# taz.de -- Kommentar Iran: Neue Dimesion in Teheran
       
       > Ihre stärksten Waffen sind ihre Friedfertigkeit, ihr Zusammenhalt und
       > ihre Hoffnung. Einer der Protestrufe lautet:"Jetzt, wo wir vereint sind,
       > wovor sollen wir dann Angst haben?"
       
 (IMG) Bild: Exil-Iraner protestieren in Paris vor der iranischen Botschaft.
       
       Die Protestbewegung in Iran hat eine neue Dimension erreicht. An Aschura,
       dem traditionellen schiitischen Trauerfest, haben die Iraner ihre Trauer
       und Wut auf das Regime gerichtet. Ganz Teheran ist voll von Demonstranten,
       und der Protest beschränkt sich nicht auf die Hauptstadt. Auch in Isfahan,
       Schiras, Ardabil und Nadschaf Abad sind die Menschen auf den Straßen. Ihre
       Anzahl geht in die Millionen.
       
       Das Arbeitsverbot für ausländische Journalisten verhindert nicht, dass die
       Welt erfahren kann, was in diesen Tagen und Stunden im Iran passiert. Am
       vergangenen Donnerstag etwa haben die Sicherheitskräfte Raschid Esmaili,
       ein Mitglied der liberalen Studentenorganisation, in Isfahan festgenommen.
       Er ist schwer an Krebs erkrankt und bedarf täglich medizinischer
       Behandlung. Berichtet wurde dies auf mehreren regimekritischen
       Internetseiten, die sich der Zensur erfolgreich widersetzen.
       
       In Teheran haben die Milizen an diesem Sonntag ein Haus angezündet,
       mindestens drei Menschen erschossen und zahlreiche andere mit Messern,
       Metallketten und Tränengas verletzt. Die friedlichen Demonstranten haben
       die Sicherheitskräfte und Basidsch-Milizen in der Hauptstadt zurückgedrängt
       und an zentralen Stellen die Kontrolle übernommen. Ihre stärksten Waffen
       sind ihre Friedfertigkeit, ihr Zusammenhalt und ihre Hoffnung. Einer der
       Protestrufe an diesem historischen 27. Dezember lautet: "Jetzt, wo wir
       vereint sind, wovor sollen wir dann Angst haben?".
       
       In diesen Stunden erscheint es unwahrscheinlich, dass die Sicherheitskräfte
       die Kontrolle wiedererlangen können. Die Islamische Republik hat aus der
       Geschichte nichts gelernt. Denn keine Diktatur dieser Welt bleibt ewig an
       der Macht.
       
       27 Dec 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Saba Farzan
       
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