# taz.de -- Homo erectus: Unser ungemütlicher Vorgänger
> In Kenia haben Anthropologen einen 1,5 Millionen alten Fußabdruck
> gefunden. Es ist der bislang frühesten Hinweis auf den Homo erectus, das
> Bindeglied zwischen Mensch und Affe.
(IMG) Bild: Kleiner Abdruck, große Aufregung in der Wissenschaftswelt: Fußabdruck vom kenianischen Turkana-See.
Ein kleiner Schritt für Homo erectus, ein großer Schritt für die
Menschheit: Anthropologen haben am Turkana-See im Norden Kenias Fußabdrücke
freigelegt, die den bislang frühesten Hinweis auf das liefern, was man
einen modernen menschlichen Gang nennen kann. Früheste Hinweise auf den
aufrechten Gang sind 6 Millionen Jahre alt. Fußabdrücke, 1978 in Tansania
entdeckt, belegen, dass auch der vor rund 3,7 Millionen Jahren lebende
Australopithecus afarensis auf zwei Beinen gehen konnte.
Aber nur bei den jetzt entdeckten Spuren des Homo erectus (oder Homo
ergaster) lassen sich Parallelen zum heutigen Gehen nachweisen. Zunächst
das Aufsetzen der Ferse, dann die Gewichtsverlagerung und das Abrollen über
den Fußballen und den großen Zeh. "Das sind die Kennzeichen des modernen
menschlichen Gangs, die mit einem langen Schritt und ausgedehnten unteren
Gliedmaßen verbunden sind - dem Schlüssel zur Energieeffizienz des Gehens",
schreibt das angloamerikanische Forscherteam in der Fachzeitschrift
Science. Der Fuß ist bereits stark gewölbt, die Zehen sind vergleichsweise
kurz.
Gesetzt hat diesen Schritt vor ungefähr 1,5 Millionen Jahren eine Kreatur,
die als das Bindeglied zwischen Affen und Menschen gilt - und zu den
gefährlichsten Landraubtieren aller Zeiten zählen dürfte. Homo erectus
formte Werkzeuge und Waffen aus Stein, darunter die erste Handaxt, sowie
frühe Formen dessen, was man heute als Speer bezeichnen könnte. Homo
erectus gilt daher als der erste Hominide, der sich auf die Jagd machte und
sich, organisiert in Rudeln, gegenseitig unterstützte. Er soll das Feuer
gekannt und Brandrodung betrieben haben. Umstritten ist in der Forschung,
ob er zwecks Überquerung größerer Wasserflächen auch Flöße benutzte. Ihre
Kommunikation soll sich auf dem Niveau von Schimpansen bewegt haben. Es
wird ihnen genügt haben, sich über ihre Jagdziele zu verständigen und sogar
Mammuts zu erlegen.
Fest steht: Erst als Homo erectus konnten sich die Hominiden daran machen,
vom ostafrikanischen Rift Valley aus die Welt zu erobern. Homo erectus
bevölkerte eine Millionen Jahre lang die Erde, von der europäischen
Atlantikküste bis nach China und zum Pazifik, und legte dabei ein echtes
Sozialverhalten an den Tag. Nachgewiesen sind etwa Exemplare ohne Zähne,
die nur deswegen ihr Alter erreichen konnten, weil sie von den anderen
gefüttert wurden. Umso erfreulicher ist der Fund der Fußabdrücke, wie Bill
Bryson schreibt: "Wenn wir jeden einzelnen Homo erectus, dessen Existenz
durch Funde belegt ist, wieder zum Leben erwecken könnten, dann würden alle
gemeinsam noch nicht einmal einen Schulbus füllen." ARNO FRANK
28 Feb 2009
## AUTOREN
(DIR) Arno Frank
(DIR) Arno Frank
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(DIR) Paläontologie
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