# taz.de -- "Trauermarsch" und Fackelzug in Dresden: Rekord-Aufmarsch von Neonazis
       
       > Mit Wagner, Leberwurstbrot und kaputter Grammatik ziehen die
       > Rechtsradikalen durch Dresden. Diesmal kommen 6.000 - der größte
       > Neonazi-Aufmarsch der Bundesrepublik.
       
 (IMG) Bild: "Das Mitführen von Reichskriegsflaggen ist verboten": Marsch der Rechten am Samstag in Dresden.
       
       DRESDEN taz Am Freitagabend klingt Lachen über einen unbeleuchteten
       Parkplatz hinter dem Dresdner Hauptbahnhof. Über 1.000 Neonazis sammeln
       sich hier, um zum nunmehr zehnten Mal mit einem Fackelzug ihre Version der
       Bombardierung Dresdens auf die Straße zu tragen.
       
       Junge Männer mit Thor-Steinar-Pullovern und Palästinensertüchern knuffen
       sich zur Begrüßung in die Seite, die blonden Pferdeschwänze der Mädchen
       wippen beim Küsschengeben. Man plaudert über den Schnee im Erzgebirge und
       die neue Liebschaft. "Wie heißt deine Freundin?", fragt einer. "Emily?"
       Sein Gegenüber korrigiert: "Amelie! Schön deutsch." Eine junge Frau mit
       Glitzerstein in der Oberlippe verkauft Leberwurstbrötchen, 1 Euro das
       Stück.
       
       "Das Mitführen von Reichskriegsflaggen sowie von Flaggen, die das Symbol
       der schwarzen Sonne zeigen, ist verboten!", plärrt es aus dem
       Lautsprecherwagen. Gegen halb sieben setzen sich die Rechtsextremen in
       Bewegung: In Fünferreihen, leise murmelnd, flankiert von Polizisten mit
       Helmen, Schlagstöcken und Körperpolsterung. Fotografen und Kameraleute
       gehen am Straßenrand schweigend ihrer Arbeit nach. Aus den Boxen schallt
       die Ouvertüre der Wagner-Oper "Rienzi".
       
       Zwischendurch hält ein "Kamerad Andreas" aus Magdeburg keine Rede: Er
       brüllt Tiraden, seine Stimme überschlägt sich fast. "Volksgenossen!", gellt
       es über den Platz. Die dunklen Fassaden werfen die Phrasen zurück:
       "Luftmörder", "Heimatfront", "Ehrenschutz". Zwei Mädchen legen einen Kranz
       nieder und heben ihn alsbald wieder auf.
       
       Kurz bevor die Neonazis den Platz der Abschlusskundgebung erreichen,
       schaffen drei linke Aktivisten es doch noch. Aus einer dunklen Seitenstraße
       stürzen sie hervor, reißen die Flaggen Israels und der USA in die Höhe und
       rufen: "Nie, nie, nie wieder Deutschland!" Rasch werden sie von Polizisten
       abgedrängt. Dann dröhnt wieder nur Wagner durch die Nacht. Verträumt
       dirigiert eine ältere Dresdnerin dazu.
       
       Am Samstag ist der Neonazi-Aufmarsch zu 6.000 Teilnehmern angewachsen.
       Damit sich ein Zusammentreffen mit Gegendemonstranten nicht wiederholt,
       schirmt eine Eskorte den "Trauermarsch" ab. Ausbrüche sind ob der
       verordneten Disziplin nicht zu befürchten. "Warum sollen die
       verschwinden?", meint sogar ein älterer Dresdner in einer Diskussion am
       Rande. "Die haben sich doch anständig benommen."
       
       So gesehen müssen die Studenten der Wohnheime an der Petersburger Straße
       als Provokateure gelten, wenn sie "Nazis raus!" rufen und Wasserbeutel in
       Richtung der Neonazis werfen. Eingestimmt durch Kriegserinnerungen des
       95-jährigen Ritterkreuzträgers und Altnazis Hajo Herrmann, zieht der Tross
       schweigend am Rande des Stadtzentrums entlang. Die Spruchbänder der
       Reichsdeutschen demonstrieren vor allem die mangelnde Beherrschung der
       muttersprachlichen Grammatik: "Wir gedenken den Opfern des alliierten
       Bombenterrors."
       
       15 Feb 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) G. Fahrion
 (DIR) M. Bartsch
       
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