# taz.de -- Deutschland ist U21-Europameister: Von der Leine gelassen
> Mesut Özil hat im EM-Finale der U21-Mannschaften endlich das Spiel vor
> sich und führt die deutsche Auswahl zu einem überlegenen 4:0-Erfolg gegen
> England.
(IMG) Bild: "Ich glaube, ich habe das heute ganz gut hinbekommen": Mesut Özil nach seiner Leistungsexplosion.
Ganz zum Schluss kam doch noch richtige Turnierstimmung auf. Das erste Mal
spielten Deutschlands Fußballjunioren während der Europameisterschaft vor
ausverkauftem Haus und Mitte der ersten Halbzeit setzte sich endlich auch
die Stadionfigur in Bewegung, ohne die ein Finale ja gar kein richtiges
Finale ist: eine La Ola. Zur leidenschaftlichsten Szene des gesamten
Turniers kam es allerdings erst, als die neuen Europameister schon im Bus
saßen und die Polizei Schwierigkeiten hatte, den Weg frei zu bekommen. 30
türkischstämmige Jugendliche aus Malmö tanzten wild vor dem Stadiontor,
sprangen in die Luft, klatschten in die Hände. "Mesut, Mesut", riefen sie,
um anschließend auch die Mitspieler ihres Idols in den Jubel einzubeziehen:
"Deutschland, Deutschland".
Mit ihren Lobeshymnen waren die Fans nicht allein. Ob Englands Coach Stuart
Pearce oder Deutschlands A-Trainer Jogi Löw - alle lobten den Bremer
Mittelfeldspieler. Als Horst Hrubesch den Man of the Match kurz vor Schluss
vom Platz nahm, bescherte er ihm als erstem deutschen Spieler des Turniers
Standing Ovations. "Ich habe mit Bremen schon den Pokal gewonnen, aber das
hier ist eine Europameisterschaft", sagte Özil nach dem Duschen. "Ich
glaube, ich habe das heute ganz gut hinbekommen." Hat er - nicht nur wegen
der beiden Torvorlagen für Gonzalo Castro und Sandro Wagner und des selbst
erzielten Treffers. Fast an jeder gefährlichen Aktion war er beteiligt.
Dabei sprach nach dem Turnierverlauf wenig für eine Leistungsexplosion.
Özil war nach einem starken Eröffnungsspiel gegen Spanien von Spiel zu
Spiel mehr verkrampft. Zwar behauptete er immer wieder brav, sich auch im
Angriff wohl zu fühlen, wo sein Trainer ihn mangels Alternativen aufstellte
- aber der gesenkte Kopf sprach oft eine andere Sprache. "Es ist klar, dass
ich mich im Mittelfeld wohler fühle", gab Özil nun zu. Im Nachhinein
entpuppte sich die Sperre für Ashkan Dejagah als Glücksfall. Mit Sandro
Wagner bot Horst Hrubesch endlich einen Stoßstürmer auf und setzte Özil im
neuen 4-1-4-1-System im linken Mittelfeld ein. Der Bremer agierte wie
befreit.
Es bleibt dennoch das Geheimnis von Horst Hrubesch, den Torwart Manuel
Neuer als "unseren Freund" bezeichnete, warum er seinen kreativsten Spieler
erst im letzen Spiel von der Leine ließ. Neben der Nominierung des
zweifachen Torschützen Sandro Wagner erwies sich auch die Aufstellung des
kopfballstarken Mats Hummels im defensiven Mittelfeld als Glücksgriff.
Führungsspieler Höwedes selbst redete bei der taktischen Neuausrichtung
mit. Schon gegen Finnland hatte er kurz vor Schluss die Einwechslung
Wagners bewirkt.
Und was für Mesut Özil gut ist, weiß eben immer noch niemand so gut wie
seine ehemaligen Schalker Mannschaftskameraden, in deren Kreis sich der
Bremer in Schweden auch außerhalb des Platzes sichtlich wohl fühlte. Mit
Özil, Höwedes und Sebastian Boenisch standen drei Spieler auf dem Platz,
die 2006 gemeinsam für Schalke 04 die deutsche A-Jugendmeisterschaft geholt
haben.
Besondere Freude wird Özils Leistung in Bremen ausgelöst haben. Hier wartet
nach dem Abgang von Diego große Verantwortung auf den 20-Jährigen. Immerhin
kann er seinem Trainer Thomas Schaaf eine neue Schusstechnik präsentieren,
die nicht mal der entschwundene Brasilianer beherrscht: den gezielten
Flatterball. "Das haben wir im Training geübt", sagte Özil zu einem
Freistoßtreffer aus 30 Metern. "Ich habe einfach draufgeschossen, der Ball
hat geflattert und war drin."
30 Jun 2009
## AUTOREN
(DIR) Ralf Lorenzen
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Noch immer sind Deutschtürken oder Afrodeutsche in Politik und Co nicht
annähernd so vertreten, wie es den demografischen Verhältnissen entsprechen
würde.