# taz.de -- Kommentar NPD-Führungsstreit: Kein Führer, keine Antworten
> Mit der gewaltfreien Strategie des NPD-Aufsteigers Molau geht die NPD mal
> wieder bei den Nationalkonservativen auf Stimmenfang. Von Abkehr von der
> militanten Szene kann aber keine Rede sein.
(IMG) Bild: "Wem ein gewaltfreier Kurs zu liberal ist, der soll draußen bleiben", findet Voigt-Herausforderer Molau
Andreas Molau, aussichtsreicher Putschist beim Machtkampf mit NPD-Chef Udo
Voigt, bemüht sich um eine Neuausrichtung der rechtsextremen Partei: Er
bekennt sich zum nationalkonservativen Flügel und distanziert sich von
gewaltbereiten Neonazis. Zugleich tritt mit Axel Reitz ein einschlägig
vorbestrafter Neonazi bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen an. Von
einer Abkehr der militanten Szene kann dort also keine Rede sein. Wie ist
das zu deuten? Gibt es in der NPD einen Richtungsstreit? Bahnt sich gar
eine innerparteiliche Zerreißprobe an? Keineswegs. Die Strategie der NPD
lautet: Sie nimmt, was kommt.
Molau hat erkannt, dass sich die NPD in einer strategischen Sackgasse
befindet. In den vergangenen Jahren konnte die Partei vor allem bei Wählern
in den strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands punkten, weil es ihr
gelang, die aktionsorientierte Neonaziszene in die Parteiarbeit
einzubinden. Die Altherrenpartei wurde kampagnenfähig. Doch für Erfolge im
Westen benötigt die NPD im Superwahljahr 2009 auch die Stimmen der
Nationalkonservativen - und dieses Spektrum lässt sich weder über
gewalttätige Übergriffe noch über militant anmutende Naziaufmärsche
gewinnen. In rechtsextremen Diskussionsforen gibt es bereits Stimmen, die
angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise Parallelen zur
Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre und dem anschließenden Erstarken der
NSDAP erkennen. Sie werden das Traumgespinst größenwahnsinniger Fanatiker
bleiben. Denn derzeit fehlt es der NPD nicht nur an Charismatikern, sondern
vor allem auch an der Fähigkeit, einem durchaus vorhandenen rechten
Wählerpotenzial auch nur halbwegs klare Antworten zu liefern.
Molau plädiert daher für Pragmatismus: Der 2004 beschworene
"Deutschlandpakt" aus NPD, DVU, Kameradschaften und bekennenden Neonazis
ist für ihn keine abstrakt formulierte Volksfront mehr, sondern soll
lediglich eine mögliche Form der Zusammenarbeit sein, je nach Bedarf und
Region. Eine Nullstrategie also, die auch die eigenen Anhänger kaum
überzeugen wird.
14 Jan 2009
## AUTOREN
(DIR) Felix Lee
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