# taz.de -- Finale von "Germany's Next Topmodel": Deutschlands nächste Verliererin
> Am Donnerstag entscheidet sich bei "Germany's Next Topmodel", wen Heidis
> Jury für die Schönste hält. Sicher ist dabei schon jetzt: Die Gewinnerin
> wird niemals ein Star.
(IMG) Bild: "Heidi Klum kenn ich nicht", sagt Karl Lagerfeld. Eine klare Einordnung ihrer Relevanz als Model.
Viel wurde über Heidi Klum und ihre Sendung geschrieben - in den meisten
Fällen negativ. Von Knebelverträgen war die Rede, von der
Selbstinszenierung der Werbe-Ikone Klum und von einer frauenfeindlichen
Sendung.
Trotzdem bleibt "Germany's Next Topmodel" ein Massenphänomen. Letzte Woche
schauten über drei Millionen Zuschauer in der relevanten Zielgruppen der
14- bis 49-Jährigen den Nachwuchsmodels bei ihren "Challenges" zu. Die
Kritiker bleiben trotzdem hartnäckig.
Dabei überwiegt ein Argument immer: Aus den Siegerinnen der
Klum-Klon-Maschine wird ja eh nichts. Das stimmt tatsächlich. Die
Gewinnerinnen von "Germany's Next Topmodel" werden am Ende bei weitem keine
Super-Mannequins - sie dürfen sich höchsten in ProSieben-Trailern räkeln.
In den Neunzigern begründeten Naomi Campbell, Claudia Schiffer und Linda
Evangelista die Ära der "Supermodels". Diese Damen konnten sich aussuchen,
für wen sie arbeiteten. Evangelista brachte es mit ihrem berühmten Satz auf
den Punkt: "Für weniger als 10.000 Dollar pro Tag stehen wir morgens gar
nicht auf."
Diese Frauen dominierten die Laufstege dieser Welt. Und genau das ist
entscheidend: Bedeutende Models laufen für die wichtigen Designer auf den
Schauen in Paris, Mailand und New York. Nebenbei waren all diese Frauen
maßgebend für die Mode. Sie haben sich selbst einen Namen gemacht und
besitzen einen eigenen, manchmal unkonventionellen Stil -und setzen damit
Trends.
Schaut man sich die aktuelle Staffel an, sieht es eher mau aus. Klums
"Mädchen" haben keinen individuellen Stil, geschweige denn ein wirkliches
Gespür für Mode. Kandidatin Jessica zieht sich immer ein wenig zu prollig
und zu billig an. Ihre Kollegin Maria, die rausflog, weiß nicht, welche
Kleidungsstücke an ihrem Körper gut aussehen. Wie sollen aus diesen jungen
Frauen so berühmte Topmodels werden?
Im Ausland sieht es für die Gewinnerinnen der Show nicht besser aus. Die
Sendung stammt ursprünglich aus Amerika. Tyra Banks entwickelte das Format.
Die 35-jährige Afroamerikanerin war eins der berühmtesten amerikanischen
Models, bevor sie sich 2005 aus dem Geschäft zurückzog, um sich voll und
ganz ihrem Medienimperium und der Moderation ihrer eigenen Sendung zu
widmen.
Sie wurde mit siebzehn Jahren entdeckt und auf Anhieb für 25 Shows auf der
Pariser Fashion Week gebucht -ein Rekord für eine Einsteigerin im
Model-Geschäft. Sie lief unter anderem für Dior, Tommy Hilfiger und Dolce &
Gabbana. Der amerikanische Sender UPN strahlte 2003 die erste Staffel aus -
mittlerweile gibt es zwölf Zyklen von "America's Next Top Model".
Banks ist Moderatorin, Jurymitglied, Co-Produzentin und singt sogar den
Titelsong der Sendung. Große Unterschiede zur Kopie aus Deutschland sind
nicht erkennbar. Das Konzept ist identisch und auch in Amerika werden die
Model-Eleven nicht wirklich berühmt. Adrianne Curry, Siegerin der ersten
Staffel, hat es in den USA durch die Sendung zur D-Prominenz geschafft.
Sie hat keine Laufstegjobs, aber weningstens durfte sie mal auf den
Playboy-Cover. Die 26-Jährige wurde für keine bedeutenden Fotostrecken in
Modemagazinen gebucht, dafür moderiert sie eine wöchentliche Radio-Sendung.
Ein Verdacht liegt nahe: Anscheinend wollen diese jungen Frauen gar nicht
in die Fußstapfen der Schiffers, Campbells und Moss' dieser Welt treten.
Sie wollen berühmt werden -egal wie.
