# taz.de -- Wrestling: Die Sache mit den Steroiden
       
       > Mickey Rourkes Wrestler ist alles andere als ein sauberer Sportler.
       > Dennoch taugt er zum Werbeträger für die Sportart Catchen.
       
 (IMG) Bild: Mehr Unterhaltung als Sport: Mexikos Wrestling-Variante Lucha Libre.
       
       "Trotz seiner Niederlage im Rennen um den Oscar blieb Hollywoodstar Mickey
       Rourke gefasst. Er plant weiterhin, Wrestlemania 25 als Gast der WWE
       beizuwohnen" - so heißt es in einem Auszug einer über alle Maßen blumig
       formulierten Pressemitteilung, die von der "World Wrestling Entertainment,"
       der weltweit größte und bekannteste Wrestling-Verband, kurz nach der
       Verleihung der so heiß begehrten goldenen Männchen verbreitet wurde.
       "Wrestlemania", das ist so etwas wie die Fußball-WM für Wrestlingfans - die
       größte und bekannteste Veranstaltung der modernen Fleischbeschau, die in
       diesem Jahr auch noch ihren 25. Geburtstag begeht. Gern schmückt man sich -
       besonders in diesem Jahr - mit Bekanntheiten von außerhalb des
       Showcatchens. Was in Deutschland eher mit üblen Hafenspelunken oder
       Jahrmärkten verbunden wird, das ist in den USA eine groß aufgezogene
       Fernsehshow mit einer Einschaltquote, von der viele Samstagabendshows in
       "good old Germany" träumen würden.
       
       Wie passend ist es da, dass ausgerechnet ein Film über einen abgehalfterten
       Wrestler fast den Oscar gewonnen hätte. Daher erklärt es sich, dass man
       dann eben diesen exabgehalfterten Hauptdarsteller Mickey Rourke als
       Stargast eingeladen hat. Mehr noch: Der 56-Jährige mit dem lebenserfahrenen
       Gesicht sollte sogar unmittelbar in das oft eher unangenehme Kampfgeschehen
       eingebunden werden. "Es war eigentlich geplant, dass ich mitmache. Aber
       dann fing ich an, auf andere Leute zu hören, und die lassen mich nicht
       antreten", so Rourke in seiner bekannt schnoddrigen Art.
       
       Dabei war man in der WWE nicht unbedingt begeistert über "The Wrestler",
       der das Showringen sehr kritisch darstellt und deutlich auf die Problematik
       mit Steroiden, Anabolika, Schmerzmitteln und anderen Substanzen anspielt.
       Vince McMahon, der allgegenwärtige Patriarch der WWE, der seine Marke seit
       1984 zum Millionenunternehmen machte, ist stets bedacht auf eine makellose
       Außendarstellung seines breitschultrigen Betriebs.
       
       "McMahon war überhaupt nicht begeistert von diesem Film", bestätigt der
       US-Journalist Dave Meltzer, der sich seit Jahren auch kritisch mit
       Wrestling auseinandersetzt. Der 63-jährige McMahon, der sich nur zu gern
       selbst in und um den Ring in Szene setzt als eigenwilliger, cholerischer,
       böser Arbeitgeber, weiß um das Bild, das in der breiteren Öffentlichkeit
       vom Wrestling gezeichnet wird. Nur zu oft gibt es eher ungünstige,
       dopinggefütterte Anti-PR in den Medien: Immer wieder sterben Wrestler im
       besten Alter, vornehmlich an Herzversagen.
       
       Der Eigentümer, der nur zu gern betont, "es handelt sich beim Wrestling
       nicht nur um Sport, sondern um Sportunterhaltung", hat alle Mühe,
       unterstützt von seinen Angestellten, sich und ebenjene "Sportunterhaltung"
       zu verteidigen. Dabei war McMahon selbst im Jahr 1994 angeklagt, seinen
       Athleten Muskelaufbaumittel wie Steroide verschafft zu haben, wurde
       letztendlich aber freigesprochen. Trotzdem war schon da das Image des
       "Profiwrestlings" mehr als nur angekratzt. Im Februar 2006 führte man dann
       "Gesundheitsvorschriften" ein, die regelmäßige Tests auf Drogen,
       Muskelaufbaumittel und andere Präparate beinhalten - Monate zuvor starb
       einer der größten WWE-Stars im Alter von 38 Jahren an Herzversagen.
       Medienwirksam wurde bekanntgegeben, dass ab sofort ja tatsächlich schon
       beim dritten Vergehen dem betreffenden Wrestler gekündigt werden würde.
       Gegenwärtig laufen immer noch Untersuchungen gegen das Unternehmen wegen
       der fragwürdigen Wirksamkeit seiner Vorschriften. In einer Anhörung vor
       einem Untersuchungsausschuss sprach McMahon einst von einer "Hexenjagd" auf
       ihn und die WWE, wich aus, ließ hilflose Verteidigungssätze vom Stapel:
       "Ich weiß nicht, worauf Sie hinauswollen." Die arrogante Rolle, die er in
       der Show spielt, hat er in der Realität nicht.
       
       Auf die Frage, ob er während der Vorbereitung auf seine Rolle in "The
       Wrestler" auch zu Steroiden oder Anabolika gegriffen habe, entgegnete
       Rourke übrigens: "Ich war ein Wrestler, also habe ich mich auch darauf
       vorbereitet wie ein Wrestler."
       
       26 Feb 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) David Digili
       
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