# taz.de -- Kulturerbe: "Wir brauchen eine Batikbewegung"
> Mit dem drohenden Ende des Batikmachens geht in Indonesien mehr als eine
> Tradition verloren
(IMG) Bild: Mythen und Legenden stecken in den Batikmotiven
taz: Frau Sulaiman, was bedeutet die Aufnahme von handgemachter
indonesischer Batik in die Weltkulturerbeliste der Unesco für Ihr Land?
Larasati Suliantoro Sulaiman: Für unsere Gesellschaft ist das enorm
wichtig. Damit wenden sich hoffentlich auch viele Indonesier wieder dieser
alten Tradition zu. Denn genau wie bei den beiden weiteren indonesischen
Traditionen, dem Kris-Dolch und dem Wayang-Schattenspiel, die bereits in
die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurden, besteht die Gefahr, dass das
Interesse von Touristen daran zwar groß ist, das Wissen im eigenen Land
aber immer mehr verloren geht.
Hier in Indonesien sieht man Batik doch allerorten, sie ist Teil des
Alltagslebens. Wieso befürchten Sie, dass diese Tradition verloren geht?
Die Batiktücher oder -sarongs, die Sie überall auf den Straßen sehen, das
ist doch keine Batik im ursprünglichen Sinne. Das sind maschinell bedruckte
Stoffe, billig hergestellt und billig verkauft. Echte Batik ist aber kein
Fabrikerzeugnis, es ist ein von Hand gemachtes Kunstwerk, ein Unikat.
Probieren Sie es aus, Sie werden merken, dass Sie sich völlig anders
fühlen, wenn Sie handgemachte Batik tragen.
Auch in anderen Ländern gibt es Batiktechniken. Warum ist gerade die
indonesische Batik nun Weltkulturerbe?
Batik wurde und wird auch in anderen Ländern gemacht, das stimmt. Aber
nirgends war Batik so sehr Teil des Lebens wie in Indonesien, vor allem auf
der Insel Java. Früher konnte jede Frau hier Batik machen, egal ob
Sultanstochter oder Bauersfrau. All unsere Mythen und Legenden stecken in
den Batikmotiven. Dann kam die westliche Mode, kam die Massenware, sodass
jene, die die Stoffe von Hand bemalten und sie mit natürlichen Farben
färbten, kaum noch davon leben konnten. Inzwischen können die meisten Leute
das echte Original vom billigen Imitat gar nicht mehr unterscheiden.
Deswegen brauchen wir eine Batikbewegung, sonst können wir echte Batik bald
nur noch im Museum betrachten.
Wie rufen Sie und Ihre Organisation Sekar Jagad die Batiktradition wieder
ins Bewusstsein?
Wir gehen in Dörfer und schauen, welche Motive und Batiktraditionen es dort
gibt. Der kulturelle Reichtum, der sich dort auftut, erstaunt mich selbst
immer wieder. Aber die, die sich wirklich damit auskennen, werden immer
weniger. Deswegen helfen wir auf Java in über 30 Dörfern, mit Kursen die
Tradition zu erhalten. Durch Ausstellungen und Verkaufsräume helfen wir den
Batikmachern, ihre Stoffe auch zu verkaufen. Ich sehe das auch als
Beschäftigungsprogramm. Denn warum sollten Leute arbeitslos sein, wenn sie
mit ihren Händen Kunst schaffen können? Außerdem muss man verstehen, dass
es um mehr geht als um ein Stück Stoff mit einem Muster drauf. Das
Batikmachen braucht Zeit und Ruhe. Wenn wir uns wieder den alten Techniken
zuwenden, heißt das auch, dass wir den Frieden und die Entspannung suchen,
die damit verbunden sind. Es hängt also von uns selbst ab, ob die Tradition
weiterlebt.
17 Oct 2009
## AUTOREN
(DIR) Annett Keller
## TAGS
(DIR) Reiseland Indonesien
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