# taz.de -- Private Filmaufnahmen aufgetaucht: Marilyn Monroe raucht etwas
> Filmaufnahmen zeigen Marilyn Monroe, wie sie mit Freundinnen auf dem Sofa
> sitzt und raucht. Angeblich Marihuana. Das hat noch keiner gesehen –
> außer dem FBI.
(IMG) Bild: Aus den Augen von "Gretchen" gesehen: Marilyn Monroe.
BERLIN taz | Sie sieht einfach klasse aus, keine Frage. Von dem Gesicht der
jungen Frau geht ein Leuchten aus. Tief in ein Sofa gesunken sitzt sie da,
neben einer Freundin, sagt etwas, lacht. Sie kokettiert mit der Kamera,
dreht den Kopf zur Seite, zeigt ihr Profil und zieht an einer Zigarette.
Inhaliert tief und sieht mit breitem Grinsen, offenbar sehr entspannt – und
vielleicht auch ein ganz klein wenig breit – in die Kamera.
Offensichtlich ist: Bei der schönen Frau, die im Mittelpunkt dieses
vierminütigen 16-Millimeter-Films steht, handelt es sich um Marilyn Monroe.
Nicht offensichtlich ist, was sie denn da genau raucht. Aber ist das so
wichtig?
Die über den Nachrichtensender CNN und die New York Post verbreiteten
Filmaufnahmen lagen angeblich seit über 50 Jahren ungesehen auf einem
Dachboden in New Jersey herum. So die Legende, die sich bereits jetzt um
die Aufnahmen der rauchenden Marilyn herum spinnt. Tatsächlich hat die
Besitzerin der Aufnahmen diese bereits in den 60er Jahren an das FBI
ausgeliehen, das Monroes Tod im Jahr 1962 untersucht hatte. Der New Yorker
Artefakt-Sammler Keya Morgan, der gerade einen Dokumentarfilm über den Tod
der Monroe gedreht hat, wurde laut CNN in einem Interview mit dem
verantwortlichen FBI-Agenten auf die Filmaufnahmen aufmerksam gemacht.
Für 275.000 Dollar (rund 180.000 Euro) hat er das Filmmaterial dann von der
bei der Sofa-Runde anwesenden Dame gekauft und versprochen, ihre Identität
zu schützen. Die Unbekannte, die nur mit ihrem Vornamen "Gretchen" genannt
werden will, gab an, sie könne sich nicht genau an das Jahr der Aufnahme
erinnern. Es soll aber Ende der 50er Jahre gewesen sein. Und – Skandal?! –
dass die Monroe darauf Marihuana rauche. Es sei "Gretchens" eigener Joint
gewesen, der in einer kleinen Runde von Freunden die Runde gemacht habe.
Eine Minute des kurzen Filmes ohne Ton ist inzwischen bei Youtube
aufgetaucht. So kann man natürlich auch PR betreiben. Die kurze Szene macht
natürlich neugierig, auf Morgans Film "Marilyn Monroe: Murder at 5th Helena
Drive" – ein klassischer Fall von viralem Marketing also.
Schön ist, wie normal die Monroe auf den Aufnahmen wirkt. Nicht wie eine
Frau, die bereits den Status einer Legende, eines Sex-Symblos, einer Ikone
des 20. Jahrhunderts innehat. Zu der Zeit, zu der die Aufnahmen offenbar
gemacht wurden, war Marilyn Monroe mit Arthur Miller verheiratet, einem
führenden Intellektuellen, Dramatiker und Gesellschaftskritiker des Landes.
Trotzdem könnte sie so auch auf dem Sofa in einem Partykeller in, sagen
wir, Berlin-Wedding sitzen. Sicher, aufgepimpt und schick gemacht ist sie
schon, aber man sehe sich doch mal die jungen Dinger an, die am Wochenende
die Straßen und Clubs erobern.
"Sie ist einfach ein ganz normaler Mensch. Ein Mädchen aus Kalifornien, das
raucht, trinkt, Spaß hat, lacht", sagt Keya Morgan über die Monroe in
seinem Video. Auch sei keines der anderen beiden Mädchen, die auf dem Video
zu sehen sind, offenbar im Filmgeschäft tätig gewesen. "Diese Seite an ihr
haben wir selten oder gar nicht zu sehen bekommen." Und da hat er Recht.
