# taz.de -- Das endgültige Ende von Quelle: Tod eines Versandhändlers
       
       > Auf einer Betriebsversammlung teilt der Insolvenzverwalter mit, dass es
       > keine Hoffnung für eine Rettung von Quelle gibt - eine persönliche
       > Niederlage für Horst Seehofer.
       
 (IMG) Bild: Es gibt nichts mehr zu holen beim Traditionshaus Quelle.
       
       Man könnte erwarten, dass sich an so einem Tag die Wut Luft macht, dass da
       hunderte aufgebrachter Mitarbeiter mit Pfeifen trillern und mit eilig
       gebastelten Transparenten wedeln. Aber nichts von alledem gibt es am
       Stadtrand von Nürnberg, nur Sarkasmus. Ob sie gerade den Film "Der
       Untergang" drehen, fragt ein Mitarbeiter die Kamerateams. Eine Frau hat ein
       blaues Werbefähnchen aus besseren Zeiten mitgebracht. Darauf steht in
       fröhlicher Schreibschrift "Quelle sagt Danke".
       
       Die meisten Mitarbeiter sagen gar nichts, als sie die Treppe hinab zum
       Personaleingang des Quelle-Kaufhauses strömen. Drinnen wird ihnen an diesem
       Nachmittag in einer Betriebsversammlung verkündet, dass es ihr
       traditionsreiches Versandhaus bald nicht mehr geben wird, dass alle
       Hoffnung umsonst war; dass nun auch die 6.600 verbliebenen Beschäftigten
       vor der Arbeitslosigkeit stehen könnten und damit alle der vormals 10.500
       Jobs verloren gehen.
       
       "Nach intensiven Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren sehen
       Insolvenzverwalter und Gläubigerausschuss keine Alternative zur Abwicklung
       von Quelle Deutschland mehr", verkündet der Insolvenzverwalter Klaus Hubert
       Görg trocken. Die Banken hätten die Finanzierung des Versandgeschäfts über
       den 1. Januar hinaus nicht mehr übernehmen wollen. Das sei aber eine
       Bedingung der Kaufinteressenten gewesen. "Es ist aussichtslos", sagt
       Gesamtbetriebsratschef Ernst Sindel.
       
       Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) spricht am Nachmittag von einem
       "schweren Schlag für die Region Nürnberg/Fürth" und beteuert: "Wir haben
       nichts unversucht gelassen und das Menschenmögliche getan, um Quelle eine
       Fortführungschance zu geben." Das Quelle-Desaster ist auch ein Scheitern
       der Politik. Als im Sommer bei Quelle und dem Mutterkonzern Arcandor die
       Krise akut wurde, eilte er nämlich in die Konzernzentrale nach Fürth,
       versprach Hilfe und posierte mit dem Quelle-Katalog. Die Opposition
       lästerte schon damals, Seehofer gehe es eher um wahlkampfwirksame Bilder
       denn um die Rettung von Arbeitsplätzen. Zumal sich auch Seehofers
       Parteifreund, der Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg,
       zunächst zurückhielt. Erst mit wochenlanger Verzögerung vergaben die Länder
       Bayern und Sachsen mit dem Bund einen Massekredit über 50 Millionen Euro,
       der nach der Insolvenz am 1. September den Betrieb bis zum Jahresende
       sicherstellen sollte.
       
       Bayerns SPD-Chef Florian Pronold findet nun, die CSU habe nicht genug
       getan. Guttenbergs Zögern habe Investoren verschreckt. Die Politik der CSU
       sei "blanker Zynismus gegenüber den Mitarbeitern gewesen", sagte Pronold
       dem Münchner Merkur.
       
       Um Quelle fit für den Verkauf zu machen, entließ der Insolvenzverwalter
       seit dem Sommer 3.900 Mitarbeiter. Seehofer zimmerte eilig eine
       Auffanggesellschaft und kündigte ein Strukturprogramm für die Region an.
       Eigentlich ist für solche Maßnahmen Wirtschaftsminister Martin Zeil von der
       FDP zuständig. Doch die CSU lästerte, dessen Ministerium sei "überfordert".
       Auf die Realisierung der versprochenen Wohltaten warten die Menschen in
       Fürth und Nürnberg aber noch heute. Auch als es Quelle noch gut ging, lag
       die Arbeitslosenquote in Nürnberg und Fürth mit 8 Prozent doppelt so hoch
       wie der bayerische Durchschnitt.
       
       Die Abwicklung hat derweil schon begonnen. Im Quelle-Kaufhaus am Rand von
       Nürnberg drängen sich die Schnäppchenjäger. Wo einst volle Regale standen,
       sind heute leere Wände. Dazwischen stehen Wühltische, von der Decke hängen
       Werbeschilder für radikale Rabatte. In der Konzernzentrale in Fürth
       erinnern nur noch zwei kleine blaue Quelle-Fähnchen an den frühen Stolz.
       Insolvenzverwalter Görg will nun profitable Unternehmensteile verkaufen:
       Spezial-Versandsparten wie Hess Natur oder Baby Walz. Oder den
       Homeshopping-Kanal HSE 24. Für den Rest sieht es düster aus.
       
       21 Oct 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Hübner
       
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