# taz.de -- Suchtexpertin zum Spice-Verbot: "Ein Katz-und-Maus-Spiel"
> Ab heute ist die Modedroge "Spice" illegal. Doch es gibt bereits frei
> erhältliche Alternativen, sagt Expertin Kerstin Jüngling. Das Problem an
> diesen Kräutermischungen: Niemand weiß, was drin ist
(IMG) Bild: Kommt nicht mehr in die Tüte: Die Modedroge Spice ist verboten
taz: Frau Jüngling, am Donnerstag wird die Modedroge "Spice" verboten.
Haben Sie sie mal probiert?
Kerstin Jüngling: (lacht) Nein. Ich habe auch noch keine Schuhcreme
probiert - und weiß dennoch, dass es nicht gut wäre.
Was ist so gefährlich an "Spice"?
Das Gefährlichste ist, dass man nicht wissen kann, was so ein
Kräuterbeutel, der im Headshop angeboten wird, genau enthält. Mal sind
Engelstrompeten darin, mal Cannabinoide.
Also Halluzinogene. Die Jugend liebt die Gefahr. Insofern müsste "Spice"
bei Jugendlichen sehr beliebt sein?
Ja. "Spice" ist in den Headshops ausverkauft. Natürlich ist die Jugend
neugierig, aber sie lässt sich auch nicht gerne verarschen. Deswegen sage
ich den Jugendlichen: Ihr gebt euer ganzes Taschengeld für etwas aus, von
dem ihr nicht wisst, was es ist und wie es wirkt. Und damit machen die
Headshops einen riesigen Reibach.
Hersteller und Verkäufer wollen verdienen. Deswegen bieten die Headshops
bereits Alternativen zu "Spice" an. Die heißen dann "Space" …
… oder "Chill-X", "Smoke", "Sence", ja, ja - das ist natürlich ein
Katz-und-Maus-Spiel zwischen Gesetzgeber und Markt. Deswegen reichen
Verbote allein auch nicht. Sowohl Lehrer als auch Schüler müssen mit den
Jugendlichen sprechen, sie nach ihren Erfahrungen fragen, auf Gefahren
hinweisen, etc.
Wie stellt man sicher, dass sich die Headshops und andere Anbieter an das
Verbot von "Spice" halten?
Auch das ist ein Katz-und-Maus-Spiel. Die Polizei und Ordnungsämter müssen
Kontrollen durchführen und vor allem das Internet nach Angeboten von
"Spice" durchforsten. Aber das ist ja nicht das einzige Problem. Wissen
Sie, wir Deutschen sind Weltmeister im Verbieten und Kontrollieren. Aber
wichtiger wäre es, in den Gesprächen mit den Jugendlichen Stellung zu
beziehen.
Halten Sie denn das Verbot von "Spice" überhaupt für sinnvoll, zumal die
Jugendlichen auf Alternativen ausweichen können?
Sicher. Zum einen ist mit dem Verbot klargestellt, dass es sich bei "Spice"
um eine gefährliche Droge handelt. Zum anderen wird - wie bei allen
verbotenen Substanzen - der Konsum zurückgehen.
Gibt es kein Recht auf Rausch?
Das gilt vielleicht für Erwachsene. Ich sage den Jugendlichen auch nicht,
dass sie nichts ausprobieren dürfen. So eine Forderung wäre utopisch. Aber
sie sollten bei dem bleiben, was einschätzbar ist. Bei einem Glas Bier weiß
man, was man zu sich nimmt, und auch, was passiert. Bei "Spice" weiß man
weder noch.
22 Jan 2009
## AUTOREN
(DIR) Philipp Sawallisch
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