# taz.de -- Gaslieferungen nach Europa: Gazprom will wieder liefern
       
       > Der russische Energiemonopolist Gazprom will den Gashahn wieder
       > aufdrehen, sobald Beobachter der Europäischen Union die Leitungen in der
       > Ukraine kontrollieren.
       
 (IMG) Bild: Muss künftig nicht mehr auf Reserve zurückgreifen: Speicheranlage in Gronau.
       
       BERLIN taz/rtr/dpa Der russische Energiekonzern Gazprom beabsichtigt die
       Gas-Lieferungen nach Europa rasch wieder herstellen. Voraussetzung dafür
       sei, dass EU-Beobachter an den Pipelines in der Ukraine den Gas-Fluss
       überwachen, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller am Donnerstag in Brüssel.
       "Sobald EU-Beobachter in der Ukraine sind und Zugang zu den Gas-Pipelines
       haben, soll die Gas-Zufuhr so schnell wie möglich wiederhergestellt
       werden", erklärte Miller. Er hatte zuvor mit EU-Vertretern über die Lage
       beraten.
       
       Eine Bedingung, die die Ukraine akzeptiert: Die Beobachtermission zur
       Schlichtung des Gasstreits könne schon am Freitag die Arbeit aufnehmen, so
       die ukrainische Regierung.
       
       Der russische Monopolist Gazprom verlangt im Streit mit der Ukraine eine
       schnelle Lösung in der Frage des Transit-Gases für Europa. "Das ist ein
       dringendes Ziel. Wir müssen die Sache heute lösen", zitierte die russische
       Agentur RIA Gazprom-Chef Alexej Miller am Donnerstag. Zudem kündigte er in
       Brüssel weitere Gespräche mit Vertretern des ukrainischen Versorgers
       Naftogaz an. "Wir sitzen im gleichen Flieger", meinte Miller.
       
       Vertreter beider Energiekonzerne hatten zuvor Gespräche in Brüssel mit der
       EU-Kommission geführt.
       
       Der Präsident des Europa-Parlaments, Hans-Gert Pöttering wie auch
       EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso unterstützten die Entsendung
       europäischer Beobachter. "Dieses sollte heute beginnen, wenn das möglich
       ist", sagte Pöttering.
       
       Am Donnerstagmorgen hatten sich Naftogaz-Chef Oleg Dubina und der
       Gazprom-Vorsitzende Alexej Miller zunächst in Moskau getroffen, um Wege für
       eine Lösung des Konflikt auszuloten. Dabei gab es aber laut russischer
       Agentur Interfax keine konkreten Ergebnisse. Anschließend trafen sie sich
       mit EU-Vertretern in Brüssel, wo ebenfalls anfangs kein Durchbruch
       vermeldet wurde.
       
       Die deutschen Versorger versicherten weiter, die Verluste aus Russland
       ausgleichen zu können. "Unter den gegebenen Umständen kann die Versorgung
       derKunden in Deutschland über mehrere Wochen aufrechterhalten werden",
       sagte ein Sprecher von RWE Energy. E.ON Ruhrgas stellt zudem auch mittel-
       und osteuropäischen Ländern Stützungslieferungen zur Verfügung. Länder wie
       Ungarn, die bereits Gas für die Industrie rationiert haben, seien darauf
       angewiesen, hieß es.
       
       Die Türkei legte wegen des russischen Lieferstopps unterdessen drei
       Gaskraftwerke still, teilte aber mit, die Stromversorgung des Landes sei
       dennoch gesichert. Dramatischer ist die Lage für Staaten wie die Slowakei,
       Mazedonien, Serbien oder Bosnien, die völlig auf russisches Gas angewiesen
       sind und über keinerlei Reserven verfügen.
       
       EU-Mitglied Bulgarien leidet wegen der kompletten Abhängigkeit des Landes
       von russischem Gas besonders stark unter den Lieferausfällen. Wie der
       bulgarische Wirtschafts- und Energieminister Petar Dimitrow mitteilte,
       waren 72 Fabriken vor allem aus dem Chemiesektor, komplett von der
       Gasversorgung abgeschnitten und stellten ihre Arbeit ein, 153 weitere
       berichteten vonVersorgungsausfällen.Wegen Minusgraden in den Klassenzimmern
       blieben landesweit 96 Schulen geschlossen.
       
       8 Jan 2009
       
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