschuld hat vor allem
> Ex-Verteidigungsminister Rumsfeld.
(IMG) Bild: Die für die Folter in Abu Ghraib verantwortlichen Schreibtischtäter standen bisher noch nicht vor Gericht.
WASHINGTON dpa/rtr/taz Führende Mitglieder der scheidenden US- Regierung,
darunter auch Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, sind nach einem am
Donnerstag vorgelegten Bericht des US-Senats mitverantwortlich für die
Menschenrechtsverletzungen im Gefängnis von Abu Ghraib (Irak) und anderen
US-Inhaftierungslagern wie Guantánamo. Rumsfeld habe durch die von ihm
angeordneten Verhörmethoden zum Missbrauch von Gefangenen etwa in Abu
Ghraib oder in Guantanamo auf Kuba beigetragen, heißt es in der vom
Streitkräfteausschuss des US-Senats veröffentlichten Zusammenfassung.
"Der Ausschussbericht beschreibt den unentschuldbaren Zusammenhang zwischen
den Misshandlungs-Verhörtechniken unserer Feinde ... und den Verhörmethoden
für Gefangene in US-Gewahrsam", betonte der republikanische Senator John
McCain aus Arizona, der die Studie gemeinsam mit dem demokratischen Senator
Carl Levin, Michigan, veröffentlichte.
Brutale Verhörtechniken gehörten zum Ausbildungsprogramm beim US-Militär,
damit Soldaten auf die Methoden der Feinde Amerikas vorbereitet seien; Die
Methoden dieses Lehrprogramms seien aber nie dazu gedacht gewesen, auch in
amerikanischem Namen angewendet zu werden, betonte Levin.
Der Bericht widerspricht der Regierung von Präsident George W. Bush, die
stets einen Zusammenhang ihres "Krieges gegen den Terror" mit den
skandalösen Vorgängen in Abu Ghoreib bestritten hatte. Spektakuläre
Amateurbilder von der Misshandlung und Erniedrigung irakischer Gefangener
hatten 2004 weltweit Empörung ausgelöst.
"Die Botschaft von oben war klar. Es ist akzeptabel, erniedrigende und
missbräuchliche Techniken gegen Gefangene zu benutzen", sagte Senator Levin
dazu.
Obwohl die Genehmigung der menschenrechtswidrigen Methoden vom Pentagon
bereits sechs Wochen später widerrufen worden sei, hielt sich die Weisung
des Verteidigungsministers aber dennoch in Militärkreisen, heißt es in dem
Bericht. "Der Missbrauch von Gefangenen in Abu Ghraib Ende 2003 war nicht
einfach das Ergebnis eigenmächtigen Handelns einzelner Soldaten".
Verhörtechniken wie das Nacktausziehen von Gefangenen, das zwangsweise
Ausharren in schmerzhaften Haltungen und der Einsatz von speziell
trainierten Hunden zur Einschüchterung der Häftlinge seien im Irak erst
angewendet worden, nachdem sie in Afghanistan und in Abu Ghraib genehmigt
worden seien, so der Report.
Das Bekanntwerden brutalster Behandlung von Gefangenen im Gefängnis Abu
Ghraib und an anderen Orten hatte zu internationaler Empörung geführt und
einen massiven Ansehens- und Glaubwürdigkeitsverlust des US-geführten
Kampfes gegen den Terrorismus und der Regierung von Präsident George Bush
zur Folge. Die Regierung des abgewählten Präsidenten Bush hat Folter jedoch
stets bestritten. Der gewählte neue Präsident Barack Obama hat angekündigt,
das US-Militärgefängnis in Guantanamo auf Kuba zu schließen.
McCain, der selbst langjährig Folter in Kriegsgefangenschaft erlitten
hatte, erklärte zu dem Bericht: "Diese Politik war falsch und darf sich nie
wiederholen."
12 Dec 2008
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Folter durch Musik in Guantánamo: Auf der Playlist des Bösen
Eine neue Liste zeigt, welche Musik in Guantánamo und anderswo zur
"weichen" Folter verwendet wird. Jetzt werden endlich erste Künstler aktiv
gegen diese Praxis.