# taz.de -- Konsequenzen aus Fall Oury Jalloh: Streit über Kontrolle von Polizisten
> Beamte in Sachsen-Anhalt gehen mit rechtsextremen Taten oft nicht
> angemessen um. Nun wird wieder über einen Vorschlag diskutiert, der in
> Nordirland funktioniert.
(IMG) Bild: Es gibt viele Beschwerden über die Polizei in Sachsen-Anhalt.
DRESDEN taz Nach den Freisprüchen im Prozess um den Feuertod des
Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle haben die
Bündnisgrünen in Sachsen-Anhalt ihre Forderung nach Einrichtung einer
Polizeibeschwerdestelle erneuert. Auch ein Ombudsmann könne diese Aufgabe
erfüllen, sagte der Landesvorsitzende Christoph Erdmenger, "wichtig ist
nur, dass die Institution unabhängig von der Landesregierung agiert". Die
Beschwerdestelle soll für Bürger und Polizisten gleichermaßen Anlaufstelle
sein, wenn das Verhalten von Polizeibeamten Anlass zur Kritik gibt.
Ursprünglich hatte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD)
selbst die Einrichtung einer solchen Beschwerdestelle angeregt. Er
reagierte damit auf die sich häufenden Fälle von Polizeiversagen im Umgang
mit Rechtsextremisten und ausländischen Mitbürgern, insbesondere auf
rassistische Äußerungen nach dem Jalloh-Todesfall. Eine vergleichbare
Einrichtung hat es in Deutschland nur in Hamburg gegeben. Sie bestand
lediglich drei Jahre, bevor sie der damalige Innensenator und "Richter
Gnadenlos" Ronald Schill 2001 wieder auflöste. Vorbild für Sachsen-Anhalt
könnte die Institution des "Police Ombudsman" in Nordirland sein. Sie
sollte verloren gegangenes Vertrauen und die Glaubwürdigkeit der Polizei
wiederherstellen. Der Innenausschuss des Magdeburger Landtags informierte
sich auf einer Reise über deren Arbeit.
Die Bundestagsfraktion der Grünen sähe eine Polizeibeschwerdestelle in
Sachsen-Anhalt gern als Modell für den Bund an und veranstaltete schon im
Juni eine Fachtagung zum Thema. Ein Vierteljahr zuvor hatte Innenminister
Hövelmann die Einrichtung einer Beschwerdestelle beim Landespräventionsrat
angekündigt. Doch diese Version wird von Grünen, Linken, Menschenrechtlern
und der Mobilen Opferberatung als "zahnlos und sprachlos" kritisiert. "Es
kann nicht sein, dass eine solche Stelle von Weisungen des
Innenstaatssekretärs abhängig wäre", sagt Christoph Erdmenger. Die Linke
Innenpolitikerin Gudrun Tiedge spricht von einer "Postverteilungsstelle",
bei der man seine Eingaben auch gleich an den Innenminister richten könnte.
Im Magdeburger Innenministerium räumt Sprecher Martin Krems ein, dass es
sich um einen Kompromissvorschlag handele. Eigentlich brauchte eine
unabhängige Stelle für eine wirksame Arbeit auch Ermittlungsbefugnisse, die
ihr per Gesetz zugestanden werden müssten. Dafür aber gibt es keine
parlamentarische Mehrheit, weil sich die CDU als Koalitionspartner der SPD
sträubt. Die Beschwerdestelle sei ein „untaugliches Mittel“, sagt der
rechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion Holger Stahlknecht und
verweist auf die seiner Meinung nach ausreichenden Möglichkeiten des
Beamten- und Disziplinarrechts. Sie schaffe auch nicht mehr Vertrauen und
Sicherheit für Polizisten, die Dienstvergehen von Kollegen oder
Vorgesetzten offenbaren, weil die Folgen möglicher Ächtung oder Mobbings
ähnlich wären.
Während Stahlknecht Missstände in der Polizei einräumt, sieht sein
Fraktionskollege Jens Kolze, zugleich Vorsitzender des
Polizei-Untersuchungsausschusses im Landtag, auch keine inhaltliche
Notwendigkeit für eine Beschwerdeinstanz. Vorkommnisse würden „theatralisch
hochgespielt“, die Polizei sei nicht auf dem rechten Auge blind und die
Sachsen-Anhalter Verhältnisse nicht mit Nordirland zu vergleichen. So liegt
die Polizeibeschwerdestelle derzeit im Winterschlaf. Gudrun Tiedge würde
sie zwar sehr begrüßen, geht aber eine parlamentarische Initiative der
Linken gar nicht erst an, „weil sie sowieso chancenlos ist“
12 Dec 2008
## AUTOREN
(DIR) Michael Bartsch
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