# taz.de -- Kerkeling-Film "Ein Mann, ein Fjord": Klamauk - aber mit Seele
       
       > Toller Mann, tolles Drehbuch: In Hape Kerkelings "Ein Mann, ein Fjord!"
       > (20.15 Uhr, ZDF) sind die kleinen Leute sympathisch und die
       > Besserverdiener stolpern durchs FDP-Idyll.
       
 (IMG) Bild: Humor auf Einer-von-uns-Ebene: Hape Kerkeling als Horst Schlämmer.
       
       Hape Kerkeling hat Ähnlichkeit mit Mario Barth - und das ist nicht mal
       gehässig gemeint. Beide besitzen die Gabe, ihrem Publikum trotz üppiger
       Gagen glaubhaft zu vermitteln, einer von ihnen zu sein und nicht einer
       dieser weltentrückten Stars, die auf die Menschheit herabblicken. Der
       Mario, der Hape - die kennen unser Leben und machen Witze darüber, ohne
       unser Leben zum Witz zu machen.
       
       Kein Wunder also, dass das ZDF sich bemüht hat, den Quotengaranten
       Kerkeling, der 2008 mit "Hallo Taxi" noch im RTL-Programm zu sehen war, an
       den Sender zu binden. Die Verfilmung seines Hörbuchs "Ein Mann, ein
       Fjord!", gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Angelo Colagrossi und der
       Filmemacherin Angelina Maccarone verfasst, ist der erste Streich, der
       zweite, eine Geschichtssendung (!) für den Sonntagabend, soll im Frühjahr
       2010 folgen.
       
       Wie schon in Kerkelings Vorgängerfilm "Samba in Mettmann" sind im Roadmovie
       "Ein Mann, ein Fjord!" die kleinen Leute die Sympathieträger, die
       Besserverdienenden tragen hässliche Hemden und stolpern als
       mitleiderregende Kreaturen durch ihre FDP-Wähler-Leben - teilweise sogar
       splitternackt.
       
       In dieser Szene hat der Wahnsinn längst vom Film Besitz ergriffen, als
       plötzlich zwei Fische aus einem norwegischen Gebirgsbach sprangen, dann
       gleich wieder hinein und dabei mit dem aufgewirbelten Wasser ein Herz
       formten: Love is in the air. Klar, dass dieser Film nur happy enden kann.
       
       Vorher allerdings treffen die auf einem motorisierten Fahrrad durch
       nordische Bilderbuchlandschaften tuckernden Helden des Films, der
       notorische Preisausschreibenteilnehmer Norbert Krabbe (Jürgen Tarrach) und
       dessen resolute Teenietochter Ute (Olga von Luckwald), noch ein Kamel und
       den Bären ohne Hose (Horst Krause), Betreiber eines Nudistencamps.
       
       Ja, das ist Klamauk - aber mit Seele. Dagegen wirkte "Samba in Mettmann"
       verdammt lieblos zusammengeklöppelt. Im Gedächtnis geblieben ist von dem
       Film nämlich maximal Sky du Monts Miniplifrisur - wahrlich kein gutes
       Zeichen.
       
       Dass "Ein Mann, ein Fjord!" so viel Spaß macht, ist vor allem das Verdienst
       des großartigen Ensembles, das Kerkeling um sich geschart hat: Neben
       Tarrach und Anneke Kim Sarnau, die seine alkoholkranke Gattin Birgit
       spielt, brillieren Kerkeling als Horst Schlämmer, als Call-TV-Domina Gisela
       und als Schlagersängerin Uschi Blum sowie Johanna Gastdorf und Matthias
       Brandt als neurotisches Neureichenehepaar und Petra Zieser als mannstolle
       Witwe aus Darmstadt - "aber nicht gebürtig", wie sie sagen würde.
       
       Den Darstellern kommt zugute, dass sie sich nicht nur auf ihre mimischen
       Fähigkeiten verlassen müssen, sondern auch auf das Drehbuch vertrauen
       können. Dessen hohe Qualität beruht maßgeblich darauf, dass die Autoren
       Kerkeling, Colagrossi und Maccarone dem Volk aufmerksam aufs Maul geschaut
       haben. Selten wurde penetrante Intoleranz bündiger zusammengefasst als in
       Johanna Gastdorfs gekreischter Reaktion auf ein Handyklingeln: "Put it out!
       Put it out!" Man möchte sie dafür augenblicklich erwürgen, und das ist ein
       Kompliment - an Frau Gastdorf und an den Film ganz insgesamt.
       
       20 Jan 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) David Denk
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Verfilmung
       
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