# taz.de -- Der Sonntagskrimi: Strippen und Stimulieren
       
       > Pieter Aspe ist der erfolgreichste Krimiautor in Belgien. Seine Romane
       > bilden die Grundlage für die ZDF-Serie "Mord in Brügge". Am Sonntag, 22
       > Uhr, zeigt das Zweite "Die Affaire Dreyse".
       
 (IMG) Bild: Francesca Vanthielen (Hannelore Martens), die Frau des Kommissars in den Händen der Bandenmitglieder.
       
       Sie trägt edle schwarze Dessous, er schwarze Socken und ausgebeulte
       Boxershorts. Man könnte es leicht übersehen: Hannelore Martens (Francesca
       Vanthielen) und Pieter van In (Herbert Flack) sind gerade beruflich
       unterwegs. Sie ist Untersuchungsrichterin, er Kommissar und verheiratet
       sind die beiden auch. In einem Swingerclub in Brügge jagen sie Hehlerware
       hinterher, die sie auf die Spur eines Mörders führen soll. So kommt - wie
       praktisch - bei der verdeckten Rotlichtrecherche auch noch ein bisschen
       Abwechslung in die durch den frischen Zwillingsnachwuchs arg übermüdete
       Ehe.
       
       Keine Frage, Verbrechen und sexuelle Energie gehen oft Hand in Hand. Wie
       aber in diesem Krimi nach Vorlage des belgischen Bestsellerautors Pieter
       Aspe wirklich jede Handlungswendung dazu genutzt wird, Frauen und Männer
       beim Strippen, gegenseitigen Stimulieren und Kopulieren zu zeigen, folgt
       der Dramaturgie eines Softpornos: Da passt es ins auf den Effekt zielende
       Erzählkonstrukt von "Mord in Brügge" (Regie: Jan Matthys), dass ein
       Luxuscallgirl ausgiebig und stets leicht bekleidet zwischen Russenmafia,
       Hochfinanz und großer belgischer Politik verkehrt - und so die Geschichte
       um eine CD-ROM mit brisantem Material am Laufen hält.
       
       Zwei weitere Aspe-Adaptionen hat das ZDF für die kommenden Sonntage noch
       parat. Die hatte man schon vor fünf Jahren abgedreht - und nun werden sie
       als echtes Sommerlochfutter versendet. Mal sehen, ob es in die nächsten
       Wochenenden dann wenigstens irgendwann auch mal das im Titel versprochene
       Brügge zu sehen gibt. Aspe gilt ja als einer der berühmtesten Söhne der bei
       Touristen so beliebten Stadt - komisch, dass des Autors Heimat aber gar
       nicht richtig in der Krimireihe vorkommt. Im ersten Teil jedenfalls will
       die Handlung einfach nicht aus den Schlafzimmern und Swimmingpools, aus den
       SM-Kellern und Pärchenclubs herausfinden. Das hat Brügge nicht verdient.
       
       "Pieter Aspe - Mord in Brügge: Die Affäre Dreyse", So., 22 Uhr, ZDF
       
       3 Jul 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Buss
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Sex im Swingerclub: In Sodom gilt die Verkehrsordnung
       
       Mara und Johann verbringen ihre Wochenenden am liebsten in einem
       Swingerclub. Gemeinsam leben sie eine Freiheit, die auch Grenzen kennt.