# taz.de -- Deutsche Welle bleibt stumm: Verheimlichte Ehrenrettung
> Gutachter wie Ulrich Wickert bescheinigen der Deutschen Welle eine
> saubere China-Berichterstattung. Trotzdem will der Sender die Ergebnisse
> nicht veröffentlichen. Warum, bleibt schleierhaft.
(IMG) Bild: Saubere China-Berichterstattung attestiert: Die Wogen um die Deutsche Welle glätten sich.
Die Deutsche Welle tut alles, damit bloß nicht weiter über ihre
chinesischen Angebote diskutiert wird. Und das, obwohl gleich zwei in den
vergangenen Wochen in der Bonner Sendezentrale eingetroffene Gutachten für
die Qualität der chinesischen Radioprogramme und Internetseiten der "Welle"
sprechen: Sowohl der ehemalige Korrespondent der FAZ, Karl Feldmeyer, als
auch die ARD-Größe Ulrich Wickert haben dem Sender bescheinigt, sauber über
das Reich der Mitte berichtet zu haben.
Im vergangenen Jahr entzündete sich rund um die Olympischen Spiele eine Art
Hetzjagd auf die stellvertretende Leiterin der chinesischen Redaktion,
Zhang Danhong. Die habe sich in Talkshows und Interviews für das
chinesische Regime stark gemacht und Verletzungen der Menschenrechte zu
Unrecht wegdiskutieren wollen, sagten Kritiker, darunter chinesische
Dissidenten und einige Wissenschaftler. Sogar ein Ausschuss des Bundestags
befasste sich mit dem Problem. Die Deutsche Welle wird nämlich nicht aus
Rundfunkgebühren, sondern aus Steuern finanziert.
Wickert, dessen Vater einst Attaché der Bundesrepublik in China war, hatte
daraufhin im Auftrag der "Welle" begonnen, Teile des Angebots zu prüfen.
Immerhin stand die Glaubwürdigkeit des Senders auf dem Spiel, der
mittlerweile in 30 Sprachen funkt, um, so das Konzept, "die Werte und
Perspektiven, für die Deutschland in der Welt steht", in Regionen zu
verbreiten, in denen sich keine Demokratien gefestigt haben - Ländern wie
China eben.
Das Problem: Nur wenige Beobachter können sich einfach in das täglich
zweieinhalb Stunden umfassende Radioprogramm einklinken, das per teure
Kurzwelle nach China gefunkt werden muss, weil das Regime eine Lizenz
verweigert. Angesichts der Sprachbarriere wird auch kaum ein Kritiker - von
Dissidenten und einigen Sinologen abgesehen - in der Lage sein, die
chinesischen Seiten zu analysieren. Sie sind derzeit übrigens in Peking,
Schanghai und zwei weiteren Großstädten gesperrt.
Wickert schrieb dem Intendanten Erik Bettermann bereits Anfang Februar, er
komme zu dem Urteil, "dass weder der chinesischen Redaktion noch Frau Zhang
Danhong der Vorwurf tendenziöser Berichterstattung gemacht werden kann".
Auch Feldmeyer notierte, er halte die Vorwürfe für "unbegründet". Beide
stützten sich auf Übersetzungen, was in gewisser Weise ein Problem ist: Das
Chinesische lässt einen großen Interpretationsspielraum zu.
Der Sender will die Gutachten jedenfalls nicht veröffentlichen. Warum,
bleibt schleierhaft. Ein Sprecher sagte, die Debatte um die chinesischen
Angebote der Deutschen Welle sei "nach der Prüfung durch den Rundfunkrat
und den anschließenden Gutachten beendet".
Seltsam mutet auch an, dass dieser Abschluss - immerhin zugunsten des
Senders - noch nicht einmal per kurze Mitteilung verbreitet wurde. Erst ein
Bericht der Süddeutschen Zeitung machte am Mittwoch die Sache öffentlich.
Er ließ erahnen: Wickert muss mit der Tatsache unzufrieden sein, dass seine
Arbeit quasi zur Verschlusssache deklariert wurde.
Intendant Bettermann hält an seiner Personalentscheidung fest, die er in
der Debatte traf: Der ehemalige Leiter der China-Redaktion, Matthias von
Hein, bleibt einer von vielen Redakteuren in der Programmredaktion. Das
aber hatte auch nichts mit dem Vorwurf zu tun, sein Programm sei nicht
objektiv. Vielmehr führte die in die Ecke gedrängte Mitarbeiterin Zhang im
Herbst in einem Schutzreflex ein Interview mit sich selbst, in dem sie auf
eine Kritikerin reagierte. Das war nicht nur unpassend, sondern auch
zutiefst unjournalistisch.
Zhang setzte das Gespräch auf die Seiten der Deutschen Welle. Von Hein fiel
das entweder nicht auf oder er ließ es einfach durchgehen, was viel
schlimmer wäre. Jedenfalls erlaubte sich da eine Redakteurin eine große
Dummheit. Und von Hein schlampte bei der Kontrolle - in einer Zeit, in der
seine Redaktion ohnehin unter Beobachtung stand.
In der chinesischen Redaktion, in der 13 feste und 15 freie Mitarbeiter
arbeiten, hoffen sie jetzt darauf, ohne neue Zwischenfälle arbeiten zu
können. Derzeit arbeiten sie etwa an einem Ausbau ihrer Seiten zu den
T-Reizthemen: Tibet, Taiwan und Tiananmen. Nach wie vor ohne neuen Chef:
Bislang ist es dem Sender nicht gelungen, einen Kollegen aufzutreiben, der
ausreichend Erfahrung hat, Deutsch wie Chinesisch fließend spricht und der
gestiegenen Erwartungshaltung des Senders gerecht werden kann: damit Ruhe
einkehrt.
27 Mar 2009
## AUTOREN
(DIR) Daniel Bouhs
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