Barbara Meier, Siegerin der zweiten Staffel der deutschen Model-Show,
scheint es da ernster zu meinen und brachte es ein wenig weiter als ihre
amerikanischen Konkurrentinnen. Letztes Jahr war die Mathe-Studentin
"Botschafterin der Mathematik", lief einige Schauen auf der Berliner
Fashion Week und war immerhin auf dem Titelbild der Vogue Taiwan. Die
rothaarige Meier war auch in Fotostrecken der Modemagazine L'Officiel,
Style International und Madame Figaro sehen.
Da hat es ihre Vorgängerin Lena Gercke schwerer. Die 21-Jährige versucht
krampfhaft, in die Fußstapfen ihres Idols Klum zu treten. Auch sie drehte
Werbung für Katjes und moderiert "Austria's Next Top Model" auf genau
dieselbe unbeholfene Weise wie die Klum.
Am meisten hatten sich die Macher anscheinend von Jennifer Hof, der letzten
Gewinnerin des Titels, versprochen. Sie hat von allen drei bisherigen
Siegerinnen die perfektesten Maße für den Laufsteg. Für prägende Designer
ist sie trotzdem nicht gelaufen.
Es macht durchaus Sinn, dass Klum und Co. keine wirklichen Laufsteg-Models
suchen. Laufsteg-Mannequins sind keine Schönheiten im klassischen Sinne:
Sie sind meist blass, elfenhaft und besitzen eine subtile Präsenz. Alles
Dinge, die sich nicht einfach auf Fernsehbildschirmen übertragen lassen.
Und am Ende keine Quote bringen.
Wir wollen das Mädchen von nebenan sehen. Es zählt Sympathie. Dass "die
Mädchen" trotzdem "Runway"-Training bekommen, ist dann auch nur für uns
Zuschauer gedacht. In unseren Köpfen laufen Models nun mal über einen
Laufsteg. Klums Nachwuchs-Talente würden in den meisten Fällen noch nicht
einmal zu den Castings großer Designer eingeladen werden.
Sie sind einfach zu durchschnittlich. Keines der aktuellen "Mädchen" hat
das besondere etwas. Sie sind schön, gar keine Frage. Das reicht aber im
Model-Business nicht. Eine die aus der Casting-Maschinerie zum Topmodel
geschafft hat, ist Alice Burdeu. Sie gewann in der dritten Staffel den
Titel "Australia's Next Top Model".
Die 21-Järhige lief letztes Jahr für wirklich bedeutende Designer. Man sah
sie bei den Belgiern Martin Margiela, Dries van Noten und Ann
Demeulemeester. Sie lief für die Franzosen Christian Lacroix, Sonia Rykiel
und Celine. Und auch für Jil Sander, Marc Jacobs und Proenza Schouler.
Alles große Namen, die oft nur einem kleinen Kreis modeinteressierter
Menschen bekannt sind. Nebenbei war sie in der Herbst-Winter Werbekampagne
von Dolce & Gabbana zu sehen.
In Deutschland müssen die jungen Nachwuchstalente dann auf den angeblichen
Shooting-Star Philipp Plein treffen, der international ziemlich unwichtig
ist. Oder sie treffen Christian Audigier, den Designer von Ed Hardy.
Natürlich ist Audigier, der die grellen strass-besetzten Totenkopf-Shirts
berühmt machte, prominent - jedoch diktiert er keine Modetrends.
Interessanterweise war Burdeu bei den australischen Fernsehzuschauern nicht
wirklich beliebt. Sie zickte in der Sendung rum, war für viele Zuschauer zu
dünn und einfach keine klassische Schönheit. Dass gerade sie als einzige
aller Topmodel-Kandidatinnen dieser Welt wirklich in der Mode erfolgreich
ist, wundert daher nicht.
Heidi Klum selbst hält sich mit ihrer Sendung extrem an die amerikanische
Version, setzt aber noch einen drauf: sie kreierte den Zusatz "by Heidi
Klum". Die Werbeikone aus Bergisch-Gladbach weiß sich selbst in Szene zu
setzen. Und auch das hat die strenge Frau Klum mit ihrer "Victoria's
Secret"-Kollegin Tyra Banks gemeinsam. Beiden Frauen wird vorgeworfen, sich
auf Kosten der Teilnehmerinnen zu profilieren.
Ein Vorwurf, den Klum gerne von sich weist. Sie will ihren
Model-Schützlingen eine gute Mutter mit der gewissen Härte sein, alles
immer perfekt machen und nervt genau damit. Natürlich ist die 35-Jährige
nie für berühmte Designer gelaufen. Wie auch? Sie hat weder die Maße für
den Laufsteg, noch die Anmut.
Umso absurder ist es, wenn Klum in ihrer Sendung dann zu den "Mädchen"
sagt: "So werdet ihr nie für die großen Designer laufen können." Klum
selbst hat zwar keine Ahnung vom Laufsteg, geschäftstüchtig ist sie aber
allemal.
20 May 2009
## AUTOREN
(DIR) Enrico Ippolito
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