# taz.de -- Kommentar Iran: Zu spät für Versöhnung
       
       > In Anbetracht der aktuellen Entwicklung im Iran riskiert das Regime, mit
       > dem verspäteten Einsatz von Gewalt seinen Zerfall zu beschleunigen
       
       Das Regime in Teheran befindet sich in einem ausweglosen Dilemma. Nach den
       schweren Unruhen am Wochenende mit acht Toten hat die Staatsführung sich
       offenbar entschlossen, die Strategie der nackten Gewalt anzuwenden. Zwar
       hatte es schon in den ersten Wochen nach dem Ausbruch der Unruhen im Juni
       zahlreiche Tote gegeben, die Demonstranten waren aber bis auf wenige
       Ausnahmen durch Folter im Gefängnis ums Leben gekommen. Nun aber haben die
       Sicherheitskräfte mit ihren Schusswaffen direkt auf die Massen gezielt.
       
       Hätte das Regime von Anbeginn, wie 1989 in China, hart reagiert, wäre
       vielleicht Ruhe eingekehrt. Natürlich hätte man auch eine Strategie der
       Versöhnung einschlagen und dem Volk gewisse Zugeständnisse machen können.
       Doch die Herrschenden haben weder das eine noch das andere getan. Sie haben
       gezögert und damit die Kontrolle über die Opposition verloren.
       
       Ihr hingegen ist es inzwischen gelungen, Millionen Menschen landesweit zu
       mobilisieren. In Anbetracht dieser Entwicklung riskiert das Regime, mit dem
       verspäteten Einsatz von Gewalt seinen Zerfall zu beschleunigen, die
       Unterstützung geistlicher Instanzen noch deutlicher zu verlieren und nicht
       zuletzt eine Spaltung innerhalb der Sicherheitskräfte zu erzeugen. Selbst
       bei den ideologisch geschulten paramilitärischen Kräften gibt es bereits
       Anzeichen der Verweigerung, auf Brüder und Schwestern zu schießen. Die
       Polizei versuchte gestern sogar, jede Schuld an den Toten von sich zu
       weisen. Man habe keine Schusswaffen getragen, erklärte sie.
       
       Wie auch immer: Weder Gewalt noch Versöhnung sind Optionen. Dafür ist die
       Protestbewegung zu weit radikalisiert. Den Demonstranten geht es nicht mehr
       um Neuwahlen. Sie wollen einen anderen Staat.
       
       28 Dec 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bahman Nirumand
       
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