# taz.de -- Kommentar Anti-AKW-Demo: Eindrucksvolle Warnung an Atomfreunde
       
       > Mit rund 50.000 TeilnehmerInnen erlebte die Anti-Atom-Bewegung am
       > Wochenende ihre größte Demonstration seit über 20 Jahren. Versuche der
       > Atomindustrie, das Meinungsbild zu drehen, sind gescheitert.
       
       Dieser Zulauf hat selbst Optimisten überrascht: Mit rund 50.000
       TeilnehmerInnen erlebte die Anti-Atom-Bewegung am Wochenende ihre größte
       Demonstration seit über 20 Jahren. Allein wird diese Kundgebung zwar weder
       den Wahlausgang noch die anschließende Politik entscheiden. Doch sie ist
       ein eindrücklicher Beleg für die Stimmung im Land - und die lässt die
       Chancen der Atomindustrie auf längere Laufzeiten derzeit rapide sinken.
       
       Denn die Hoffnung der Konzerne, dass das Atomthema heute weniger Menschen
       interessiert, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: Die Demonstration hat
       bewiesen, dass die nächste Generation mindestens so engagiert dabei ist wie
       die vorhergehende. Und auch das gesellschaftliche Spektrum derjenigen, die
       auf die Straße gehen, ist breiter geworden. Heute ist Atomkraft nicht mehr
       nur eine technische und ethische Frage, sondern auch eine wirtschaftliche.
       Mit der Branche der erneuerbaren Energien hat die Bewegung einen starken
       neuen Partner gefunden. Im Vergleich zu den 280.000 Jobs, die dort bisher
       entstanden sind, fallen die Arbeitsplätze in AKW kaum ins Gewicht - die von
       gerade mal 1.200 RWE-Azubis besuchte Pro-Atom-Demo in Biblis hat das
       eindeutig bestätigt.
       
       Auch die sonstigen Versuche der Atomindustrie, das Meinungsbild zu drehen,
       sind gescheitert. Dass ohne Atomkraftwerke eine Stromlücke droht, die
       Preise steigen oder die Klimaziele gefährdet sind, ist durch Studien längst
       widerlegt. Entsprechend breit sind die Mehrheiten für den Atomausstieg.
       
       Und entsprechend fällt die Reaktion der Parteien aus. Union und FDP halten
       zwar an längeren Laufzeiten fest, gehen aber immerhin rhetorisch auf
       Distanz zu den Atomkonzernen; Grüne, SPD und Linke stellen sich eindeutig
       hinter die Forderungen der DemonstrantInnen und versprechen, am Ausstieg
       festzuhalten oder ihn zu beschleunigen.
       
       Die VeranstalterInnen der Demonstration haben dennoch auf Distanz zu den
       Parteien geachtet. Strategisch ist das klug. Denn nur wenn die Bewegung
       nicht als Anhängsel einzelner Parteien wahrgenommen wird, kann sie ihre
       ganze Breite entfalten. Und nur dann kann sie nach den Wahlen weiter Druck
       ausüben, unabhängig davon, wer dann verhandelt. Dass ein Aufkündigen des
       Atomkonsenses gesellschaftliche Konflikte zurückbringen kann, hat die
       Demonstration jedenfalls eindrücklich gezeigt.
       
       7 Sep 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Malte Kreutzfeldt
       
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