# taz.de -- Notdienst-Sprecherin über Komasaufen: "Mädchen holen auf"
       
       > Heike Krause vom Sucht-Notdienst in Berlin über falsche Vorstellungen vom
       > Komasaufen.
       
 (IMG) Bild: Schlucken auch immer mehr weg: trinkende Mädchen.
       
       taz: Im Jahr 2008 sind Cannabis-, Alkohol- und Tabakkonsum leicht
       zurückgegangen, deutlich mehr Jugendliche sind aber mit Alkoholvergiftungen
       ins Krankenhaus gekommen. Sind das auch Ihre Erfahrungen, Frau Krause? 
       
       Heike Krause: Vor ein paar Jahren war Alkohol in unseren Suchtberatungen
       noch kein Thema. Jetzt haben 10 Prozent der Jugendlichen ein Alkoholproblem
       unterschiedlichster Ausprägung. Wir haben viele Jugendliche, die trinken
       einen Kasten Bier pro Tag. Und die Mädchen holen leider auf.
       
       Das Komasaufen wird immer mehr zum Problem? 
       
       Nicht alle, die komasaufen, zum Beispiel auf einer Klassenfahrt, sind
       alkoholkrank. Unter den alkoholabhängigen Jugendlichen, die zu uns kommen,
       sind kaum Komasäufer. Unsere Klientel trinkt eher jeden Tag, auch vor der
       Schule.
       
       Gibt es schichtspezifische Unterschiede? 
       
       Ein überraschend großer Teil von Jugendlichen, die Alkoholprobleme haben,
       kommt aus gut situierten Familien, aber die Unterschiede sind nicht allzu
       groß. Alkoholsucht zieht sich durch alle Schichten, denn Alkohol ist
       gesellschaftlich akzeptiert. Cannabis ist eindeutig Mainstreamdroge, das
       nehmen Jugendliche und Erwachsene jeglicher sozialer Herkunft. Kokain wird
       doch eher von Gymnasiasten als von Real- oder Hauptschülern konsumiert. Der
       Heroin- und Opiumkonsum ist unter Jugendlichen rückläufig. Diese Drogen
       haben ein Schmuddelimage.
       
       Sie beraten deutsche, türkische und osteuropäische Jugendliche. Stellen Sie
       bei deren Drogenkonsum Unterschiede fest? 
       
       Unter vielen arabischstämmigen Jugendlichen ist der Medikamenten- oder
       Cannabiskonsum verbreiteter als der von Alkohol. Das hat religiöse Gründe.
       Einige denken auch, Tabletten sind ja erst einmal legal.
       
       Lassen sich im Umgang mit der Suchtproblematik kulturelle Unterschiede
       ausmachen? 
       
       Nicht alle kommen freiwillig zu uns. Sie werden geschickt, von Eltern, der
       Schule, den Jobcentern. Im türkischen oder arabischen Umfeld ist die Scham
       etwas größer, wenn es um Süchte geht. Aber ich kenne auch zur Genüge
       deutsche Haushalte, wo die Eltern das Problem nicht wahrhaben wollen.
       
       4 May 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eva Völpel
       
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