# taz.de -- Kommentar Bäume in Hamburg: Schlechtes Vorbild
> Privatleute müssen Bäume teuer erhalten oder ersetzen. Die Stadt hingegen
> nimmt es mit ihren Vorgaben nicht so genau.
(IMG) Bild: Fraglos schön: die Bäume der Emil-Andresen-Straße. Fraglich nur, wie lang sie noch stehen.
Aus dem Hamburger Stadtbild verschwinden Jahr für Jahr rund 3.000
Straßenbäume. Dass sich der Senat mit einem Sanierungsstau herausredet, ist
schwach. Schließlich verlangt er von privaten Grundeigentümern auch, dass
sie ihre Bäume mit viel Mühe erhalten oder ersetzen.
Hamburgern ist es wichtig, in einer Stadt mit vielen Bäumen zu leben. Wenn
sie ihre Heimatstadt preisen, weisen sie schnell darauf hin, wie grün es
hier sei. Soll abgeholzt werden, gehen die Bürger auf die Barrikaden.
Die Stadt treibt einen großen Aufwand, um dem Ruf einer grünen Metropole
gerecht zu werden. So gibt es die bewährte Baumschutzsatzung: In einem
Baumschutzkataster ist jeder einzelne Straßenbaum mit einer
Zustandsbeschreibung erfasst.
Wollen Privatleute Bäume fällen, brauchen sie eine Genehmigung oder sie
müssen für Ersatz sorgen. Bisweilen wird viel getan, um alte Bäume zu
erhalten. Das geht soweit, dass Gebäude um Bäume herum gebaut werden.
Bei der Stadt allerdings verdichtet sich der Eindruck, dass sie es mit
ihrer eigenen Verordnung nicht besonders genau nimmt. Sie argumentiert mit
ihrer Verkehrssicherungspflicht, erklärt den Baum für morsch - und ruckzuck
ist er weg. Damit verliert sie an Glaubwürdigkeit. Sie wird es immer
schwerer haben, den Baumschutz bei Privatleuten durchzusetzen.
19 Oct 2009
## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
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