# taz.de -- Bankenskandal-Prozess: Berliner Filz darf nochmal schaulaufen
       
       > Die früheren Westberliner Strippenzieher um Klaus-Rüdiger Landowsky
       > stehen erneut vor Gericht - wegen Fondsgeschäften, mit denen sie
       > zehntausende Anleger geprellt haben sollen.
       
 (IMG) Bild: Landowsky wartet vor Gericht.
       
       Die Fotografen dürften Schlange stehen, die Zeitungen sich um die beste
       Aufnahme reißen, wenn am Montag der wohl letzte große Prozess um den
       Bankenskandal beginnt. Der Berliner Filz vereint sich noch einmal auf der
       Anklagebank, mit Klaus-Rüdiger Landowsky als schillernder Figur in der
       Mitte - eine letzte Erinnerung an die alte Westberliner Kungelwirtschaft.
       Vom früheren CDU-Fraktionschef Landowsky könnte es gar eines der letzten
       Bilder als freier Mann sein. Wird er schuldig gesprochen, könnte die Strafe
       mit einer vorigen Bewährungsstrafe zusammengezogen und als Haftstrafe ohne
       Bewährung gewertet werden.
       
       Neben Landowsky müssen sich elf ehemalige Mitglieder der Geschäftsleitung
       und Ex-Aufsichtsratsmitglieder der "Immobilien- und Baumanagement der
       Bankgesellschaft Berlin" (IBG) wegen ihrer Fondsgeschäfte verantworten, mit
       denen sie zehntausende Anleger prellten und der Bankgesellschaft Schaden in
       dreistelliger Millionenhöhe zugefügt haben sollen. Der Vorwurf lautet
       Untreue in besonders schwerem Fall im Zusammhang mit den so genannten
       Rundum-sorglos-Fonds der IBG, einer Tochter der damaligen Bankgesellschaft
       Berlin.
       
       Kernfigur des Verfahrens und Schattenmann hinter den dubiosen Geschäften
       ist der ehemalige IGB-Chef Manfred Schoeps, ein CSU-Mann und früherer
       Geschäftsführer der "Bayern Immobilien Treuhand". Schoeps hatte dem
       Fondsgeschäft zunächst zur Blüte verholfen, das Konglomerat von
       Immobilientöchtern um die IBG entwickelte sich zur führenden Adresse im
       deutschen Immobilienfondsgeschäft. Etwa 70.000 Anleger kauften Anteile an
       den Fonds, die erstaunliches versprachen: Garantien für Mieteinnahmen über
       25 Jahre und dazu große Steuervorteile.
       
       Angeklagt sind fünf Manager und sieben Aufsichtsratsmitglieder. Landowsky
       war als Vorstandschef der Bankgesellschafts-Tochter Berlin Hyp an den
       Geschäften beteiligt. Beschuldigt werden zudem der Ex-Vorstandsvorsitzende
       der Bankgesellschaft Wolfgang Rupf, gegen den ein früheres Verfahren gegen
       Zahlung von 50.000 Euro eingestellt worden war. Daneben stehen Ulf Decken
       vor Gericht, der Ex-Vorstandschef der Landesbank Berlin, und sein
       ehemaliger Vorstandskollege Jochem Zeelen.
       
       Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten in ihrer 284 Seiten langen
       Anklageschrift vor, einen Schaden von umgerechnet knapp 60 Millionen Euro
       für die Bank und damit das Land Berlin verursacht zu haben. Obwohl absehbar
       gewesen sei, dass der Immobilienmarkt stagnierend oder rückläufig sei,
       hätten die Manager ihren Anlegern Gewinngarantien gegeben.
       
       Die Immobiliengeschäfte brachten 2001 nicht nur die landeseigene
       Bankgesellschaft an den Rand des Ruins, sie hatte auch politische Folgen.
       Die große Koalition unter Eberhard Diepgen (CDU) brach, Landowsky, damals
       Chef der Banktochter BerlinHyp, musste von allen Ämtern zurücktreten. Das
       ohnehin verschuldete Berlin musste mehr als 1,7 Milliarden Euro in die Bank
       pumpen und Bürgschaften in Höhe von fast 22 Milliarden Euro für weitere
       Immobilienrisiken übernehmen.
       
       Auch wenn Beobachter von dem Verfahren nun wenig Erkenntnisgewinn erwarten,
       wird dem Prozess doch politische Bedeutung beigemessen. "Die Anklage trifft
       den Kern des Bankenskandals", sagt etwa Frank Zimmermann (SPD), der den
       parlamentarischen Untersuchungsausschuss geleitet hatte.
       
       Der wohl letzte Bankenskandal-Prozess ist jahrelang vorbereitet worden.
       Allein für die Prüfung der Anklage brauchte das Gericht drei Jahre, da die
       Rechts- und Sachlage schwierig gewesen sei, sagte eine Justizsprecherin. In
       der Zwischenzeit war Landowsky in einem anderen Verfahren zu einer
       Bewährungsstrafe von 16 Monaten verurteilt worden. Er stolperte über eine
       Parteispende von Managern des Immobilienkonzern Aubis, an den
       milliardenschwere Kredite gegangen waren - ohne die Glaubwürdigkeit und
       Seriösität der Aubis-Planungen wirklich zu prüfen. Das Gebahren ist aktuell
       wie nie: Wie in der derzeitigen Finanzkrise wurden Kredite vergeben, die
       nicht vergeben hätten werden sollen - und die Risiken weitergereicht.
       
       21 Jun 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kristina Pezzei
       
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