# taz.de -- Reeperbahn: Schwarz-Grün legt Kiez trocken
> Die Innenbehörde möchte den nächtlichen Verkauf und das Mitführen von
> Flaschen auf dem Kiez an Wochenenden und Feiertagen verbieten. Dafür wird
> eigens ein Gesetz verabschiedet.
(IMG) Bild: Die Flaschen vor der Esso-Tanke auf der Reeperbahn gehören bald endgültig der Vergangenheit an
Der Kiez wird nach dem Willen des schwarz-grünen Senats zur
Pappbechermeile. Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) kündigte am Montag
an, noch vor den Sommerferien ein Gesetz für ein abendliches Verkaufs- und
Mitführverbot von Glasflaschen unter Dach und Fach bringen zu wollen. "Wir
wollen das Vergnügen nicht einschränken, aber wir wollen die Sicherheit der
Menschen erhöhen", sagte Ahlhaus im Anschluss an die Sitzung des runden
Tisches Reeperbahn. Daher werde er nun den "Spagat" unternehmen, "eine
Balance zwischen Sicherheit und Attraktivität herzustellen".
Damit werden die Freiheiten auf der Amüsiermeile weiter abgebaut. Seit 2006
wird die Reeperbahn und angrenzende Kreuzungen videoüberwacht, Flanieren
ist somit nur unter Polizeiaufsicht möglich. Seit Dezember 2007 besteht für
den Kiez - also auch angrenzenden Straßen zur Reeperbahn - ein generelles
Waffenverbot, was immer wieder mittels lageunabhängiger Großkontrollen oder
verdachtsunabhängiger Personen-Durchsuchungen durchgesetzt wird. Dazu ist
eigens das Polizeigesetz verschärft worden.
Nun soll von Freitag bis Sonntag zwischen 22 und sechs Uhr morgens der
Verkauf und das Mitführen von Glasflaschen verboten werden. Das soll auch
für die Nächte vor und nach einem Feiertag gelten. Das Verbot erstreckt
sich nicht nur auf Bierflaschen, sondern auch auf Wein-, Sekt-,
Spirituosen- oder Mineralwasserflaschen, erklärte Ahlhaus. "Wir wollen
verhindern, dass sie Glasflasche als gefährliche Tatwaffe zum Einsatz
kommt."
Zuvor hatte sich Ahlhaus beim dritten runden Tisch mit den Einzelhandels-
und Gaststätten-Verbänden, der Interessengemeinschaft St. Pauli und anderen
Behörden getroffen. Der Innensenator sagte, die "freiwillige
Selbstverpflichtung" der Gewerbetreibenden vom vorigen Jahr, nachts keine
Flaschen zu verkaufen, habe durchaus Wirkung gezeigt. Es stelle sich jedoch
die Frage: "Geben wir uns damit zufrieden oder gehen wir einen Schritt
weiter?"
Die Zahl von 128 Köperverletzungen mit Flaschen im Jahr 2008 sei immer noch
hoch: "Es sind noch viel zu viele." Zudem verzeichne die Polizei einen
Trendwende - nicht alle Läden hielten sich an die Selbstverpflichtung. "Die
Zahl sinkt wieder, weil die Imbissbuden einfach nicht mitmachen", klagte
Ahlhaus. "Wenn jemand freiwillig auf Umsatz verzichtet, der Nachbar aber
auf seine Kosten den Umsatz steigert, macht derjenige bald auch nicht mehr
mit."
Deshalb müsse der Senat jetzt zu "restriktiven Maßnahmen" greifen. Das
Flaschenverbot werde im Bereich der bisherigen Waffenverbotszone greifen.
Die entsprechenden Warnschilder würden ergänzt. Umgesetzt werden soll dies
mit Bußgeldern von bis zu 5.000 Euro, die von der Polizei oder dem
Bezirklichen Ordnungsdienst verhängt werden.
In Kneipen dürfen Flaschen innen zwar weiter ausgeben werden. Wer jedoch
mit der Pulle in der Hand vor der Tür eine Zigarette raucht, ist dran. "Der
Kiez ist einzigartig, da bedarf es eben einzigartige Maßnahmen",
verteidigte der Innensenator die "Sondersache St. Pauli". Ahlhaus: "Ich
glaube, dass die Maßnahme auf große Akzeptanz stoßen wird, und der Kiez
weiterhin attraktiv bleibt."
Die SPD-Bürgerschaftsfraktion signalisierte Zustimmung: Die Maßnahmen seien
"mehr als überfällig", sagte deren Innenexperte Andreas Dressel. Die
Linkspartei dagegen ist strikt gegen das Flaschenverbot. Die Reeperbahn sei
schon eine Gefahrengebietszone, in der es dauernd Kontrollen gebe, sagt die
Linkspartei-Innenpolitikerin Christiane Schneider. Mit dem Flaschenverbot
"gibt es noch mehr Kontrollen", ist sich Schneider sicher. Das Verbot werde
aber "nicht zum Abbau von Aggressivität beitragen".
30 Mar 2009
## AUTOREN
(DIR) Kai von Appen
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