# taz.de -- Eigene Währung für Berliner Waren: "Spreeblüte" fürs Regio-Kapital
       
       > Eine neue Alternativwährung soll Berlins regionale Wirtschaft in Schwung
       > bringen. Lokale Unternehmen könnten so zinslos an Geld kommen. Trotzdem
       > zögern die Firmen mitzumachen.
       
 (IMG) Bild: Wie wirken sie sich auf lokale Wirtschaftskreisläufe aus? Bunte Farinet-Scheine
       
       Regional, stabil und nachhaltig: so soll die "Spreeblüte" sein - das neue
       Alternativgeld für die Stadt nach dem "Berliner". Die "Spreeblüte" soll
       nicht den Euro ablösen, sondern stellt seine lokale Ergänzung dar. Der
       Verein "Regio Berlin" möchte damit die Wirtschaft vor Ort stärker und
       krisenunabhängiger machen sowie regionale Identität fördern. Es handelt
       sich dabei schon um die zweite Initiative, die ein Regiogeld in der
       Hauptstadt zu etablieren versucht.
       
       Leopold Wonneberger, 31-jähriger Volkswirt und Vorstandsmitglied von "Regio
       Berlin", führt viele Probleme der heutigen Globalwirtschaft auf das Geld
       und seine "Spielregeln" zurück: "Das meiste Geld wird heute nicht mehr zu
       seinem ursprünglichen Zweck als Tauschmittel genutzt. Stattdessen wird mit
       ihm auf weltweiten Finanzmärkten spekuliert, es kann dadurch rasch an
       Stabilität verlieren. So wie uns es die Finanzkrise gezeigt hat." Die
       Spreeblüte möchte dazu ein regionales Gegengewicht bilden.
       
       Regiogelder sind in Deutschland keine Neuigkeit mehr, wie der Chiemgauer
       oder die Potsdamer Havelblüte zeigen. Der Chiemgauer ist das deutsche
       Erfolgsbeispiel unter den Regios - seit seiner Entstehung in 2003 hat es
       sich rund um den Chiemsee erfolgreich etabliert. Heute sind über 300.000
       Chiemgauer im Umlauf und werden von 600 Unternehmen und vielen Privatleuten
       genutzt.
       
       So wie den Chiemgauer konnte man bisher auch den Berliner, eine in der
       Hauptstadt schon existierende Alternativwährung, gegen den Euro
       eintauschen. Aber: "Wir sind dabei, den Berliner aufzulösen", sagt die
       Vorsitzende des Vereins Berliner Regional, Susanne Thomas. Die Bedingungen
       in einer Großstadt seien andere als im Chiemgau, einer der reichsten
       Regionen Deutschlands mit einer starken regionalen Identität. Schließlich
       wurde Thomas und ihren Kollegen die ehrenamtliche Arbeit auf Dauer zu viel.
       Ein Problem für den Berliner sei gewesen, Konsumenten und Gewerbetreibende
       zu finden, die bereit waren, ihre Euro in Berliner umzutauschen. "Den
       ehrenamtlichen Aufwand, den wir dafür im Prenzlauer Berg betrieben haben,
       hätten wir nicht stadtweit machen können", sagt Thomas.
       
       Wonneberger sieht deshalb jetzt die Zeit für eine "Generation Regiogeld
       2.0" gekommen. "Man braucht kein Einsatzkapital in Euro mehr, um
       mitzumachen. Das Geld wird nicht durch den Euro, sondern durch Leistungen
       der teilnehmenden Firmen gedeckt."
       
       Das soll den lokalen Unternehmern die Möglichkeit eröffnen, zinslos an Geld
       heranzukommen. "Wenn eine Firma mitmachen will, muss sie zuerst Mitglied im
       Verein werden. Gleichzeitig bekommt sie eine bestimmte Summe auf ihr
       Spreeblütenkonto überwiesen und muss in diesem Wert Leistungen für ein
       anderes Vereinsmitglied erbringen", erklärt Wonneberger. So bestehe mit dem
       Besitz an Spreeblüten der Anreiz, Waren und Leistungen aus der Region zu
       beziehen. Die Transportwege würden sich verkürzen, was der Umwelt
       zugutekomme.
       
       Eine andere Besonderheit der Währung bestehe darin, dass ihr Besitz keine
       Zinsen abwirft. Klassische Zinsen folgen dem Prinzip "Wer hat, dem wird
       gegeben". Regionalwährungen funktionieren genau umgekehrt - für das Geld,
       das länger nicht im Umlauf ist, muss man einen Zins abgeben. Das schaffe
       Motivation, es auszugeben und zu investieren - ein Plus für die regionale
       Wirtschaft, weil zusätzliche Nachfrage und damit auch Beschäftigung
       geschaffen werde.
       
       Wann die Berliner mit der Spreeblüte zahlen können, steht noch nicht fest.
       Laut Wonneberger befindet sich das Projekt in der Planungsphase. Und das
       bereits seit zwei Jahren "Wir suchen noch Unterstützer und Teilnehmer." Von
       denen wird auch letztendlich der Erfolg der Spreeblüte abhängen.
       
       Der Berliner scheiterte letztlich an mangelnder Professionalität. "Wir
       hatten keinen Businessplan und sind nicht als Wirtschaftsverband
       angetreten. Heute würde ich das professioneller aufstellen", sagt Thomas.
       Auch Wonneberger kann nicht garantieren, dass es der Spreeblüte besser
       ergeht als ihrem Vorgänger. "Wir suchen noch Leute mit Bank-Know-how und
       praktischen finanztechnischen Erfahrungen." Damit aus der Spreeblüte keine
       Flietzpiepe wird.
       
       6 Mar 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Grit Weirauch
 (DIR) Adéla Jureèková
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schweiz
       
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