Spekulation bleibt natürlich, was sie da genau raucht. Wobei es eigentlich
keinen Skandal hervorrufen dürfte, sollte es tatsächlich mit THC
angereichertes Rauchwerk sein. Hatte die Monroe, die die letzten Jahre
ihres Lebens in ärztlicher und psychoanalytischer Behandlung war, bis sie
1962 an einer Medikamentenüberdosis starb, doch ein Alkohol- und
Psychopharmaka-Problem. Nun ist natürlich nicht jeder Pillenfan ein Kiffer,
doch dass Marilyn Monroe, die in der Künstlerszene lebte, auch mal gekifft
hat, ist recht wahrscheinlich. Gerüchten zufolge, soll sie das sogar
gelegentlich zusammen mit ihrem Lover JFK getan haben.
Wer glaubt, dass sich der Genuss von THC und anderen, in der Populärkultur
verbreiteten Drogen, in den Vereinigten Staaten erst mit der Generation
Flower Power oder der Protestbewegung verbreitete, irrt. Schon in den 30er
Jahren war Kiffen unter Jazz-Musikern, Künstlern und Schauspielern weit
verbreitet. 1937 erklärten die USA dem Cannabis den Krieg, mit der Parole
"War on drugs" und Hollywood Star Robert Mitchum kam 1948 in den Knast,
weil er mit Dope erwischt wurde. Cary Grant nahm im Rahmen einer
Psychotherapie in den 50ern häufig LSD und empfahl es darauf seinen
Kollegen weiter. Und in den 50er Jahren machten die so genannten Beat Poets
um William S. Burroughs und Jack Kerouac häufigen Gebrauch von
Rauschmitteln aller Art, darunter natürlich auch dem guten alten Gras
Und wer ist dieser Sammler und Doku-Filmer, Keya Morgan? Seine New Yorker
Keya Gallery hat sich auf den An- und Verkauf historischer Gegenstände
spezialisiert. Nach eigenen Angaben besitzt Morgan die größte Sammlung an
Artefakten aus dem US-Bürgerkrieg, außerdem Memorabilia des 16. Präsidenten
der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln und sammelt Dokumente und Fotos
historischer Personen. Im Angebot der Galerie finden sich signierte
Fotografien von Thomas Alva Edison, einem Erfinder der Glühbirne; die
Originalfotografie vom Hissen des Star Sprangled Banner auf der japanischen
Insel Iwo Jima im Februar 1945, signiert vom Fotografen Joe Rosenthal;
sowie ein Originalbild von Sioux-Häuptling Sitting Bull mit dem
Western-Helden William Frederick Cody alias Buffalo Bill. Zu seinen Kunden
zählen Museen, Auktionshäuser und Universitäten.
Auf der Wunschliste der Dinge, die Morgan und seine Galerie gern ankaufen,
stehen illustre Namen anachronistisch beisammen. Er erwirbt mit Vorliebe
alte Besitztümer von Ghandi und General Custer, Mozart und Marlon Brando,
Albert Einstein und Baseballstar und Monroe-Ex-Gatte Joe DiMaggio,
Michelangelo und Teddy Roosevelt. Und natürlich: Marilyn Monroe. Die Rechte
an den Filmaufnahmen mit Letzterer will Morgan in der nächsten Woche über
das Internetauktionshaus Ebay versteigern.
Was uns natürlich vor allem interessiert: Wer wohl die Unbekannte namens
"Gretchen" sein mag, die vor über fünfzig Jahren mit Marilyn Monroe was
auch immer rauchen durfte. Wir würden rasend gern einmal mir ihr auf dem
Sofa sitzen, Marilyn-Geschichten lauschen und rauchen. Dann könnten wir uns
vielleicht sogar den Film sparen, der hier so geschickt beworben wurde.
3 Dec 2009
## AUTOREN
(DIR) Kirsten Reinhardt
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