# taz.de -- Kommentar Strompreise: Wechselnde Winde
       
       > Negative Strompreise wird es künftig an der Börse häufiger geben. Dass
       > die Preise dauerhaft unten bleiben, dass werden die Stromkonzerne schon
       > zu verhindern wissen.
       
       Wenn der Wind weht, purzeln die Strompreise an der Börse. Denn schließlich
       steht plötzlich viel Strom zur Verfügung, der sonst in Kohle- oder
       Atomkraftwerken produziert wird. Weil diese nicht so schnell
       heruntergefahren werden können, steigt das Angebot, was zu sinkenden
       Preisen führt.
       
       Bricht dann auch noch die Nachfrage weg, wie jüngst am zweiten
       Weihnachtstag, dann kostet Strom plötzlich gar nichts mehr. Da aber die
       Windenergie ausgebaut wird, die Atomkraftwerke länger laufen und neue
       Kohlekraftwerke geplant sind, dürfte das Phänomen des negativen
       Strompreises an der Börse keine Seltenheit mehr bleiben.
       
       Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass davon die Verbraucher profitieren.
       Denn dazu müsste der Preis dauerhaft in den Keller gehen – und so weit
       wollen es die Energiekonzerne dann doch nicht kommen lassen. Sie werden
       vielmehr für ein geringeres Stromangebot sorgen. Dass sie dafür auch nur
       einen Atommeiler früher abschalten, ist nicht zu erwarten – schließlich
       bringt der rund eine Million Euro pro Tag. Auch die neuen geplanten
       Kohlekraftwerke dürften sie nicht zur Debatte stellen.
       
       Es ist also absehbar, dass die erneuerbaren Energien wieder ins Visier der
       Kohle- und Atomlobby kommen. Denn wenn die unstet produzierenden Windparks
       immer wieder die Wirtschaftlichkeit konstant laufender konventioneller
       Kraftwerke bedrohen, wird das einen ernormen Druck auf die Politik
       erzeugen. Und möglicherweise verzichten dann Eon, RWE und Co doch lieber
       auf das ein oder andere Windrad auf hoher See, das sie eigentlich bauen
       wollen.
       
       Jedes neue Kohlekraftwerk manifestiert also den Status quo der
       Energierzeugung und bedroht den Ausbau der erneuerbaren Energie. Deshalb
       muss jeweils genau geprüft werden, ob ein flexibler zu steuerndes
       Gaskraftwerk nicht die bessere Lösung wäre. Denn das kann man abschalten,
       wenn der Wind in Zukunft kräftig weht.
       
       28 Dec 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stephan Kosch
       
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