# taz.de -- "Ehrenmord": Bewährungsstrafe für Morsals Vater
       
       > Dem Vater der ermordeten Morsal Obeidi bleibt ein öffentliches
       > Gerichtsverfahren erspart, weil er einen Strafbefehl akzeptiert.
       
 (IMG) Bild: Gewalt über den Tod hinaus: Wütend stört Obeidi im Februar eine Mahnwache für seine Tochter Morsal.
       
       Ghulam Mohammad Obeidi muss nicht vor Gericht. Dem Vater der von ihrem
       Bruder Ahmad ermordeten Deutsch-Afghanin Morsal Obeidi bleibt eine
       öffentliche Hauptverhandlung erspart. Der 46-Jährige akzeptierte einen
       gegen ihn von der Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht-Hamburg beantragten
       Strafbefehl von zehn Monate Haft auf Bewährung.
       
       Obeidi wird die Misshandlung Schutzbefohlener zur Last gelegt, da er seine
       16-jährige Tochter mehrfach wegen ihres westlichen Teenager-Lebensstils
       geschlagen hatte. Morsal war aus demselben Grund am 15. Mai 2008 von ihrem
       24-jährigen Bruder Ahmad zu einem Bahnhof in Hamburg-St. Georg gelockt und
       mit 23 Messerstichen getötet worden. Ein anwesender Cousin half ihr nicht,
       wird dafür aber rechtlich nicht belangt.
       
       Einen Tag vor der Tat hatte auch Ghulam Mohammad seine Tochter an einem
       U-Bahnhof attackiert und getreten, um sie zu maßregeln. Sie fand an jenem
       Abend aber noch Schutz bei Passanten, die die Polizei alarmierten. "Sie
       wollte danach partout nicht nach Hause, da sie immer wieder vom Vater und
       vom Bruder geschlagen worden sei", sagte später ein Polizist vor Gericht.
       Auch eine Polizistin musste Tage zuvor Morsal zur Hilfe eilen, nachdem sie
       von ihrem jüngeren Bruder gewürgt worden war. Zuvor hatte sie sich an einem
       geknoteten Bettlaken aus der elterlichen Wohnung abgeseilt, in die ihr
       Vater sie gesperrt hatte.
       
       Bereits im März 2008 hatte Morsal bei der Polizei um Schutz vor ihrer
       Familie ersucht. Beim Verlassen der Wohnung habe Ahmad seiner Schwester
       überraschend "mit der Faust ins Gesicht geschlagen", berichtete ein
       Polizist. Auf der Wache habe die 16-Jährige sich dann verzweifelt beklagt:
       "Ich möchte doch nur leben wie jede Deutsche."
       
       Vater Ghulam Mohammad hatte im Sommer 2006 noch versucht, Morsal in
       Afghanistan zwangsweise zu verheiraten, ein Onkel intervenierte jedoch aus
       Deutschland auf ihren Hilferuf per Handy. Dass der Vater in den so
       genannten "Ehrenmord" des Sohnes Ahmad involviert oder ihn sogar in Auftrag
       gegeben hat - dafür konnte die Anklagebehörde jedoch keine Anhaltspunkte
       finden.
       
       4 Aug 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai von Appen
       
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