# taz.de -- Übernahme: Volkswagen könnte Karmann retten
       
       > Eigentümer und Konzern verhandeln über einen Verkauf. Strittig sind der
       > Kaufpreis und mögliche Überkapazitäten bei VW. 1.600 Mitarbeiter könnten
       > ihre Jobs verlieren, wenn der Deal nicht zustande kommt.
       
 (IMG) Bild: Ein Bild aus glücklicheren Tagen der Kooperation zwischen Karmann und VW: Karmann Ghia-Sportwagen laufen 1960 in Osnabrück vom Band.
       
       Das Schicksal des Osnabrücker Automobilzulieferers Karmann ist weiter in
       der Schwebe. Am Wochenende ist bekannt geworden, dass Volkswagen konkret
       über einen Kauf des insolventen Traditionsunternehmens verhandelt. VW und
       die drei Eigentümerfamilien haben offenbar deutlich unterschiedliche
       Vorstellungen vom Kaufpreis. Für Osnabrück wäre das endgültige Aus bei
       Karmann ein schwerer Schlag.
       
       Der 14. Platz im bundesweiten Wirtschaftsranking der Initiative Neue
       Soziale Marktwirtschaft dürfte eine schwacher Trost sein, wenn die
       150.000-Einwohner-Stadt Karmann verliert. Die Firma ist der größte
       Arbeitgeber in der Region. 1.600 Arbeitsplätze stehen insgesamt auf dem
       Spiel. Gingen sie verloren, stiege die Arbeitslosenzahl Osnabrücks um zwei
       Prozentpunkte auf knapp elf Prozent.
       
       Die Lage des Unternehmens ist kritisch. Seit Juni läuft ein
       Insolvenzverfahren. 800 Mitarbeiter sollen ohnehin entlassen werden. Ohne
       frisches Geld droht schon am 1. November die endgültige Schließung, sodass
       auch die übrigen 800 gehen müssten.
       
       Nach Informationen der Neuen Osnabrücker Zeitung befasst sich der Vorstand
       von VW am heutigen Dienstag mit einem möglichen Kauf des Unternehmens. Das
       letzte Wort werde der Aufsichtsrat am 11. November haben. Unter Berufung
       auf gut informierte Kreise spricht das Blatt von einer Entscheidung "hopp
       oder top": Entweder wird Karmann in den VW-Konzern eingegliedert oder der
       Autoriese lässt die Finger von Karmann.
       
       Medienberichten zufolge wird auf höchster Ebene verhandelt. Auch der Chef
       des VW-Konzerns, Martin Winterkorn, sei beteiligt. Die Karmann-Eigentümer
       wollen demnach einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag haben, VW aber
       nur einen niedrigen zweistelligen Betrag bezahlen. Nach Informationen der
       Neuen Osnabrücker Zeitung verlangen die Eigentümer 65 Millionen Euro; das
       Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete von knapp 100 Millionen Euro.
       Angeblich soll diese Summe nur zu Beginn der Verhandlungen im Raum
       gestanden haben.
       
       Die Karmann-Eigentümer begründen ihre Forderung nach Informationen der
       Nachrichtenagentur AP damit, dass sie in jüngerer Zeit viel investiert
       hätten, zum Beispiel 125 Millionen Euro in eine Lackiererei. Die Restschuld
       betrage 25 Millionen Euro. "Das sind die Summen, die die Gesellschafter
       beglichen sehen wollen, wenn es eine Transaktion gibt", hieß es unter
       Berufung auf mit der Sache vertraute Kreise. Bei VW wird offenbar die Höhe
       des Kaufpreises diskutiert. Außerdem gibt es Befürchtungen, bestehende
       Fertigungskapazitäten könnten hausintern Konkurrenz bekommen.
       
       Darüber, dass Volkswagen Karmann übernehmen könnte, wird schon länger
       spekuliert. Im Juli hatte ein Entwicklungsauftrag von VW für Karmann in
       zweistelliger Millionenhöhe für Aufsehen gesorgt. Kurz davor hatte Karmann
       aufgehört, komplette Fahrzeuge zu bauen. Osnabrück liegt im Wahlkreis des
       niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) - es lag die
       Vermutung nahe, dass Wulff seinen Einfluss bei VW genutzt haben könnte, um
       Karmann eine Gnadenfrist zu verschaffen. Kurz darauf gab es Gerüchte, die
       Landesregierung spreche mit der VW-Spitze über einen Einstieg bei Karmann.
       
       Aktuell leidet das Unternehmen unter ausstehenden Zahlungen. "Karmann steht
       aufgrund der sehr angespannten Liquiditätssituation mit dem Rücken zur
       Wand", sagte Pietro Nuvoloni, der Sprecher des Insolvenzverwalters Ottmar
       Hermann. Karmann habe kaum noch Aufträge in nennenswerter Höhe. Mehrere
       Autohersteller hätten Rechnungen in insgesamt zweistelliger Millionenhöhe
       noch nicht bezahlt. Sollten sie in kürzester Zeit beglichen werden, hätte
       das Unternehmen zumindest "eine kleine Verschnaufpause", wie Nuvoloni
       sagte.
       
       26 Oct 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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 (DIR) Kultobjekt Karmann: Schwachbrüstiger Schönling
       
       Der Streit um Millionen Euro Steuerrückzahlungen wird auch nach dem
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       eh jeder nur an das eine.
       
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       Aussichten hierfür nicht rosig sein.